Leserbriefe

„Forschung besser fördern“

Leser zu den Preisträgern der diesjährigen Nobelpreise und dem Wissenschaftsstandort Deutschland

Die Vergabe der Nobelpreise zeigt: Die Naturwissenschaften wie Physik, Chemie und Biologie führen in unserem Bildungssystem immer noch ein Schattendasein. Insbesondere was die Möglichkeiten des Nachwuchses betrifft, tun wir einfach nicht genug. Daran haben auch die bisherigen staatlichen Initiativen wenig verändert. Wer etwas werden will, muss eben in anderen Ländern – vorzugsweise in den USA – forschen.

Christian Lukner, per E-Mail

Das Nobelkomitee hat entschieden, der in Göttingen geborene und seit 30 Jahren in den USA lebende Thomas Südhof erhält den Nobelpreis für Medizin. Gleichzeitig fragt sich ganz Deutschland, ob Südhof neben der amerikanischen auch noch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Müsste die Frage nicht lauten, warum Südhof überhaupt Deutschland – wie viele andere Mediziner und Forscher – verlassen hat, um in den USA praktizieren und forschen zu können? Richtig, weil die Arbeitsbedingungen für Mediziner und Forscher in Deutschland alles andere als rosig sind und auch die Bezahlung hinterherhinkt. Mit ethischen Forschungsverboten, Mittelkürzungen und schlechter Bezahlung ist kein Staat zu machen, geschweige denn ein Nobelpreisträger. Was nutzt es, wenn Deutschland massiv in Bildung investiert, die Topleute aber nach dem Studium ins Ausland abwandern?

Roland Klose, per E-Mail

Das norwegische Friedensnobelpreiskomitee hat wenig Mut bewiesen, als es der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen den Friedensnobelpreis 2013 verlieh. Es ist mit Sicherheit ein Kompromiss gewesen, weil es sich nicht für Wladimir Putin entscheiden konnte, der maßgeblich zwecks Vermeidung eines folgenschweren US-Militärschlags in Syrien zur Vernichtung des syrischen Chemiewaffenarsenals beigetragen hatte. Auch mit der Nicht-Auszeichnung der Enthüllungsbürgerrechtler Manning und Snowden wollte sich das Komitee wohl einen Affront mit dem US-Präsidenten Obama ersparen. Allein der Friedensnobelpreis für das erst 16-jährige pakistanische Mädchen Malala, das sich mutig gegen die Taliban für mehr Frauenrechte im Islam einsetzte, wäre ein besonderes Zeichen gerade für die Jugend und die Frauen und Mädchen in aller Welt gewesen, sich furchtlos und energisch nachhaltig in der Politik und im gesellschaftlichen und kirchlichen Leben für deren absolute Gleichberechtigung und Gleichbehandlung einzusetzen.

R. Friedeman, per E-Mail

Der Nachweis des Gottesteilchens ist ein epochales Ereignis. Zwar kein Gottesbeweis, aber ein deutlicher Hinweis. Nur unbedarfte Zeitgenossen können nach diesen enormen Erkenntnissen der Naturwissenschaften noch an der Existenz Gottes zweifeln.

Herbert Gaiser, per E-Mail

Lieber bessere Besoldung als teures IT-Programm

Zum Artikel: „Berlin sucht Nachwuchs im Internet“ vom 5. Oktober

Der Berliner Senat reagiert auf die sinkende Zahl der Bewerber für den öffentlichen Dienst – leider nicht mit einer adäquaten Bezahlung. Statt eine Besoldungsinitiative zu starten und damit ein Zeichen zu setzen, dass der Senat bereit ist, seine künftigen Landesbediensteten so zu entlohnen, dass die davon in einer rasant teurer werdenden Stadt auch angemessen leben können, ruft der Innensenator Frank Henkel ein fragwürdiges und extrem teures Programm ins Leben.

Henning Möbus, per E-Mail

Für Auslandseinsatz einen hohen Preis bezahlt

Zum Artikel: „Abschied von einem Schicksalsort“ vom 7. Oktober

2002, zu Beginn des Afghanistan-Einsatzes, befand sich noch die Basis al-Qaidas am Hindukusch. Mit Recht wurde davon gesprochen, dass die Sicherheit der westlichen Welt in dieser Gegend verteidigt werden müsste. Im Laufe von mehr als zehn Jahren hat sich aber ein beispielloses Szenario entwickelt. In Afghanistan, doppelt so groß wie Deutschland, mit 35Millionen Einwohnern, zum Teil erbittert miteinander verfeindeter Ethnien, gibt es keine nationale Identität. Somit war es von Anfang an unmöglich, nur im Ansatz so etwas wie eine westliche Demokratie zu integrieren. Was hat dieser Aufenthalt gebracht? Hunderte Soldaten der Allianz haben ihr Leben in diesem Land gelassen, zahlreiche Heimkehrer haben meist unheilbare posttraumatische Belastungsstörungen, Familien wurden zerstört, Existenzen vernichtet. Haben sich dieser Einsatz und der hohe Preis, den wir bezahlt haben, für dieses Land gelohnt?

Jürgen Stauff, per E-Mail