Leserbriefe

„Das Thema sachlich diskutieren“

Leser zu der befürchteten Armutseinwanderung von EU-Bürgern aus Rumänien und Bulgarien

Ich bin überzeugter Europäer und halte sehr wenig von der Angstmache vor Armutseinwanderung. Jedoch frage ich mich auch, worum es in der Europapolitik der EU geht. Warum nimmt man in die EU Länder wie Bulgarien oder Rumänien auf, die Minderheiten diskriminieren, in Gettos leben lassen und die nicht für eine ausreichende Schulbildung dieser Menschen sorgen? Geht es nur darum, Mediziner, Ingenieure und andere Eliten nach Nordwesteuropa zu holen und den Rest seinem Schicksal in den Heimatländern zu überlassen, oder möchte man wirklich auch diesen Menschen zu Wohlstand verhelfen? Solange in der EU die Konzerne und Banken regieren, bleibt die Gefahr, dass das Konzept vereintes Europa scheitert.

Markus Meister, per E-Mail

Leider lähmt die vorherrschende politische Korrektheit und Selbstzensur eine offene Diskussion und Lösungsfindung. Abhängig von der Sichtweise des jeweiligen politischen Lagers werden Begriffe wie „Schmarotzer“ auf der einen oder „Diskriminierung“ auf der anderen Seite in Bezug auf die infrage kommenden Menschen ausgetauscht. Das führt nicht weiter. Die Bedenken richten sich ja nicht gegen die Krankenschwester aus Rumänien oder den Facharbeiter aus Bulgarien. Die Bedenken richten sich ja überwiegend gegen unqualifizierte Roma aus diesen Ländern, die mit großer Wahrscheinlichkeit eben keine sozialversicherungspflichtigen Tätigkeiten finden werden. Warum wird das nicht ausgesprochen? Wie will man mit diesen Menschen umgehen? Was haben Rumänien und Bulgarien (seit 2007 EU-Mitglieder) zur Qualifizierung ihrer Bürger beigetragen? Ist es nicht möglich, sachlich über dieses Thema zu sprechen, ohne die zurzeit vorherrschenden Emotionen und Beschimpfungen?

Rudolf Zitzmann, Schmargendorf

Die neue Freizügigkeit, die es auch Arbeitskräften aus Bulgarien und Rumänien ermöglicht, sich an jedem Ort innerhalb der EU beruflich niederzulassen, wird dem deutschen Arbeitsmarkt nicht guttun. Ich spreche diesen Menschen nicht ab, gut ausgebildet zu sein. Aber es wird Unternehmen dazu verleiten, sich überwiegend auf solche Arbeitnehmer zu konzentrieren und sie mit Billiglöhnen auszunutzen. Deutsche Arbeitnehmer werden unweigerlich ins Abseits gedrängt, weil sie mit solchen Löhnen nicht konkurrieren können. Für Fachkräfte, die ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben, werden harte Zeiten anbrechen.

Peter Hirsch, Wilmersdorf

Wegen der steigenden Zahl von Flüchtlingen sowie der absehbaren Armutseinwanderung ist eine weitere immense finanzielle und logistische Belastungen der Städte und Gemeinden zu erwarten. Dies auch noch angesichts leerer Kassen und drückender Schulden, die Bund und Länder schultern müssen. Vor diesem Hintergrund ist es löblich, dass die CSU in ihrem Positionspapier Bedenken äußert. Denn das alles muss auch bezahlbar sein. Augenmaß ist angezeigt, um nicht eine generelle Verweigerungshaltung der Bevölkerung zu provozieren und eine Ablehnungshaltung gegenüber den wirklich Schutz- und Hilfsbedürftigen zu vermeiden.

O. Freund, per E-Mail

Wir wissen die Leistungen unserer östlichen Nachbarn im Grunde zu schätzen. Zudem sind die meisten Zuwanderer, die nun verstärkt aus beiden Staaten zu uns kommen, gut ausgebildet und werden hier dringend gebraucht. Im Übrigen ist der Missbrauch von Sozialleistungen keine Erfindung der Balkanstaaten. Die Mehrheit der hier lebenden Rumänen und Bulgaren leistet treu ihren Beitrag zum deutschen Sozialsystem. Deshalb offenbart derjenige seine sachliche Inkompetenz, der die Angst vor großen Massen an Armutszuwanderern schürt. Wir sollten uns dieser schon lange bekannten Situation unvoreingenommen stellen und die große Chance nutzen, die sich uns bietet. Eine entsprechende Willkommenskultur ist das Mindeste, was Europa von Deutschland erwarten darf.

Joachim Kretschmann, Villingen-Schwenningen

Jetzt sind es also auch Bulgaren oder Rumänen, die sich bei uns niederlassen. Einige verfügen mit Sicherheit über qualifizierte Berufe. Man spricht von Ärzten und Pflegekräften, die in Krankenhäusern oder auch Rehakliniken ihren Dienst absolvieren. Fachkräfte sind natürlich willkommen bei dem Fachkräftemangel, den nicht nur die Industrie zu beklagen hat. Und diese Menschen stellen auch eine Bereicherung für uns dar. Aber leider ist die Zahl derer, die nach Deutschland kommen, weil sie meinen, sich in unseren Sozialsystemen wohlfühlen zu können, ohne etwas dafür tun zu müssen, nicht zu unterschätzen. Wir haben im eigenen Land genug Menschen, die der Hilfe bedürfen.

Eleonore Klein, per E-Mail