Leserbriefe

„Zurückhaltung ist angebracht“

Leser zum Ringen der Supermächte USA und Russland um eine Lösung des Syrien-Konfliktes

Russlands Präsident Wladimir Putin hat US-Präsident Barack Obama das Heft des Handelns aus der Hand genommen. Nach Rücksprache mit Baschar al-Assad will er Syriens Giftgas-Potenzial unter UN-Kontrolle stellen oder sogar komplett vernichten lassen, um den drohenden Militärschlag der USA in allerletzter Minute noch verhindern zu können. Ist das glaubhaft? Ja, weil Assad den Bürgerkrieg gegen die Rebellen ohnehin gewinnen wird. Der Einzige, der ihm dabei noch gefährlich werden kann, ist Obama mit seiner militärischen Bestrafungsaktion. Im Syrien-Konflikt gibt es viele Gewinner: Papst Franziskus, der auf dem Petersplatz in Rom mit Gläubigen fastete und betete, der Vermittler Putin, das Assad-Regime, das kriegsmüde amerikanische Volk und der UN-Sicherheitsrat. Aber es gibt nur einen Verlierer, der in aller Öffentlichkeit demontiert und als Friedensnobelpreisträger infrage gestellt wird: der vermeintliche Weltpolizist Barack Obama. Der Traum von der Weltmacht Amerika, die über den Vereinten Nationen zu stehen scheint, ist ausgeträumt. Übrigens, in puncto Außenpolitik hat sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Syrien-Krise nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Sie ist weit davon entfernt, wie einst Willy Brandt ein Friedensstifter im Kalten Krieg der Supermächte zu sein.

Roland Klose, per E-Mail

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte völlig recht, dass sie den Bericht der UN-Chemiewaffeninspekteure abwarten wollte. Denn die „Erklärung“ nimmt die Behauptung für erwiesen, dass die syrische Regierung für den Einsatz von Chemiewaffen am 21. August verantwortlich sei und deshalb bestraft werden müsse. Nun, einen Tag später hat die Bundeskanzlerin ihre Meinung geändert. Sie unterstützt jetzt auch die Amerikaner, die in Syrien militärisch eingreifen wollen. Frau Merkel hatte schon 2003 als CDU-Vorsitzende den Amerikanern volle Unterstützung für den Irakkrieg zugesichert. Nur war und ist es eben die falsche Entscheidung. Damals Schröder, nun Steinbrück haben recht: Schießen bringt nichts. „Ziel ist vor allem, das Chemiewaffenpotenzial von Assad zu zerschlagen“, erklärte Obama in seiner Rundfunkansprache. Damit ermordet er viele Zivilisten, viele unschuldige Kinder, Frauen und Männer, so macht er große Teile Syriens zu einem Friedhof. Lassen wir uns von den USA nicht instrumentalisieren. Zurückhaltung ist angebracht.

Jürg Walter Meyer, Leimen

Wie könnte es Frieden in Syrien geben? Das wäre möglich durch eine multinationale Friedenstruppe mit Vertretern aus allen Nationen, die den Frieden sichern und bewahren müsste. Ihre Pflicht wäre es, Menschenleben zu schützen und – wenn nötig – notfalls auch mit der Waffe zu verteidigen. Eine derartige Friedenstruppe würde somit die Funktion des Schutzes und der logischen Gewaltanwendung ausüben. Denn Kriegshetzer, Kriegsführende, Despoten und Diktatoren können nicht mit freundlichen Worten zur Vernunft gebracht werden.

Achim Wolf, Mannheim

Förderung des akademischen Nachwuchses ist mangelhaft

Zum Artikel: „Jeden maximal ausbilden“ – Interview mit Johanna Wanka vom 9. September

Die Argumentation von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) kann in einem Punkt nicht überzeugen, auch wenn das Engagement für das so dringend benötigte Ende des Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern gerade bei den Hochschulen lobenswert erscheint. Denn was die Förderung akademischer Nachwuchstalente und künftiger Lehrkräfte

betrifft, liegt leider in Deutschland nicht viel weniger als etwa in Südeuropa im Argen, da ebenfalls hierzulande an vielen Universitäten befristete Beschäftigungen und Niedriglöhne dominieren. Deswegen findet vor allem ein Braindrain in die Schweiz oder nach Skandinavien statt, der dem hiesigen Wissenschaftsstandort und der Gesellschaft schadet.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Kein gutes Vorbild für ein ohnehin schon wahlmüdes Volk

Zum Artikel: „Überzeugte Nichtwählerin: Maria Simon packt lieber selbst mit an“ vom 9. September

Die Ansichten der Schauspielerin Maria Simon mögen legitim und zu respektieren sein. Dennoch ist es recht kurzsichtig von ihr, dies so darzustellen. Sie sollte sich darüber im Klaren sein, dass sie als Person des öffentlichen Lebens eine gewisse Vorbildfunktion hat. Unsere Wahlbeteiligung ist bereits erschreckend niedrig. Und wenn jeder Prominente seine Eigenschaft als überzeugter Nichtwähler so zeigen würde, würden dem viele folgen und ebenfalls die Wahlurne meiden. Das käme einem Desaster gleich.

Constanze Thietz, per E-Mail