Leserbriefe

„Vergessen, worum es geht“

Leser zum UN-Klimagipfel in Warschau zur Vorbereitung eines Klimaabkommens ab 2015

Der UN-Klimagipfel ist zu Gast in Warschau beim Umweltsünder Polen, der 90 Prozent der Elektrizität aus Kohle gewinnt, vermehrt auf Kohlekraftwerke setzt und seine Zukunft in der Braun- und Steinkohle sieht. Das wäre genau so, als würde das Kardinalskollegium in der Hölle oder die Bundesregierung bei der Deutschen Bank tagen. Auf die richtige Location kommt es an. Deshalb schlage ich vor, den UN-Klimagipfel demnächst dort abzuhalten, wo die Auswirkungen des Klimawandels spürbar sind, etwa an den Polen, wo die Gletscher schmelzen, und in den Überschwemmungsgebieten der Erde. Vielleicht geht dann unseren Politikern endlich ein Licht auf.

Roland Klose, per E-Mail

Die Weltklimakonferenz in Warschau wird wohl kaum nennenswerte Fortschritte zum Schutz der Umwelt und des Klimas bringen. Überhaupt ist das Thema ziemlich unter die Räder gekommen – auch bei uns. Deutschland war mal Vorbild, nach dem Ausstieg aus der Kernkraft steigen die Kohlendioxidemissionen wieder an. Wir sind im internationalen Vergleich ins Mittelfeld abgerutscht. Auch in den Koalitionsverhandlungen rangiert der Umweltschutz allenfalls an hinterer Stelle. Haben wir vergessen, worum es eigentlich geht?

Christian Lukner, per E-Mail

Keiner hat deswegen Angst, nicht modern zu sein

Zum Artikel: „Berlin verdient eine kreative Architektur“ vom 16. November

Ich verstehe nicht, warum sich Architekt Daniel Libeskind über die Rekonstruktion des Stadtschlosses aufregt, das in die historische Mitte zurückkommt. Auch das Münchner Nationaltheater und die Münchner Residenz waren fast total zerstört, gehören aber zum Bild der alten Residenzstadt. Und keiner hat deswegen Angst, nicht modern zu sein. Libeskind sollte sich besser am Kemperplatz engagieren. Dort könnte er sich mit dem fehlenden Solitär hervortun. Damit hätten wir einen in Europa einmaligen Platz moderner Solitäre, und uns bliebe die Klötzchenarchitektur von Stimmann und Braunfels erspart.

Jürgen Spiegel, Neukölln

Personalknappheit in allen Bereichen verhindert Kontrolle der Verbote

Zum Artikel: „Die Deutschen wünschen sich mehr Verbote“ vom 21. November

Wir haben schon eine Menge Regeln und Gesetze, nur werden diese oft nicht eingehalten. Vor allen Dingen können wir beschließen, was wir wollen. Wenn es nicht genug Menschen gibt, die die Einhaltung der Gesetze kontrollieren, ist alles für die Katz. Was sollen mehr Lebensmittelkontrollen, wenn es nicht einmal genug Kontrolleure für die Gastronomie gibt? Das Grundübel ist die Personalknappheit in allen Bereichen.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Letztlich wird es so enden wie in den allermeisten Fällen

Zum Artikel: „Max Bahr: Mitarbeiter wollen auf Einkommen verzichten“ vom 19. November

Verständlich ist es ja, dass die Mitarbeiter Lohnverzicht üben wollen, um das Unternehmen zu unterstützen beziehungsweise zu entlasten. Letztlich wird es so enden wie in den allermeisten Fällen. Das Unternehmen wird nicht gesunden, sondern pleitegehen, und die Mitarbeiter haben mit ihrem Verzicht dazu beigetragen, dass ihnen eventuell noch das Arbeitslosengeld gekürzt wird.

P. Rost,per E-Mail

Das Geheimnis schnellen Bauens ist ganz einfach erklärt

Zum Artikel: „Als Berlin noch Großprojekte gestemmt kriegte“ vom 17. November

Die Autorin des Artikels wundert sich, dass man die U-Bahn vorfristig fertiggestellt und sogar die Kosten eingehalten hat. Das Geheimnis des schnellen Bauens ist einfach erklärt. Damals hatte Siemens die volle Verantwortung, also ein Kapitalist, der auch noch Geld verdienen musste. Nur Fachkräfte hatten für die Ausführung des Projektes etwas zu sagen, nachdem die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung einen entsprechenden Beschluss gefasst hatte. Damit endete die Verantwortung der Politik. Heute ist das anders. Beim Flughafen BER in Schönefeld wurde ein Aufsichtsrat gebildet, in dem nur noch Politiker saßen. Außerdem wurde von der PDS/Linkspartei durchgesetzt, dass die Führung des Vorhabens unter „kommunaler Verantwortung“, also ohne leistungsfähigen Konzern zu erfolgen hat. Das Ergebnis solcher Entscheidungen sehen wir nun bei der immer noch unfertigen Großbaustelle.

F. Niedergesäß, per E-Mail