Leserbriefe

„Offensichtlich überfordert“

Leser zu den Personalquerelen im Management der Berliner Flughafengesellschaft

Nachdem der bisherige Flughafenchef Rainer Schwarz im Januar wegen Fehlleistungen beurlaubt wurde und schließlich im Juni die fristlose Kündigung erhalten hat, bereitet nun Technikchef Horst Amman seinen Abgang vor. Auch wenn die beiden Abgänge möglicherweise unterschiedlicher Art sind, so ist es wohl mehr als ein Skandal, wenn die Steuerzahler erfahren, dass es sich hierbei um Bezieher von Jahresgehältern von bis zu 570.000 Euro handelt und diese beiden Manager für die restliche vereinbarte Laufzeit ihrer Verträge die vereinbarten Gehälter nun noch voll einfordern. Es ist die Frage erlaubt, wer für die rechtlichen Grundlagen der Arbeitsverträge von diesen Managern zuständig ist. Da ja an diesem Pannenprojekt BER der Bund, das Land Brandenburg und Berlin beteiligt sind, muss man unterstellen, dass Steuern auch künftig großzügig fließen werden. Für den Aufsichtsrat ist es ja damit einfach, Manager großzügig auszutauschen und damit auch von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken.

Frank Petzsch, Prenzlauer Berg

Dass Horst Amann neben Hartmut Mehdorn nicht länger weitermachen will, ist verständlich. Zu unterschiedlich sind die Konzepte für die Sanierung des Flughafens BER. Unverschämt finde ich die Geldforderungen des geschassten Ex-Flughafenchefs Rainer Schwarz, der das Projekt BER richtig in den Sand gesetzt hatte.

Thomas Splittgerber, Lichterfelde

Ob sein Konflikt mit Flughafenchef Hartmut Mehdorn der Hauptgrund dafür ist, dass Technikchef Horst Amann das Handtuch werfen will, darf angezweifelt werden. Ich betrachte die Aktivitäten des einstigen Heilsbringers an der BER-Baustelle schon seit geraumer Zeit argwöhnisch. Brauchte Amann doch ein komplettes Jahr, um lediglich eine reine Bestandsaufnahme an der BER-Baustelle vorzunehmen. Der Technikvorstand ist offensichtlich überfordert, was die Eröffnung des geplanten Flughafens betrifft. Die BER-Planer sind nunmehr aufgefordert, einen intensiven Dialog mit den Tegel-Anwohnern zu führen. Die zahlreichen Anti-Tegel-Demonstrationen dokumentieren zweifellos die miese Stimmung bei den Flughafenanrainern.

Holger Voss, Spandau

Horst Amann ist im August 2012 geholt und mit großen Vorschusslorbeeren bedacht worden. Nun stellt sich heraus, dass er ein ganzes Jahr mit Fehlersuche vergeudet hat, ohne die Baustelle voranzubringen. Damit hat er sein Jahresgehalt von 350.000 Euro nicht verdient. Mit der Fehlersuche hätte man jedes Ingenieurbüro beauftragen können. Wieder eine Enttäuschung, wieder ein verlorenes Jahr. Aber Mehdorn hat völlig recht, sich so schnell wie möglich von Amann zu trennen.

Theo Ruediger, Steglitz

Das Personalkarussell dreht sich munter weiter. Gerade hat Ex-Flughafenchef Rainer Schwarz Klage auf Gehaltsnachzahlungen über 1,7 Millionen Euro eingereicht, demnächst kommen eventuelle Forderungen von Horst Amann hinzu, vermutlich auch in Millionenhöhe. Was war daran eigentlich so schlimm, eine gründliche Bestandsaufnahme der Schäden vorzunehmen? Es gibt doch Gewährleistungsansprüche gegenüber den Baufirmen. Die gibt es aber nur, wenn offensichtliche Mängel nachgewiesen und den Verursachern zugeordnet werden können.

Thomas Hansen, per E-Mail

Rainer Schwarz wird gegangen, Horst Amann will gehen, Hartmut Mehdorn bleibt noch für knapp 600.000 Euro pro Jahr. Jetzt wird wieder gesucht nach einem Nachfolger für Amann, die Zeit läuft und läuft. Eines Tages wird der BER unter Denkmalschutz gestellt, ohne dass ein Flugzeug gestartet ist, zu besichtigen bei der langen Nacht der Museen.

Wolfgang Kunzendorf, per E-Mail

Dass der Flughafen zum „Pleiten-, Pech- und Pannenfluchhafen“ geworden ist, ist dem Versagen der Politik geschuldet. Eitle und sachunkundige Politiker wollten unbedingt Europas modernsten Flughafen, gleich neben der Haustür, in fußläufiger Entfernung errichten. Aktuell geht es wieder einmal um Flugrouten. Gerichte entscheiden, Bürger marschieren mit Protest, Amman und Mehdorn streiten. Amann plant den „Abflug“, Mehdorn hat auch keine Lust mehr, Wowereit spielt den Statisten, Schwarz klagt auf Gehaltsfortzahlung und in den Katakomben des Flughafengebäudes sollen bereits Abstützungen Risse erlitten haben, die darauf hinweisen, dass der Gebäudekomplex abzusinken droht. Finanzexperten prophezeien daher schon jetzt der Flughafengesellschaft die baldige Pleite. Der BER sollte Europas modernster Flughafen werden. Nun droht er der skandalreichste und teuerste der Welt zu werden.

Roger Morell, per E-Mail