Leserbriefe

„Strenge Kriterien sind wichtig“

Leser über die Polizeibewerber, die am Deutschtest scheitern, und die Nachwuchssorgen der Behörde

Es war schon immer so, dass die überwiegende Mehrzahl der Bewerber an der Aufnahmeprüfung gescheitert ist. Strenge Kriterien sind hier aber besonders wichtig, denn der Schutzmann von morgen muss in vielen Dingen Vorbild sein: Auftreten, Bildung und Belastbarkeit sind nur einige davon. Wahrer Grund für den Nachwuchsmangel ist aber das nicht mehr vorhandene Ansehen dieses Berufs. Wer lässt sich schon gern von kürzlich gefassten Straftätern „zum Hansel“ machen, wenn er diesen wenig später wieder auf der Straße begegnet, weil ein milder Richter wegen ihrer ach so schlechten Kindheit großzügig Haftverschonungsgründe gewährt hat? Dies schreibt einer, der 1964 in den Polizeidienst eintrat und Ende der 60er-Jahre den Steinwürfen krimineller Randalierer ausgesetzt war, die heute bedeutende Posten in Politik und Rechtswesen innehaben. Anstatt die Ordnung wiederherzustellen, bekamen wir Schilde und Helme, um in Zukunft die Wurfgeschosse abwehren zu können. Meinen Entschluss, die aussichtsreiche Beamtenlaufbahn 1971 zu beenden, habe ich seither keinen Augenblick bereut.

Bernhard Bergmann, Britz

Die neue deutsche Rechtschreibung ist nicht einfacher geworden. Ich würde den Polizeibewerbern, die beim Deutschtest durchfallen, noch einen Auffrischungslehrgang in deutscher Sprache anbieten, um dann die meisten später doch einzustellen zu können. Eine bessere Bezahlung sollte gerade in Berlin auch erfolgen. Eine Idee von mir wäre, eine Polizeizulage zu zahlen, die die besseren Gehälter zum Bund oder zu dem Land Brandenburg ausgleicht.

Thomas Splittgerber, Lichterfelde

Zunächst: Herzlichen Glückwunsch zu diesem Artikel. Insbesondere für die Aussagen der Gewerkschaft der Polizei. Sie hat recht: Die Wertschätzung der Polizeiarbeit durch die letzten Senate ist nicht vorhanden. Wir werden schlecht bezahlt und im Stich gelassen. Ich würde mein Kind nicht zur Polizei schicken.

Ralf Ruß, per E-Mail

Es bleibt nach wie vor die Aufgabe der Bundesregierung beziehungsweise der Länder, den Schülern eine Schulausbildung zu ermöglichen, mit der sie später eine Berufsausbildung absolvieren können. Es darf auch ein gewisser Druck aufgebaut werden, um zu erreichen, dass sich ein Teil der Jugendlichen nicht in der Berufsgruppe Hartz IV wiederfindet. Fördern und Fordern heißt deshalb die Devise.

Lothar Wirth, per E-Mail

Honorarverträge geben Anreize für falsche Therapien

Zum Artikel: „Haben Berliner besonders gesunde Knie?“ vom 18. September

Eigentlich müsste das Gesundheitsministerium der Bertelsmann-Stiftung dankbar sein, da sie mit ihrem neuen „Faktencheck Knieoperation“ auf Ungereimtheiten bei Gelenkoperationen hinweist. Wenn die bundesweiten Vergleiche der Operationsraten bei den Kniegelenken erhebliche Abweichungen erkennen lassen, dann besteht wohl dringender Handlungsbedarf der Gesundheitspolitiker. Weniger Arthroskopien im Osten müssen ja nicht unbedingt zum Nachteil der Patienten sein. Wenn aber durch regional abweichende Honorarverträge Anreize für falsche Therapien gegeben sind, dann kann das nicht der Gesundheitsfürsorge aller Patienten gerecht werden. Wann endlich gibt es einheitliche Therapie-Leitlinien? Damit könnten wohl auch wirtschaftliche Anreize durch die Erhöhung der Operationszahlen von vornherein beseitigt werden.

Frank Petzsch, Prenzlauer Berg

Von der täglichen Arbeit muss man leben können

Zum Artikel: „Union lockt die SPD mit Mindestlohn“ vom 18. Oktober

Man muss von dem, was man mit der täglichen Arbeit verdient, auch leben können. Aber was heißt leben können? Es gab immer schon Menschen, die vom Bildungsgrad her weniger verdienten. Sie führten ein bescheideneres Leben. Kein Auto, keine Fernreisen, kein Handy, kein Laptop, keinen Flachbildschirm im Wohnzimmer und auch noch im Schlafzimmer. Heute gibt es Hartz-IV-Empfänger, die fahren mit dem BMW und Laptop zum Arbeitsamt und holen ihre Stütze ab. Nur keiner will es aussprechen.

Wolfgang Schwaneberg, Charlottenburg

Die Einführung flächendeckender gesetzlicher Mindestlöhne wäre der Tod für weiteres Wachstum und die Sicherung von Arbeitsplätzen. Dabei kommt es weniger auf das Ziel Mindestlohn an, sondern auf die Höhe. 8,50 Euro ist zu viel. Die Tarifautonomie und die Marktwirtschaft dürfen keinesfalls „ausgehöhlt“ werden.

Christoph Luban, per E-Mail