Leserbriefe

„Wahl wird in der Mitte gewonnen“

Leser zu den Bundestagswahlen am 22. September und dem Werben der Politiker um Stimmen

Die Frage, die sicherlich nicht nur ich mir stelle, lautet: Was sollen diese groß angelegten Wahlwerbungen Wochen vor der Wahl? Bei mir beginnt die Auslese zur kommenden Wahl hundert Tage nach der letzten Wahl. Ich habe ein gutes Gedächtnis und mehr als drei Jahre lang Zeit, mir die Parteien, die dann zur Wahl stehen, anzusehen und zu bewerten. Danach steht für mich schon lange vor der kommenden Wahl fest, welcher Partei ich mein Kreuzchen gebe. Kurz vor der Wahl kann man mich nicht mehr umstimmen.

Wolfgang Schwaneberg, Charlottenburg-Nord

Durch die Wahl kann jeder Politik selbst mitgestalten. Das Treffen zwischen Altkanzler Helmut Kohl (CDU) und FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle wird seine Signalwirkung nicht verfehlen. Zwar haben CDU-Wähler keine Stimme zu verschenken, aber es wird für die bisherige Koalition nur reichen, wenn die FDP die Fünfprozenthürde deutlich überspringt. Die politischen Gemeinsamkeiten der christlichen Parteien mit der FDP hätten im Wahlkampf stärker artikuliert werden müssen, denn die Union hat mit allen anderen Parteien nur sehr begrenzte politische Schnittmengen. Koalitionen mit extrem oder einseitig orientierten

Parteien anzupeilen, wäre ein Fehler. Das muss jedem klar sein, denn Wahlen werden in der Mitte gewonnen.

Christoph Luban per E-Mail

Alle Nutzer sollten für den Unterhalt der Autobahnen aufkommen

Zum Artikel: „Seehofers Maut-Pläne sind rechtswidrig“ vom 11. September

Es ist nicht in Ordnung, wenn Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) eine Pkw-Maut für ausländische Fahrzeuge zur Vorbedingung für eine Regierungsbeteiligung macht. Trotzdem hat er natürlich recht mit der Forderung nach einer Beteiligung der ausländischen Autobahnnutzer an den Kosten für Instandhaltung und Ausbau des Netzes. Wenn jemand etwas benutzt und damit auch abnutzt, muss er selbstverständlich auch für die Kosten aufkommen. Wer denn sonst? Warum das nach EU-Recht eine Diskriminierung und Ungleichbehandlung sein soll, ist für mich nicht erkennbar. Schließlich zahlen die deutschen Autofahrer seit Jahrzehnten in den meisten europäischen Ländern Gebühren für die Benutzung der Autobahnen, ohne dass jemand ein rechtswidriges Verhalten darin sieht.

Rolf Lehmann, Rudow

Gefahren der wachsenden Wolfspopulation werden unterschätzt

Zum Artikel: „Lausitzer Tierfilmer zeigt Wölfe im TV-Krimi“ vom 11. September

Ich finde es hochriskant, wenn der Verniedlichung des Raubtieres Wolf ein Forum geboten wird. Die Darstellung der „freundlichen Familienwesen“ ist ein Ammenmärchen. Ein Wolf braucht pro Tag mindestens 3,25 Kilogramm Fleisch als Existenzminimum, im Jahr mithin 1200 Kilogramm, die er der Wildbahn oder Weidewirtschaft entnimmt. Er tötet mit Kehlbiss, die Opfer werden im Familienverbund regelrecht zerrissen. Angesichts der Gefahr, die allein von den mehr als 100 amtlich bestätigten Wölfen im Lande Brandenburg ausgeht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das erste Schulkind oder ein Pilzsucher getötet und zerrissen wird. Erst Anfang September wurde in Bukarest ein vierjähriges Kind von einer Meute streunender Hunde öffentlich angegriffen und getötet. Wolfsangriffe, die naturgemäß außerhalb geschlossener Ortschaften stattfinden, gehören regelmäßig zu den Medienberichten in Ost- beziehungsweise Südosteuropa und führen zu heftigen Auseinandersetzungen mit ordnungspolitischen Konsequenzen. Hierzulande aber werden diese Entwicklungen durch die politisch geförderte Wolfsvermehrung auf Kosten der Wildpopulation und der Weidetiere herbeibeschworen und dazu auch noch mit verniedlichenden Bildgeschichten begleitet. Die gefilmten Dokumentationen zu Wolfsrissen bleiben hingegen unter Verschluss.

Joachim F. Hildebrandt, Wandlitz

Wahrer des Geistes von Pierre de Coubertin

Zum Artikel: „Bach wird zum Herrn der Ringe“ vom 11. September

Thomas Bach, der Gründungspräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), ist in Buenos Aires zum neuen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gewählt worden. Er ist nun als „Der Herr der Ringe“ verantwortlich dafür, dass die olympischen Ringe und der olympische Gedanke des Pierre de Coubertin nicht in die Hände von Betrügern, Profitgeiern und Hasardeuren fallen.

Peter Frede, per E-Mail