Leserbriefe

„Nicht alles darf erlaubt sein“

Leser zu dem Abhörskandal des US-Geheimdienstes, der auch das Handy der Bundeskanzlerin ausspähte

Die Abhöraffäre des amerikanischen Geheimdienstes NSA sollte jedem Internetnutzer bewusst machen, dass es sowohl eine Privatsphäre als auch den Schutz von persönlichen Daten längst nicht mehr gibt. Der Zugriff auf persönliche Daten erfolgt Tag und Nacht – und die NSA wird sich weitere Zugriffsrechte auf die jeweiligen Netzwerke wie etwa Facebook oder Twitter ohne Rücksicht auf Gesetze und national geltende Verfassungen wie etwa das deutsche Grundgesetz verschaffen. Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte sind für den amerikanischen Geheimdienst ohne Bedeutung – egal, wer gerade im Weißen Haus in Washington als Präsident seine Amtsgeschäfte wahrnimmt.

Albert Alten, per E-Mail

Es ist wohl unstrittig, dass die Ausspähung Deutschlands und insbesondere der deutschen Bundeskanzlerin durch die USA eine bodenlose Frechheit ist und nicht so hingenommen werden kann. Die USA bilden sich ein, sich alles erlauben zu können, weil niemand ihnen Paroli bietet. Europa sollte Herrn Snowden Asyl gewähren, damit die gesamte Angelegenheit ordentlich untersucht werden kann und wir nicht auf die zweifelhaften Aussagen der Amerikaner angewiesen sind. Sollte die europäische Asylgewährung an dem Veto der Briten scheitern, müsste Deutschland ihm Asyl gewähren, um den Amerikanern zu zeigen, dass sie sich nicht alles erlauben können.

Harald G. A. Becker, per E-Mail

Seit der Sendung von Günther Jauch wissen wir nun vom ehemaligen US-Botschafter, dass es keine Freundschaft ist, die uns mit den USA verbindet, sondern Partnerschaft. Gut, wenigstens eine klare Aussage. Aber auch in Partnerschaften gelten Regeln. Auf keinen Fall kann man es als selbstverständlich hinnehmen, beschnüffelt und bespitzelt zu werden. Und die Begründung in Bezug auf Terrorabwehr ist einfach nur lächerlich. Eine öffentliche Entschuldigung ist das Mindeste, was von den USA gefordert werden kann. Darum finde ich die Reaktion der brasilianischen Präsidentin, die Einladung ins Weiße Haus abzulehnen, passend und begrüßenswert. Auch unsere Regierung sollte ihre devote Haltung gegenüber den USA aufgeben und mit mehr Selbstbewusstsein auf geltende Rechtsvorschriften in Deutschland verweisen.

Bärbel Hartenstein, per E-Mail

Erinnern wir uns an den 11. September 2001. Terroristen haben in New York einen Anschlag auf das berühmte World Trade Center verübt, die beiden Turmbauten wurden in Schutt und Asche gelegt, mehr als 3000 Tote waren zu beklagen. Der damalige US-Präsident George W. Bush versprach dem amerikanischen Volk, dass so etwas sich nie wieder in Amerika wiederholen werde. Der damalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder versprach sofort der amerikanischen Regierung uneingeschränkte Solidarität. Vergessen wir nicht, dass die Terroristen bei der Vorbereitung des Anschlags ihren Wohnsitz in Deutschland hatten. Amerika organisierte eine weltweite Erfassung aller digitalen Informationsmeldungen, also aller Telefonate. Stellen wir uns vor, unser Bundestag wird von Terroristen in Schutt und Asche gelegt und die Bundesregierung hätte das mit einer Telefonüberwachung verhindern können. Politiker aller Couleur würden unserer Bundesregierung Versagen vorwerfen. Ich hoffe, dass ein derartiges Szenario niemals eintritt.

Wolfgang Schwaneberg, Charlottenburg

Nun dürften auch die letzten Blauäugigen damit aufhören, von unseren amerikanischen Freunden zu reden. Immer standen ausschließlich politische und wirtschaftliche Interessen für das eigene Land im Vordergrund. Der Verfolgungswahn vor angeblichen Terroristen wird als Vorwand für alle möglichen Aktionen genutzt.

Christian Hahn, Friedenau

Papierlose Bürokratie birgt großes Risiko des Datenverlustes

Zum Artikel: „Akten aus Papier? Verboten!“ vom 26.Oktober

Die papierlose Bürokratie der Wiener Verwaltung kann als Vorbild nicht ganz überzeugen. Denn auch wenn man sehr dienstleistungsorientiert arbeitet, darf man nie vergessen, dass es im Internet nur eine eingeschränkte Sicherheit gibt. Deswegen ist ein gänzlicher Verzicht auf herkömmliche Aktenordner selbst aus ökologischer Sicht kein zukunftsweisender Schritt. Auch weil Server jederzeit – und dies nicht nur für einen kurzen Moment – ausfallen können. Wie im schlimmsten Fall durch gezielte Cyberangriffe, die zum Beispiel bereits 2007 auf die estnische Kommunikationsstruktur stattgefunden haben.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail