Leserbriefe

„Unzeitgemäße Privilegien“

Leser zu den Freifahrten für BVG-Mitarbeiter und den Vergünstigungen für deren Angehörige

Da geht einem ja der Hut hoch. In jedem normalen Betrieb wird erst bei den eigenen Beschäftigten und deren Angehörigen, auch auf höherer Ebene, gespart. Solche Privilegien passen einfach nicht mehr in die heutige Zeit, denn bevor vom Fahrgast jedes Jahr höhere Fahrpreise verlangt werden und die BVG weiterhin Millionenbeträge vom Berliner Senat einstreicht, sollte erst einmal in den eigenen Reihen gekehrt werden.

Karin Woldmann, per E-Mail

Ich bin empört über die Neidhammeldiskussionen um die Freifahrten für Mitarbeiter von BVG und anderen Verkehrsbetrieben. Ich war Schichtarbeiter bei der Deutschen Reichsbahn, arbeitete rund um die Uhr als Zugbegleiter und später auf großen Stellwerken. Verkehrsbetriebe in Deutschland und Europa erkennen diese Belastungen – auch die für deren Familien – an und gewähren als bescheidenen Ausgleich Freifahrten für die Mitarbeiter und deren Familien. Ich bin davon überzeugt, dass die Beamten des Rechnungshofes und die Funktionäre eines Fahrgastverbandes derartige Belastungen in ihrem Familienleben nicht hinnehmen müssen.

Hans-Fr. Bergmann, Potsdam

Welches Unternehmen in Deutschland, das Millionenverluste hat, bevorzugt seine Mitarbeiter in diesem Umfang? Es ist ein Schlag ins Gesicht der immer zahlenden Benutzer der BVG, dass auch noch die Angehörigen Vergünstigungen erhalten. Nach welchem Recht wird diese überholte Regelung beibehalten? Das war vielleicht in früheren Jahren so üblich, dass Mitarbeiter vom Arbeitgeber derartige Vergünstigungen erhielten. Heute leben wir in einer anderen Zeit, wo dies nicht mehr angebracht ist. Man kann von der Bevölkerung kein Verständnis erwarten, wenn jedes Jahr die Preise erhöht werden und auf der anderen Seite Mitarbeiter dermaßen bevorzugt werden. Die eingesparten Millionen können zum Schuldenabbau beitragen oder investiert werden.

Luise Hoffmann, per E-Mail

Bei der Berichterstattung über die Vergünstigungen der BVG-Mitarbeiter, Pensionäre und Ehegatten fehlt, dass nicht alle diese nutzen und die Mitarbeiter auf die Vergünstigungen Steuern bezahlen. Zumal die Mitarbeiter sich entscheiden müssen, ob sie die Vergünstigung haben möchten oder nicht. Wer sich nicht für einen Dienstauweis mit Fahrberechtigung entscheidet, weil er nur mit seinem Pkw fährt, braucht auch keine Steuern zahlen.

W-D. Hack, per E-Mail

Die Berechtigung zu Freifahrten sollten auf den weitläufigen Verwandten-, Bekannten- und Freundeskreis ausgedehnt und die sozialen Einrichtungen zur Stabilisierung und Verbesserung der innerbetrieblichen Atmosphäre aus den Einnahmen aus dem Ticketverkauf finanziert werden. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Olaf Weiser, Reinickendorf

BVG-Mitarbeiter und Mitarbeiter im Ruhestand sowie Polizisten in Uniform sollten nach wie vor freie Fahrt im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg erhalten; für deren Angehörige führt das aber zu weit.

Edelgard Richter, Schöneberg

Mehr kurzfristige Klientelpolitik als zukunftsgerechte Entscheidung

Zum Artikel: „Der Rententrick der Koalition“ vom 20. Dezember

Es widerspricht einer wachstumsfreundlichen Politik, wenn man die fällige Senkung der hohen deutschen Lohnnebenkosten rückgängig macht. Die Koalition aus CDU/CSU und SPD bestätigt mit ihrem einseitigen Schritt zulasten der jungen Generation das Vorurteil, dass sie mehr an kurzfristiger Klientelpolitik als an einer generationengerechten Gesellschaft interessiert ist.

R. Heller, per E-Mail

Rentner sind als Minijobber auf Mindestlohn angewiesen

Zum Artikel: „Aufgabenzettel für die Regierung“ vom 17. Dezember

Horst Seehofer (CSU) will Ausnahmen beim flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn. So sollen Rentner keinen Mindestlohn bekommen, weil sie den nicht nötig hätten. Wenn das nicht in höchstem Maße zynisch und unsozial ist, was dann? Gerade die Rentner, die sich notgedrungen als Minijobber ein Zubrot verdienen müssen, weil sie sich ein Arbeiterleben lang mit Dumpinglöhnen begnügen mussten, sind auf den gesetzlichen Mindestlohn am meisten angewiesen. Rentner sind wohl in Seehofers Augen nicht systemrelevant, sondern die eigentlichen Sparschweine und Trottel der Nation.

Ronald Frede, per E-Mail