Leserbriefe

„Platz machen für Neuanfang“

Leser zu den Problemen beim Großflughafen BER und der Suche nach einem Aufsichtsratsvorsitzenden

Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen spricht sich für Klaus Wowereit als BER-Aufsichtsratsvorsitzenden aus, um im Interesse Berlins den Interessen des Bundes bei den Flughäfen Frankfurt und München entgegenzuwirken. Herr Diepgen sei daran erinnert, dass die Lufthansa-Drehkreuze Frankfurt und München bereits vor der Wiedervereinigung eingerichtet wurden und das geteilte Berlin von Lufthansa wegen eines Alliiertenbeschlusses nicht angeflogen werden durfte. Trotzdem hat Lufthansa sein Engagement in Berlin-Brandenburg in Form eines erweiterten Streckenangebotes sowie von Investitionen am Simulatorenzentrum in Schönefeld und dem Bau einer neuen Wartungshalle stark erhöht. Nie zuvor hat die Fluggesellschaft ihre Kapazitäten an einem Standort in ähnlicher Größenordnung auf einen Schlag erweitert. Nun ist die regionale Luftverkehrspolitik am Zuge, indem sie einen Singleflughafen BER schafft, welcher dann auch entsprechende Umsteigemöglichkeiten bietet. Hierfür wäre ein neuer technischer Flughafengeschäftsführer sicherlich sinnvoll.

Holger Voss, Spandau

Wowereits Satz „Wir werden erst dann einen Starttermin bestimmen, wenn wirklich erkennbar ist, dass da nichts mehr schiefgeht“ ist ein Freibrief für ihn und Flughafenchef Hartmut Mehdorn, weiter herumzuwurschteln. Bisher ging unter seiner Leitung alles schief, und er und Herr Mehdorn können nun ohne Stress bis auf Weiteres Monat für Monat 35 bis 40 Millionen Euro in den Sand setzen. Ex-Technikchef Horst Amann kann sich bei Mehdorn, der den Machtkampf gewonnen hat, bedanken, dass er jetzt einen Job auf dem Abstellgleis mit vollen Bezügen in Höhe von 300.000 Euro jährlich erhält. Führerlos dümpelt der BER vor sich hin.

Irmela Christen, Kladow

Klaus Wowereit, der für das BER-Desaster mitverantwortlich ist, will wieder Aufsichtsratsvorsitzender beim BER werden. Es muss die Frage gestellt werden, wann Wowereit endlich die Verantwortung für den entstandenen Schaden übernimmt und reumütig auf alle Posten verzichtet und in der Versenkung verschwindet. Herr Diepgen sollte sich seinen Einsatz für Wowereit noch einmal überlegen.

Egon Franke, per E-Mail

Das Drama nimmt kein Ende, so könnte man auch die derzeitigen Vorgänge beim BER bezeichnen. Eine Razzia, per Gerichtsbeschluss, weil Unterlagen zurückgehalten werden, und dann auch noch bei den Planern. Es wird allerhöchste Zeit, diesen ganzen Schwindel zu beenden. Kein Wunder, wenn die Kosten bald die Fünf-Milliarden-Grenze erreichen und womöglich noch höher ausfallen. Die bisher Verantwortlichen sollten ihre Fehler endlich einsehen und Platz machen für einen kompletten Neuanfang. Notfalls muss die Bundesregierung hier eingreifen. Besser ein Ende mit Schrecken.

Christoph Luban, per E-Mail

Wowereit sagte in der Öffentlichkeit, wir lassen uns nicht drängen mit dem BER, wir haben Zeit. Jeden Monat kostet der BER zusätzlich mehr als 35 Millionen Euro. Und dieser Politiker will nun wieder den Aufsichtsratsvorsitz für das Projekt BER übernehmen?

Wolfgang Schwaneberg, Charlottenburg

Vorrangige Aufgabe ist die Wahrung der Mitgliederinteressen

Zum Artikel: „Der ADAC stellt sich neu auf – und betreibt demnächst Fernbusse“ vom 28. Oktober

Als langjähriges Mitglied des ADAC habe ich meinem Club gegenüber die neuesten Beitragserhöhungen kritisiert, mit denen offensichtlich der Einstieg in den Busreiseverkehr finanziert werden soll. Nun ist sicher nichts gegen die Gründung neuer Unternehmen einzuwenden, in diesem Fall geht sie aber zulasten der Clubmitglieder, die sie finanzieren sollen. Wenn beim ADAC zu hohe Überschüsse erwirtschaftet werden, sollten diese seinen Mitgliedern zugutekommen. Keine Clubleistung ist so gut, dass sie sich nicht verbessern ließe, und laut Satzung des ADAC soll seine Tätigkeit der Wahrung der Mitgliederinteressen dienen. Diese Mitglieder stehen jedoch täglich im Stau, ruinieren sich ihre Fahrzeuge auf maroden Straßen, sind von Mautplänen bedroht und müssen hilflos zusehen, wie ihre Steuern in sachfremden Gebieten versickern, statt zur Behebung dieser Missstände verwendet zu werden. Der ADAC sollte seine ganze Kraft dazu verwenden, diese Zustände zu verbessern. Dazu braucht er jeden Euro, und dafür sollte er seine Überschüsse verwenden. Wer mit dem Bus reisen möchte, kann auf ein umfassendes Angebot jahrzehntelang bewährter Unternehmen zurückgreifen. Wer als Kraftfahrer den Beistand eines Autoclubs sucht, braucht einen bezahlbaren ADAC .

Bernhard Bergmann, Britz