Leserbriefe

„Der Beruf ist nicht mehr attraktiv“

Leser zu fehlenden Lehrern, der zunehmenden Gewalt auf Schulhöfen und den Pisa-Ergebnissen

Dass die Zahl der dauerhaft erkrankten Lehrer zurückgegangen ist, liegt schlicht daran, dass die verbeamteten Lehrer und Lehrerinnen schneller wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand verabschiedet werden, nicht etwa an den verbesserten Bedingungen. Und dass Schulen mit mindestens 110 Prozent Personal ausgestattet werden müssen, um einen normalen und zuverlässigen Schulablauf zu garantieren, sagen die Berliner Personalräte schon seit Jahren. Der Beruf ist nicht mehr attraktiv: Angestellte Lehrkräfte kämpfen gerade um einen Tarifvertrag, wünschen sich gleiche Bezahlung wie die Beamten oder eben auch die Verbeamtung. Stattdessen werden sie von der Senatsschulverwaltung mit den nächsten „Maßnahmen zur Attraktivität des Lehrerberufs“ abgeschreckt: Streichung von fünf Entlastungstagen und Erhöhung der Anwesenheitspflicht in den Sommerferien um zwei Tage. Und das alles bei einer Schülerklientel, die zunehmend nicht lernen kann oder will.

Susanne Held, Spandau

Kein Wunder, diese Gewalteskalation an unseren Schulen. Immer mehr Lehrer fallen aus, und von Erziehung in der Familie kann vielerorts keine Rede mehr sein. Die Ablenkung der Jugendlichen durch Medien, Handys und Videos, in denen Gewalt dargestellt wird, haben sicher mit zu dieser Eskalation beigetragen. Jetzt müsste es doch eine wichtige Aufgabe von Pädagogen und Schulbehörden sein, endlich etwas zu unternehmen. So jedenfalls kann das nicht weitergehen!

Christian Lukner, per E-Mail

An Test- und Prüfverfahren werden Anforderungen wie Objektivität, Reliabilität und Validität gestellt. Betrachtet man die seit dem Jahr 2000 auf uns niederprasselnde Kaskade von Pisa-Untersuchungen, so muss man Zweifel daran haben, dass diese Anforderungen erfüllt sind. Der Schwerpunkt der in diesen Tagen veröffentlichten Studie soll angeblich die Mathematik sein – hier beginnt schon der Etikettenschwindel: In Wahrheit geht es mehr um Rechenfertigkeiten. Zugleich soll es sich um einen zeitlichen Vergleich handeln – und gerade beim Rechnen haben sich die Anforderungen im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert. Vom Kopfrechnen, über den Rechenschieber, die Logarithmentafel und den Taschenrechner sind die heutigen Schüler in einer Computerwelt angekommen, in der man z. B. zur Berechnung des Volumens einer Kugel nur noch den Radius in das entsprechende Feld auf dem Bildschirm eingibt. Nichts gegen Leistungsvergleiche, aber bei Pisa werde ich an den Spruch eines Lehrers erinnert: „Wer zu viel misst, misst Mist.“

Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann, Schöneberg

So ein Unfall kann nur einem Autofahrer passieren

Zum Artikel: „Fahrer verursachte Unfall wegen des Navigationsgerätes“ vom 4. Dezember

Viele Autofahrer haben sich in den letzten Wochen über die Radfahrer aufgeregt und sie als Verkehrssünder schlechthin beschrieben. Nun kann man aber leider täglich viel über Autounfälle ohne Fahrradbeteiligung lesen, die keineswegs Kavaliersdelikte darstellen. Sie reichen von Fahrerflucht, überhöhter Geschwindigkeit, Unachtsamkeit beim Abbiegen und Türöffnen, Fahren unter Einfluss von Rauschmitteln bis hin zum Abbiegen nach Anweisung des Navigationsgeräts. Mögen sich die Verfehlungen der beiden Typen von Verkehrsteilnehmern manchmal überschneiden, ein Radfahrer würde aber eher nicht an einer völlig ungeeigneten Stelle links abbiegen, selbst wenn sein Navigationsgerät ihm dazu raten sollte.

Wilfried Graurock, Westend

Viele Berliner können sich kein Auto mehr leisten

Zum Artikel: „Mehr Babys, weniger Autos“ vom 5. Dezember

Ich glaube, dass ein Irrtum vorliegt, wenn in dem Artikel geschlussfolgert wird, dass viele Berliner keine Autofans seien, weil nicht mal mehr jeder Dritte (Tendenz stark fallend!) ein Auto besitzt. In München besitzt mehr als jeder Zweite (Tendenz steigend!) ein Auto. In Flächenländern kommen sogar auf 1000 Einwohner bis zu 900 Kraftfahrzeuge. Berlin ist nun einmal das Armenhaus der Nation. Viele Löhne und ganz besonders auch die Renten haben seit der Einführung des Euro inflationsbereinigt um mehr als 33,33 Prozent, sprich ein Drittel, an Wert verloren. Und da müssen sich die Berliner natürlich irgendwann entscheiden: Zahle ich lieber meine Miete weiter, oder wohne ich künftig im Auto, so wie mancher Amerikaner. Dazu passt natürlich die Mitteilung, dass immer mehr Autos immer mehr Mängel aufweisen. Erst wird an Reparaturen gespart, und dann muss das Auto abgeschafft werden.

Rolf Pilgram, Schöneberg