Leserbriefe

„Keine zweite Chance verdient“

Leser zur Wiederwahl von Klaus Wowereit zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Flughafengesellschaft

Milliarden Euro an Mehrkosten, monatlich 30 Millionen Euro Zusatzkosten, seit einem Jahr quasi Baustopp und kein Eröffnungstermin in Sicht. Als wenn dies nicht schon schlimm genug wäre. Nein, dem Hauptschuldigen an diesem Chaos ist es nicht zu peinlich, nochmals als Aufsichtsratsvorsitzender zu agieren. Reicht ein einmaliges grobes Versagen nicht? In der freien Wirtschaft wäre er nicht nur beizeiten fristlos gefeuert worden, er hätte auch eine Schadenersatzklage am Hals.

Frank-Michael Orsin, per E-Mail

Mit der erneuten Wahl von Wowereit zum Aufsichtsratschef wurde der Stadt und dem Flughafen BER ein Bärendienst erwiesen. Wowereits Wahl ist Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker. Da wurde der Bock zum Gärtner gemacht.

Christopher Kroll, per E-Mail

Die Verlierer dieser Personalentscheidung sind mal wieder die Berliner. Wie kann es sein, dass dieser Mann immer zum Chef gewählt wird, wo er doch von keinem der Ämter Ahnung hat. Als Regierender Bürgermeister einer bankrotten Stadt hat er den Bau eines Flughafens durchgedrückt, dessen Finanzierung damals noch nicht einmal gesichert war und heute nicht mehr überschaubar ist. Als Aufsichtsratschef hatte er es offenbar nicht einmal geschafft, sich regelmäßig ein Bild von der Baustelle zu machen, denn sonst hätte er auch sehen müssen, dass die jeweils genannten Eröffnungstermine nicht einzuhalten waren.

C. Dexel, Lankwitz

Ich habe das Gefühl, der BER soll gar nicht fertig werden. Dass Klaus Wowereit erneut zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt wurde, spricht dafür. Sämtliche Aufsichtsratsmitglieder müssten doch wissen, dass dieser Mann dafür nicht geeignet ist. Vielleicht sollte der gesamte Aufsichtsrat in die Wüste geschickt und durch kompetente Leute ersetzt werden.

Harald G. A. Becker, per E-Mail

Ich bin verwundert, dass es viele Menschen gibt, die es richtig und wichtig finden, dass Klaus Wowereit erneut den Aufsichtsratsvorsitz für den BER übernimmt. Anscheinend verdrängen diese Menschen, wie viele Milliarden Euro das den Steuerzahler kostet. Aber vom Prinzip her finde ich es gut, dass er den Vorsitz wieder übernimmt. Nicht weil er es kann, sondern weil ich in dem Einzugsgebiet wohne und nun weiß, dass es noch sehr lange dauern wird, bis dieser Flughafen ans Netz geht.

M. Linde, Blankenfelde-Mahlow

Ich halte zwar an meinem Vorwurf fest, dass Wowereit als Aufsichtsratschef die vielen Planungsänderungen beim BER, die auch zu der Überdimensionierung des dortigen Non-Aviation-Bereichs zulasten von Flugbetriebskapazitäten geführt haben, mit zu verantworten hat. Andererseits halte ich es aber für wichtig, dass nicht ein Vertreter der Privatwirtschaft, sondern ein Eigentumsvertreter der FBB den Aufsichtsratsvorsitz führt. Zudem ist Klaus Wowereit mit der Materie vertraut.

Holger Voss, Spandau

Wir haben sehr gelacht, aber auf diesen Aprilscherz fallen wir nicht herein. Wowereit neuer Aufsichtsratchef – das ist einfach zu krass.

April, April – im Dezember?

Michael Kromarek, Erkner

Es hätte für Berlin eine Wiedergutmachung für den erlittenen Imageschaden sein können, wenn man einen anerkannten Fachmann von einem größeren Flughafen als Aufsichtsratschef hätte präsentieren können. Daran hätte auch Herrn Mehdorn mehr gelegen sein müssen, da dieser mehr Druck gemacht hätte. Solche positive Wirkung gibt es mit der Wiederwahl Wowereits nicht.

Jürgen Spiegel, Neukölln

Man kann nur noch um Fassung ringen. Wowereit hat kläglich versagt in seinem so präzise definierten Amt, Aufsicht zu führen. Das heißt auch, Verantwortung zu übernehmen, dass das Steuergeld der Bürger sparsam eingesetzt und nicht verschleudert wird. An dieser Aufgabe ist Wowereit kläglich gescheitert.

Roger Morell, per E-Mail

Wowereit hat keine zweite Chance verdient. Aber so paart sich eben bewiesenes Unvermögen mit Großmannssucht. Hatte der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Joe Kaeser, vielleicht Anfang Dezember bereits eine Vorahnung auf diese Wahlentscheidung und kam daher zu der Feststellung: „Wann der neue Berliner Flughafen fertig wird, ist nicht relevant.“ Es reicht vollkommen, „wenn er in fünf bis zehn Jahren eröffnet wird“.

Dr. Hans-Dieter Seul, Lichterfelde