Leserbriefe

„Die Lebensqualität sinkt“

Leser zur geringen Beteiligung an dem Volksbegehren gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes

Fast zu jeder Tageszeit ist der Tempelhofer Damm in der einen oder anderen Fahrtrichtung hoffnungslos überlastet. In der U-Bahn unterhalb drängen sich die Menschen. Abgase machen das Atmen schwer, und die Randsiedlung wird als Entlastung benutzt. Anstatt ein absolut innovatives Konzept mit einem Gesundheitszentrum und angeschlossenem Flughafen zu nutzen, verfallen die Gebäude, gibt es kaum mehr ein Durchkommen auf den Straßen, und die Lebensqualität sinkt. Und nun soll gebaut werden. Weitere Menschen sollen sich durch das Nadelöhr zwängen, das ohne eine das Tempelhofer Feld in der Mitte durchziehende Straße nicht entlastet werden kann. Was für ein Irrsinn.

Annette Dunin v. Przychowski, Tempelhof

Mittlerweile kann ich diese ganzen Volksbegehren rund um Tempelhof nicht mehr hören. Erst war es das Volksbegehren gegen die Schließung des Flughafens, jetzt ist es ein Volksbegehren gegen die Bebauung des Geländes. Was wäre denn gewesen, wenn das erste Volksbegehren geglückt wäre? Wären dann alle froh und glücklich, einen tollen Flughafen mitten in der Stadt zu haben? Ich wette, dann wäre ein Lärmschutz-Volksbegehrten gestartet. Mich würde es nicht wundern, wenn es sich dabei um ein- und dieselbe Tempelhof-Initiative handelt, die frei nach dem Motto agiert: Hauptsache dagegen!

Peter Hirsch, Wilmersdorf

Schon zu Lebzeiten war Nelson Mandela eine Legende

Zum Artikel: „Stiller Abschied von Nelson Mandela“ vom 10. Dezember

Nelson Mandela war einer der wenigen Menschen, die ihren Legendenstatus schon zu Lebzeiten verdienten. In Erinnerung bleibt, dass er ohne Hass und Bitterkeit nach langer Haft als Präsident Südafrika neu formte, ohne Vergeltung gegenüber seinen Peinigern. Die Angst der europäischen Migranten vor einem Bürgerkrieg entsprach deren altem europäischem Denken. Dass Mandela so weise war, alle zur Versöhnung aufzurufen, war das Umsetzen des humanistischen Wertesystems, von dem in der Theorie viele sprechen, das aber hier wirklich in die Tat umgesetzt worden ist. Mandela war sicher der glaubwürdigste und erfolgreichste Aktivist für Freiheit und Demokratie in der Welt überhaupt. Dass dieser Mann ein Afrikaner gewesen ist, darauf darf der gesamte Kontinent stolz sein.

Markus Meister, per E-Mail

FDP sucht die Schuld für das Wahldesaster bei den anderen

Zum Artikel: „Christian Lindner mit 79 Prozent zum neuen FDP-Chef gewählt“ vom 8. Dezember

Der FDP-Sonderparteitag hat gezeigt, dass die Liberalen die Schuld für ihr Wahldesaster bei den Wählern, den Medien und den anderen Parteien suchen. Selbst nach dem Rauswurf aus dem Bundestag agiert diese Partei weiterhin mit altem und bekanntem Spitzenpersonal. Sowohl der neue FDP-Chef Christian Lindner als auch sein Stellvertreter Wolfgang Kubicki waren schon Mitglieder des FDP-Bundesvorstandes, als es abwärtsging mit der Klientelpartei FDP. Also gilt weiterhin das bekannte Motto für die FDP: „Nichts Neues bei den Liberalen!“

Albert Alten, per E-Mail

Erwachsene müssen mehr mit Kita-Kindern reden

Zum Artikel: „Jedes sechste Berliner Kita-Kind hat Sprachprobleme“ vom 10. Dezember

Sprechen lernen Kinder durch die Unterhaltung mit Erwachsenen und nicht durch deren Vorträge. Sehen Sie sich doch das Bild zu Ihrem Artikel an: Die Kinder langweilen sich, weil sie nur zuhören oder Fragen beantworten sollen. Sie wollen aber selbst fragen, und wir sollten Zeit haben, zu antworten. Je weniger Erwachsene in Kitas zur Verfügung stehen, desto langsamer lernen Kinder die deutsche Sprache. Was wir brauchen, ist mehr Personal und keine Sprachlerntagebücher. Und wenn mehr Erzieher zu teuer sind, weil sie eine hochgestochene Ausbildung mitbringen müssen, dann sollte der Senat endlich auch Mitarbeiter finanzieren, die für das halbe Geld einfach nur da sind und Zeit haben, mit den Kindern zu reden.

Franziska Gravenhorst, Spandau

Die Förderung soll verbindlicher werden. Das gelingt aber nicht, wenn man Bußgelder verhängt. Was nützt eine Überarbeitung der Sprachlerntagebücher und die Weitergabe an die Grundschule? Die Lehrer sollen schneller einen Einblick in die Defizite erhalten. Schön und gut. Wann und wie sollen sie aber die Kinder in einer Gruppe von 28 Schülern gezielt fördern? Es führt eigentlich kein Weg an der Wiedereinführung der Vorklassen vorbei.

Harald Graaf, per E-Mail