Leserbriefe

„Verständlicher öffentlicher Zorn“

Leser zum Skandal um Limburgs Bischof Tebartz-van Elst wegen der horrenden Baukosten für den Amtssitz

Der öffentliche Zorn über den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wegen seines feudalistischen und selbstherrlichen Verhaltens ist augenscheinlich. Nicht dagegen ist offensichtlich, wie der deutsche Staat seine Kirchenfürsten privilegiert und alimentiert. Wer weiß schon, dass diese Kirchenfürsten aus Steuermitteln besoldet werden (in der Größenordnung wie Generäle und Staatssekretäre), wohlgemerkt: nicht aus den Mitteln der Kirchensteuern, die alle Gläubigen mit ihren Steuern an die Kirchen abzuführen haben, sondern zusätzlich aus Steuern nach Besoldungsordnungen entsprechend den Bestimmungen der jeweiligen Bundesländer zulasten derer Haushalte. Dazu kommen Privilegien wie freie Wohnungen (siehe Bischof von Limburg, der seine Dienstwohnung herrichten konnte) und Dienstfahrzeuge mit Chauffeur. Hier sollten nach meiner Auffassung analog den erfreulichen Prämissen des neuen Papstes auch neue Maßstäbe gelten.

Werner Kleist, Schmargendorf

Der bescheidene Limburger Bischof der Armen, Franz Kamphaus, wohnte noch im Priesterseminar. Sein Nachfolger, Franz-Peter Tebartz-van Elst, braucht jedoch eine repräsentative Bischofsresidenz in Limburg, deren Baukosten im Laufe der Jahre von 5,5 auf 31 Millionen Euro angestiegen sind. Ist diese gigantische Kostenexplosion in der katholischen Kirche einmalig? Nein, so verschlang der Bau des Petersdoms in Rom in 120 Jahren Bauzeit nach heutigen Berechnungen ein stolzes Sümmchen von etwa 300 Millionen Euro. Finanziert wurde der Prestige- und Prunkbau durch den Ablasshandel und den Peterspfennig. Er war der Auslöser für die Reformation Martin Luthers. Und was bewirkt Bischof Tebartz-van Elst mit seiner Residenz in Papst Franziskus’ Kirche der Armen?

Roland Klose, per E-Mail

Jeder muss sein Leben eigenverantwortlich gestalten

Zum Artikel: „Ohne Vorbild in die Vorlesung“ vom 12.Oktober

Der Bericht erinnerte mich an meine Schulzeit vor 60 Jahren in der DDR. Damals wurden dort nur Arbeiter- und Bauernkinder zum Studium zugelassen. Damit sollte der Einfluss der früheren deutschen Elite zurückgedrängt werden. Der Versuch misslang, Akademikerkinder, die studieren wollten, haben auch damals ihren Weg zu einer universitären Ausbildung gefunden. Auch heute eröffnen der Wille, ein Ziel zu erreichen, und harte Arbeit den Weg in eine Akademikerlaufbahn. Akademikereltern wissen das aus eigener Erfahrung und vermitteln das ihren Kindern. Kinder von Nichtakademikern zeigen oft eine Erwartungshaltung, dass irgendwer für ihr Fortkommen sorgen müsste. Jeder muss sein Leben eigenverantwortlich gestalten. Das muss jedem mit auf den Weg gegeben werden.

H. Müller, Wilmersdorf

Dem politischen Mainstream statt der Vernunft gefolgt

Zum Artikel: „Mit dem Wind gedreht“ v. 11. Oktober

Pankow bekommt ein neues Windrad. Der Senat folgt damit dem politischen Mainstream, der Vernunft jedenfalls nicht. Da erklärt der Investor, dass er ohne aktuell hohe Förderung nicht rentabel Strom produzieren kann, und bekommt trotzdem den Zuschlag? Das Windrad soll auf freiem Feld stehen, und man fragt sich, wie wird dann erst die Rentabilität der Windräder sein, die rund um Berlin in den schönsten Wäldern aufgestellt werden sollen. Auf etwa 18.500 Hektar sollen viele Tausend Bäume gefällt werden, um, wenn der Wind an etwa 1600 Stunden im Jahr weht, unrentabel Strom zu produzieren, den man für windarme Zeiten auch nicht speichern kann. Bei der Pacht von 20.000 Euro pro Jahr pro Stellfläche hat der Senat schlecht verhandelt, andere Verpächter haben da schon 45.000 bis 90.000 Euro bekommen. Das sollte nachverhandelt werden

Waltraud Plarre, Prenzlauer Berg

Hygiene-Standards in deutschen Krankenhäusern generell zu niedrig

Zum Artikel: „Charité zieht Konsequenzen aus Keim-Skandal“ vom 12. Oktober

Die Konsequenzen der Charité greifen zu kurz, auch wenn sie einen Schritt in die richtige Richtung bedeuten. Denn das eigentliche Problem besteht darin, dass in Deutschland generell die Standards bei der Hygiene in Krankenhäusern deutlich niedriger als in vielen anderen europäischen Ländern liegen. Mit der Folge, dass zum Beispiel über die hiesigen Zustände entsetzte Staaten wie etwa die Niederlande aus der Bundesrepublik überstellte Patienten oft präventiv als mögliche Risikofälle einstufen. Deswegen muss endlich die Politik reagieren, da der gegenwärtige Zustand schlicht unhaltbar ist.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail