Leserbriefe

„Folge ungleicher Bezahlung“

Arbeitsmarkt: Zum Fachkräftemangel im Osten und zur großen Zahl geringfügig Beschäftigter

Der fehlende Fachkräftemangel ist in der Hauptsache nicht auf den Geburteneinbruch von 1990 zurückzuführen. Wenn es im Osten die gleichen Löhne geben würde, würde es in der Hinsicht ein umgekehrtes Verhältnis geben. Die Menschen sind dort hingezogen oder haben dort ihren zweiten Wohnsitz oder pendeln dort hin, wo sie für die gleiche Arbeit mehr Lohn bekommen. Sollte es mal so weit sein, dass in Ost und West die gleichen Löhne gezahlt werden, wird es im Westen in einigen Branchen Arbeitskräftemangel geben. Denn viele der heutigen Pendler haben die Nase voll vom getrennten Familienleben und kein Verständnis für niedrige Löhne im Osten, wo sie doch für Nahrungsmittel, Mieten, Arztkosten oder Briefporto das Gleiche bezahlen wie die Bürger im Westen.

Wolfgang Priese, per E-Mail

Die Bundesrepublik hat etwas mehr als 80 Millionen Einwohner, davon sind mehr als 40 Millionen Menschen berufstätig. Aber nur etwa 24 Millionen von denen arbeiten in einem regulären Vollzeit-Arbeitsverhältnis, der Rest arbeitet in sogenannten prekären Beschäftigungsverhältnissen. Das ist für die Zukunft der Menschen und der Sozialversicherungen keine gute Basis. Die künftigen Armuts- und Minirenten werden heute produziert.

Lothar Wirth, per E-Mail

Die Bürger werden mit ständigen Katastrophenmeldungen verschreckt

Zum Artikel: „Was von Berlin bleibt, wenn das Eis schmilzt“ vom 28. August

Im aktuellen Bundestagswahlkampf spielen der Klimawandel und die Klimakatastrophe praktisch keine Rolle. Das kann und darf nicht sein, findet das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Also müssen die Bürger mit einer weiteren Katastrophenmeldung wachgerüttelt werden. Diesmal lassen die Potsdamer Klimaforscher den Meeresspiegel hypothetisch um 66 Meter steigen und Berlin zum größten Teil absaufen. Vor Jahren war es der Kölner Dom, der laut „Spiegel“ nur noch mit der Spitze aus dem Wasser ragte. Nun gibt es ja zur Prüfung des Wahrheitsgehalts solcher Nachrichten das immer beliebter werdende Instrument des Fakten-Checks. Der zeigt hier folgendes Ergebnis: Die Messungen des Meeresspiegels mit den unabhängigen Methoden der Pegelmessung und der Schwerefeld-Messung mit Satelliten zeigen eine hohe Übereinstimmung. Der Meeresspiegel ist in den vergangenen neun Jahren um durchschnittlich 1,7 Millimeter gestiegen, das wären in 100 Jahren genau 17 Zentimeter. Dabei ist die Tendenz des Meeresspiegelanstiegs fallend. Herr Rahmstorf hat recht: „Frühere Prognosen zum Meeresspiegelanstieg sind inzwischen von den Messdaten überholt worden.“ Trotz der neuesten PIK-Meldung müssen wir uns also keinerlei Sorgen machen. Allerdings geht mir das periodische Klimakatastrophen-Gedöns aus Potsdam langsam gehörig auf die Nerven.

Dr. Helmut Pöltelt, Ahrensfelde

Ohne Furcht vor einer Mieterhöhung dort leben, wo man sich wohlfühlt

Zum Artikel: „Immobilienverband ruft zum Boykott der Berliner Mietpreisbremse auf“ vom 29. August

Die Doppelmoral des Immobilienverbandes ist erstaunlich. Zuerst werden die Mieten derart in zum Teil astronomische Höhen getrieben, dass insbesondere Alleinerziehende, Studenten und Sozialhilfeempfänger aus ihrer seit Jahrzehnten gewohnten Umgebung an den Stadtrand oder besser gleich ins Umland vertrieben werden, und dann wundert man sich, dass man sich gegen eine solche Profitgier und Willkür wehrt. Viel zu lange wurde diesem Treiben zugesehen, und es wird Zeit, dass man endlich wieder ohne Furcht vor einer Mieterhöhung dort lebt, wo man sich auch wohlfühlt.

Constanze Thietz, per E-Mail

Schwierigkeiten bei kompetenter Besetzung der Expertenkommission

Zum Artikel: „Umweltverbände fühlen sich übergangen“ vom 23. August

Kernenergie wird mehr und mehr zu einer Glaubensfrage. Wie die Presse berichtet, gestaltet sich die Suche nach einem neuen Endlager (Alternativen zu Gorleben) schon jetzt schwierig, es gibt Streit bei der Besetzung der beim Bundestag angesiedelten sogenannten Expertenkommission. Wer ist aber Experte, wer verfügt über die nötige Kompetenz, um derlei Fragen zu beantworten? Bis dato wurde kein einziger Geologe oder Naturwissenschaftler gefragt, es ist nur von Funktionären und kirchlichen Exzellenzen die Rede, die in den Gremien mitarbeiten, also abstimmen sollen. Nicht schlecht, denn letztlich ist und bleibt die Kernenergie bei uns eine Glaubensfrage.

Christoph Luban, per E-Mail