Leserbriefe

„Politik setzt falsche Prioritäten“

Leser zu dem von den Bezirken beklagten Mangel an Klassenräumen in ihren Schulen

Es ist erschreckend, wie mit der künftigen Generation in Hinsicht auf Bildung seitens des Senats umgegangen wird. Da wird seit Jahren an der falschen Stelle gespart. Es ist für Kinder eine Zumutung, in derart maroden Schulen am Unterricht teilnehmen zu müssen oder über Jahre im Container die Schulzeit zu verbringen. Für andere Projekte werden oft sinnlos Millionen ausgegeben, wie zum Beispiel für den BER, der uns monatlich 35Millionen Euro kostet, ohne dass es sichtlich vorangeht. Hoffentlich bewilligt das Landgericht nicht noch dem Ex-Flughafenchef Rainer Schwarz die Fortzahlung seines Gehalts bis 2016.

Dr. Barbara Scheffler, per E- Mail

Es ist schier unglaublich, wie desorganisiert Verwaltungen von Senat und Bezirken nebeneinanderher wirtschaften. Da steht in Hellersdorf jahrelang ein Gymnasium leer, wird dann plötzlich nach Umbau zu einem Aufnahmeheim für Flüchtlinge umgenutzt, und wenige Wochen danach erfahren wir vom Schulraummangel gerade auch im dortigen Bereich. Wundert sich da noch jemand, wenn immer mehr Bürger das Vertrauen in die Politik verlieren.

Dieter Fiedler, Tempelhof

Wie viele vollmundige Versprechen, die Lernbedingungen für die Schüler zu verbessern, haben die Berliner Politiker schon gemacht? Unzählige! Was ist passiert? Nichts! Die Schulen sind weiterhin marode, und unser wichtigstes und zukunftssicherndes Kulturgut, nämlich die Ausbildung unserer Kinder, wird dem Politikeregoismus und Prestigeobjekten wie der neuen Landesbibliothek, dem BER oder der Sanierung der Staatsoper Unter den Linden geopfert. Eine Schande für Berlin. Und da wundern sich diese Herrschaften, dass Privatschulen immer populärer werden?

Uwe Schmidt, per E-Mail

Zu meiner Schulzeit (ich bin Jahrgang 1936) gab es Klassenfrequenzen von 35 bis 40 Schülern. Und trotzdem haben wir meiner Meinung nach besser als die heutigen Schüler Lesen, Rechnen und Schreiben gelernt. Auch hatten wir abwechselnd Vor- und Nachmittagsunterricht, da viele Schulen durch Kriegseinwirkungen zerstört waren. Zu meiner Zeit mussten meine Eltern noch Schulgeld zahlen. Wenn die heutigen Eltern davon befreit sind, sollen sie sich mit den Gegebenheiten zufriedengeben oder sich selbst an den Kosten für bessere Schulbedingungen beteiligen.

Rainer Hartmann, per E-Mail

In unregelmäßigen Abständen wird auf den maroden Zustand vieler Schulen und Sportstätten hingewiesen. Doch wenn es um das Verteilen des Geldes aus dem Bildungsetat des Landes Berlin geht, wird ein großer Teil davon in den Personalbereich und viel zu wenig in den Sachmittelbereich gesteckt. Da muss ein Umdenken erfolgen. Statt in Zukunft Geld für Lohn- und Gehaltssteigerungen zu verwenden, sollte das in die Sanierung von Schulen und Sportstätten investiert werden. Sanieren statt kassieren ist das Gebot der Stunde.

Wolfgang Heller, per E-Mail

Berlin wird unter Wert regiert, vor allem was Wissenschaft und Bildung betrifft. Die politische Debatte konzentriert sich auf Schulen, Lehrergehälter und dergleichen. Kein Mensch kümmert sich aber um die Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen, von denen es in der Hauptstadt recht viele und teils sehr gute gibt. Wir brauchen endlich einen Fachmann an der Spitze der Verwaltung, der etwas vom Wissenschaftsmanagement versteht und in der Lage ist, die nötigen Finanzmittel für diese Einrichtungen bereitzustellen.

Christoph Luban, per E-Mail

Gute Konzepte werden in der Praxis oft nur mangelhaft umgesetzt

Zum Artikel: „Kein Geld für den Unterricht von Behinderten mit Nichtbehinderten“ vom 19. September

Als Vater einer vierjährigen schwerst körperbehinderten Tochter lernt man zwischen vermeintlich gut gemeinten Konzepten zur Inklusion und deren Mängel in der Umsetzung zu unterscheiden. Schon jetzt zeigt der Alltag in der Kita, dass geschultes Personal und geeignete Infrastruktur nicht einmal in Ansätzen vorhanden sind. Die anstehende Einschulung wird dieses Problem wohl nur in eine andere Bildungsinstitution verlagern. Inklusion mit dem Ziel des gemeinsamen erfolgreichen Lernens von Behinderten mit Nichtbehinderten gelingt nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, das heißt, eine gezielte Förderung mit engagiertem Personal ermöglicht wird. Hierfür braucht es zeitlichen Vorlauf und das Engagement der Beteiligten, um dies zu ermöglichen, aber eben auch Geld. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) muss nun mit Taten zeigen, wie wichtig Berlin die Umsetzung der UN-Konvention ist.

Moritz Neumann, Spandau