Leserbriefe

„Erst Beweise, dann entscheiden“

Syrien: Zum möglichen Militärschlag des Westens gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad

Mit Bestürzung habe ich die Nachrichten über den Syrienkonflikt zur Kenntnis genommen. Es erschreckt mich, wie weit sich der deutsche Außenminister aus dem Fenster lehnt und behauptet, dass Giftgas eingesetzt wurde. Das ist nicht bewiesen. Dazu sind die Inspektoren da. Was haben wir? Angaben der Opposition in Syrien. Nur die haben es behauptet. Dass man das Assad-Regime nicht mögen muss, ist klar. Aber hat jemand gefragt, wer die Rebellen sind? Dschihad-Kämpfer aus dem Ausland, Taliban und al-Qaida, eventuell auch Salafisten? Aber absolut keine Demokraten. Also Vorsicht, Herr Westerwelle und Herr Obama, bevor mit dem Säbel gerasselt wird! Es liegen keine Beweise vor, nur Annahmen. Und wollen sich die USA wirklich mit Russland anlegen? Wenn amerikanische Marschflugkörper starten, starten auch russische Kampfflugzeuge in Richtung dieser Schiffe. Denn auch Putin will sein Gesicht nicht verlieren als Schutzmacht und Verbündeter Syriens. Wollen wir das? Alle reden von diplomatischer Lösung. Erst Beweise, dann Entscheidungen.

Michael Haube, per E-Mail

Man kann es mit der Angst zu tun bekommen, wenn man sieht, was derzeit in Ägypten und Syrien passiert. Aber wir sollten vorsichtig sein mit unserem Urteil, wer Schuld hat. Erinnern wir uns an den Iran 1979, damals feierten Teile der westlichen Presse das Ende des Schahs, und alle Hoffnung setzte man auf Ajatollah Khomeini. Was dann kam, war ein faschistischer Gottesstaat. Leider befand sich Ägypten unter den Muslimbrüdern (Sunniten) genau auf diesem Weg. Das rechtfertigt nicht das Blutbad, das die Militärs angerichtet haben. Noch rechtfertigt es, dass die Mursi-Anhänger (Muslimbrüder) sich nun an den Christen rächen, Gotteshäuser anzünden und Christen ermorden. In Syrien haben sich die Muslimbrüder unter die Demonstranten gemischt. Auch sie wollen Syrien mit aller Macht und Brutalität zum Gottesstaat wandeln. Sogar hier in Neukölln spürt man den Hass von Sunniten gegen Schiiten. Wo man sonst frisch gepressten Saft oder Tee kaufen konnte, wurde es einem Schiiten aus dem Libanon plötzlich verweigert! Wo soll das hinführen!

Anna Rabe, per E-Mail

Wann in den vergangenen 50 Jahren haben denn – westliche und östliche – militärische Eingriffe von außen eine Befriedung zur Folge gehabt? War es nicht immer eher so, dass sich alle Parteien gegen die äußeren Feinde gewandt haben und außer der Waffenlobby und dem Ego der Angreifer niemand davon profitiert hat? Im Gegenteil, es wurde alles noch unübersichtlicher. Würde man die Milliarden, die ein solcher Militärschlag kostet, in Hilfsprojekte stecken, wäre der Bevölkerung eher gedient. Als Menschen, die sich auch gerne als gläubige Christen ausgeben, sollten sich die verantwortlichen Regierenden mehr auf den unschlagbar funktionalen Rat der Bibel verlassen: Ihr sollt das Böse mit Gutem überwinden.

Heide Binner, per E-Mail

Private Krankenversicherungen in der jetzigen Form abschaffen

Zum Artikel: „Können bald alle Privatpatienten sein?“ vom 28. August

Ich bin vor 28 Jahren mit einem Beitrag von etwa 200 D-Mark von einer privaten Krankenkasse geködert worden. Das war weitaus weniger als der damalige Beitrag bei der AOK. Mir war klar, dass ich im Alter mehr zahlen muss. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und zahle etwa 650Euro, die Hälfte meiner Rente. Das nächste Problem sind die Ärzte, die Sachen in Rechnung stellen, wo meine Krankenkasse mir mitteilt, dass sie die nicht erstatten, weil der Arzt dieses zusammen mit anderen Posten nicht berechnen darf. Darauf setzt man sich mit dem Arzt in Verbindung. Der schreibt eine Begründung, die schickt man wieder an die Krankenkasse. So geht es hin und her, bis dann einer der Beteiligten aufgibt. Ich bin dafür, die privaten Krankenkassen in der jetzigen Form abzuschaffen.

Gerhard Rassel, Friedenau

Kostenersparnis durch Sanierung ergibt sich erst auf lange Sicht

Zum Artikel: „Arm durch die Haussanierung“ vom 28. August

Die energetische Gebäudesanierung ist durchaus sinnvoll, in der Praxis aber nur langfristig umzusetzen, um die Kosten einigermaßen in den Griff zu bekommen. Da waren beim Erstellen der Verordnung Theoretiker am Werk, die den Leuten Maßnahmen verordnet haben, unter denen viele in den nächsten Jahren finanziell zu leiden haben werden. Das Klima können die Hausbesitzer/Mieter ohnehin nicht retten, und die Strompreise werden trotz baulicher Sanierung weiter steigen.

Christian Lukner, per E-Mail