Leserbriefe

„Rückschritt an Selbstbestimmung“

Leser zu den Reformen von Kardinal Woelki, der die 105 Pfarreien im Bistum auf 30 reduzieren will

Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Berlin und Kardinal, präsentiert seine „pastoralen Leitlinien“ als „geistlichen Prozess“. Klarer, schlanker, stärker soll alles im Erzbistum werden. Aber er verschweigt die Reduzierung von 105 auf 30 Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte. Er erwähnt nicht den Traditionsbruch, wenn viele Gremienvertreter überflüssig werden. Er verschleiert diesen Rückschritt an Selbstbestimmung, indem er ankündigt: „Die Wahlordnungen von Kirchenvorständen und Pfarrgemeinderäten werden durch das Erzbischöfliche Ordinariat entsprechend angepasst.“ Keine künftige „Netzwerkstruktur“ kann den Eingriff in die Autonomie und Kompetenz von Gemeinden ausgleichen.

Angelika Plümpe, per E-Mail

Jetzt wird gründlich in Berlin nachgerechnet. Warum denn nicht vorher? Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen, und keiner will es gewesen sein. Da beruhigt auch nicht, wenn das Erzbistum Berlin reformiert werden soll. Etwa, um mit den zu erzielenden Minderausgaben den „Prachtbau“ für Bischof Tebartz-van Elst in Limburg zu refinanzieren? Aus meiner Sicht hätte auch nur ein Teil dieser Ausgaben auch für die Milderung der Flüchtlingsdramen in anderen Ländern beitragen können.

Wolfgang Koschmidra, per E-Mail

„Aus 105 katholischen Pfarreien werden 30.“ Das soll eine Reform sein? Es ist keine Frage, dass die Kirche in einem tiefgreifenden Umbau steckt. Da ist es aber wichtig, dass die Kirche den Menschen nahe ist, ihnen ein Dach über ihre Seele bietet, sie die Liebe Gottes ortsnah spüren lässt. Die Seelsorge lässt sich optimieren, ohne Pfarreien aufzulösen, ohne pastorale Riesenräume zu gründen, ohne Gremien zu entrechten. Pfarreien dürfen nicht nur als Verwaltungseinheiten missverstanden werden. Die Auflösung einer „gesunden“ Pfarrgemeinde ist wie die Auflösung einer lebendigen Ehe durch die Kirche. Was passiert nach der Strukturreform, nach dem Eingriff in die Autonomie? Pastoraltheologen sagen: Sonntagsversammlungen werden auf ein Drittel schrumpfen. Um den pastoralen Plan „Wo Glauben Raum gewinnt“ für das Erzbistum Berlin umzusetzen, bedarf es der Mitbeteiligung der Laien. Die wirksame Beteiligung an der Strukturreform ist die Nagelprobe, ob man Laien wirklich will. Kardinal Woelki kann nicht ohne sie reformieren und dann von ihnen verlangen, dass sie die ungewollte Reform ausführen.

Claudia Krippner, per E-Mail

Freundschaft sollte ein Kernprojekt der Arbeit werden

Zu dem Artikel: „Gauck regt Aufbau einer neuen Uni an“ vom 19. Oktober

„Europa braucht eine neue Generation von leidenschaftlichen Europäern!“ – diesen Satz von Bundespräsident Joachim Gauck kann man nur doppelt und dreifach unterstreichen. Es ist zu wünschen, dass an der Oder zwischen Frankfurt und Słubice eine Nahtstelle entsteht wie am Rhein zwischen Straßburg und Kehl. Der Bundespräsident sollte Europa und die Freundschaft zwischen Polen und Deutschland zu einem Kernprojekt seiner Amtszeit machen.

Wolf-Rüdiger Heilmann, Schöneberg

Feuerwehr leidet unter ständig zunehmender Arbeitsüberlastung

Zum Artikel: „Abgeordnetenhaus: Personalräte beklagen Missstände bei der Polizei“ vom 18. Oktober

Nicht nur bei der Polizei, sondern im gesamten öffentlichen Dienst des Landes muss hinsichtlich der Bezahlung des Personals und der ständig zunehmenden Arbeitsbelastung etwas passieren. Noch immer erhalten die Landesbeamten bis zu 13 Prozent weniger Gehalt als im übrigen Bundesgebiet. Außerdem werden Behörden wegen Arbeitsüberlastung einfach vorübergehend geschlossen oder sind telefonisch nicht mehr erreichbar. Die Personalpolitik dieses Senats ist nicht mehr akzeptabel und sollte vom Abgeordnetenhaus gerügt werden. Denn irgendwann werden wir ein Sicherheitsproblem haben, wenn auch die Polizei und die Feuerwehr wegen Personalmangel oder Arbeitsüberlastung einfach mal für kurze Zeit dichtmachen!

Thomas Henschke, Reinickendorf

Schön, wenn alle den 18. Geburtstag erleben

Zum Artikel: „Späte Väter“ vom 19. Oktober

Ich empfinde diese „späten Väter“ im Allgemeinen als verantwortungslos. Wie schön, dass sich Herr Franck und Frau Lüke bei der Geburt „geschworen haben, die 18 Jahre, bis die Tochter volljährig ist, auf jeden Fall zusammenzubleiben“! Ich wünsche ihnen alles Gute – und hoffentlich erleben es auch alle!

Editha Rochow, per E-Mail