Leserbriefe

„Ausbildung im Galopp“

Leser zum Mangel an Fachkräften in der Berliner Verwaltung und an Lehrern im Schulbetrieb

Ich blicke auf fast 50 Jahre Berufserfahrung in der öffentlichen Verwaltung zurück, davon fast 38 Jahre in Berlin. Es ist lange bekannt, dass die Verwaltung hier in Kürze einen großen Teil ihres versierten und erfahrenen Personals verliert, da dieses die Altersgrenze erreicht. Der Finanzsenator hat dies auch immer in seinen Betrachtungen berücksichtigt. Trotz dieses Wissens wird weiter nach der Rasenmähermethode gekürzt, besonders bei den Bezirken. Echtes Einsparpotenzial ist schon lange nicht mehr vorhanden, qualifizierte Neubesetzung ist nur in seltenen Fällen möglich. Die praktische Ausbildung erfolgt generell im Galopp, da diese neben der eigentlichen Arbeit nicht zu schaffen ist. In einzelnen Spezialgebieten bietet die Verwaltungsakademie, da sie keine Lehrer dafür hat, keine entsprechenden Fortbildungen an. Die Liste lässt sich fortsetzen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Lilo Hecker-Schmidt, per E-Mail

Lehrerzahlen werden auf Bezirksebene schöngerechnet

Zum Artikel: „Schulen sind zu 100,6 Prozent ausgestattet“ vom 30. August

Haben wir genug Lehrer oder nicht? Das Dilemma ist ja wohl, dass der Senat anders zählt: Der zählt die Lehrer pro Bezirk, ganz gleich ob Gymnasiallehrer oder Grundschullehrer. Pro Bezirk kommt das Ganze dann hin. Niemand bezweifelt aber, dass eine überzählige Gymnasiallehrerin einen fehlenden Grundschullehrer eben nicht ersetzen oder ernsthaft vertreten kann – umgekehrt auch nicht. Solange das für die Bezirksebene schöngerechnet wird, ändert sich auch an den Unterrichtsausfällen nichts. Wenn ein Bezirk prozentual über dem Einkommensdurchschnitt liegt, heißt das ja auch nicht, dass es dort keine Hartz-IV-Empfänger gibt.

Jürgen Scholz, per E-Mail

Den Hauseigentümern mit Mieterhöhungsboykott begegnen

Zum Artikel: „Immobilienverband ruft zum Boykott der Berliner Mietpreisbremse auf“ vom 29. August

Als ich die Überschrift las, hatte ich das Empfinden, den Mietern würde vom Immobilienverband Berlin-Brandenburg der Preiskrieg erklärt werden. Das kann natürlich vonseiten der Mieter nicht so einfach hingenommen werden. Diese Kriegserklärung muss unbedingt mit einem Miterhöhungsboykott beantwortet werden. Der gesetzlich tolerierte Mieterhöhungsspielraum muss bei entsprechenden Mieterhöhungsforderungen massenhaft ignoriert werden.

Lassen wir Mieter es auf einen Kampf mit dem Immobilienverband ankommen.

Wolfgang Heller, per E-Mail

Deutsche Autos sollten auf EU-Straßen keine Maut zahlen

Zum Artikel: „Eine Pkw-Maut ist überflüssig wie Glatteis“ vom 24. August

Die Lösung für die Frage nach einer Pkw-Maut ist einfach: Der Spieß muss nur umgedreht werden. Fahrzeuge mit deutschem Kennzeichen zahlen auf dem Gebiet der EU keine Maut, wie ja auch alle Fahrzeuge bei uns nichts bezahlen. Mit Nicht-EU-Ländern wie etwa der Schweiz oder Norwegen werden bilaterale Verträge in diesem Sinne geschlossen. Länder, die das nicht wollen, können das dann entweder pauschal abgelten (wie einst die Straßenbenutzungs- und Transitgebühr in der DDR), oder es wird zur Kasse gebeten, auch zu Brücken- oder Tunnelgebühren. Der Hinweis darauf, dass dies nicht mit EU-Recht vereinbar ist, ist lächerlich. EU-Recht ist nicht vor Tausenden Jahren in Stein gemeißelt worden, sondern ist ein junges Gesetzeswerk, das geändert werden kann und muss, wenn sich herausstellt, dass dies notwendig ist. Ich fühle mich diskriminiert, wenn ich anderswo zur Kasse gebeten werde, während alle Welt bei uns kostenlos auf von deutschen Steuerzahlern gebauten Straßen fahren darf.

Rolf Pilgram, Schöneberg

Gesetzgeber muss strengere Regeln für Bootscharter erlassen

Zum Artikel: „33-Jähriger stirbt bei Bootsunfall in Charlottenburg“ vom 3. September

Der bedauerliche Unfall mit Todesfolge in der Schleuse Charlottenburg zeigt drastisch, dass das Boots-Chartergeschäft erhebliche Sicherheitslücken aufweist. So können ungeübte Bootsfahrer bar jeder Erfahrung Boote bis zu

15 Meter Länge und mit mehr als 15 Tonnen Gewicht mieten und selbst fahren. Was dabei herauskommt, wissen viele Schleusenwärter und Hafenmeister zu berichten. Die Vermieter kümmern sich kaum um die Qualifikation der Mieter zum Führen derart großer Boote, die Versicherung wird es im Schadenfall schon richten. Hier muss der Gesetzgeber eingreifen.

Dr. Klaus Pade, Wannsee