Leserbriefe

„Fördert Entwicklung der Kinder“

Leser zu den Plänen der Berliner SPD für eine allgemeine Kita-Pflicht ab dem dritten Lebensjahr

Seit Jahrhunderten oder gar noch länger zeichnen im Wesentlichen Mütter für die Kindeserziehung verantwortlich. Auf einmal sollen alle Kinder in eine Kita gehen müssen? Sicher bieten Kitas mit ihren Betreuerinnen einige Vorzüge, ob diese aber die Hinwendung einer Mutter ersetzen können, wage ich zu bezweifeln. Dass Kita-Zwang für Kinder mit Migrationshintergrund wegen des Erlernens der deutschen Sprache nützlich wäre und damit den Kindern im späteren Leben bessere Chancen eingeräumt werden, ist einleuchtend. Inwieweit eine solche Zwangsmaßnahme dem verfassungsmäßigen Gleichheitsgrundsatz widerspricht, vermag ich nicht zu beurteilen. Mich erinnert der Kita-Zwang an DDR-Zeiten, wo man stets sehr früh Einfluss auf Kinder nehmen wollte, um sie in ihrem Sinne zu formen.

Harald G. A. Becker, per E-Mail

Viele Kinder erfüllen heute nicht die sprachlichen Voraussetzungen, um in der Schule einigermaßen mitzukommen. Bei erkannten Sprachdefiziten sollte die Sprachförderung obligatorisch werden, auch wenn sich viele dagegen aussprechen. Eine gute Bildung ist auch für eine spätere Berufsausbildung beziehungsweise ein Studium wichtig.

Thomas Splittgerber, per E-Mail

Berlins CDU-Generalsekretär Kai Wegner denkt zu kurz, wenn er sich gegen die vorgeschlagene Kita-Pflicht ausspricht. Die Sprach- und Motorikdefizite zu vieler Kinder in Berlin sind nachweislich erschreckend, ihr Sozialverhalten lässt zu wünschen übrig. Deshalb sollten ab dem dritten Lebensjahr verpflichtende Deutschsprachtest erfolgen. Bei schwerwiegenden Sprach- und Motorikdefiziten wird in die Erziehungskompetenz der Eltern eingegriffen, diese Kinder müssen eine Kita besuchen. Deutsch ist die ausschließliche Kita-Sprache, Ausnahme: Bilingualität. Der Datenschutz für die Überprüfungsergebnisse kognitiver und sprachlicher Fähigkeiten wird eingeschränkt, die Ergebnisse dienen der zielgerichteten Entwicklungsförderung der Kinder, die neu ausgebildeten Erzieher sind in der Lage, sprachliche, kognitive und körperliche Fehlentwicklungen zu diagnostizieren, zu lindern oder gar abzustellen. Sozialverhalten, das auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und ein selbstbestimmtes Leben in Verantwortung wichtig ist, kann in den Kita-Gruppen erfahren, gelernt und gepflegt werden.

Klaus Katzur, per E-Mail

Nach dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland sind Pflege und Erziehung der Kinder nicht nur das natürliche Recht der Eltern, sondern auch die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Die Rechte und Pflichten sind sowohl im Bürgerlichen Gesetzbuch als auch im Familienrecht geregelt. Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.

Harald Graaf, per E-Mail

So wird die Qualität der Schule in Berlin nicht gesteigert

Zum Artikel: „3000 Lehrer streiken für mehr Geld“ vom 22. August

Bei dem Streik geht es den angestellten Lehrern nicht um die Besoldungshöhe, sondern um tarifliche Vereinbarungen, die in der Verhandlungsrunde der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) im Frühjahr nicht durchgesetzt werden konnten. Es geht auch um Fortzahlung von Bezügen im Krankheitsfall und die Versorgung im Alter. Das Problem ist, dass die derzeitige Besoldungshöhe nicht in einem Tarifvertrag geregelt ist, sondern dass die Nebenabreden, auf denen die derzeitige Angestelltenbesoldung beruht, jederzeit widerrufen werden können. Eine tarifliche Regelung kann aber nur von Ver.di als Verhandlungspartner im Rahmen der TdL durchgesetzt werden; demnach ruft die „falsche“ Gewerkschaft zum Streik auf. Berlin verliert Tag für Tag an Attraktivität für junge gut ausgebildete Lehrer. So wird die Qualität der Schule in Berlin nicht gesteigert.

Marion Kittelmann, per E-Mail

Der Streik ist überflüssig, erfreut aber bestimmt Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD), spart er doch damit eine große Summe an Geld für Gehaltszahlungen an Lehrer. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) weiß genau, dass weder Nußbaum noch der Senat einen Tarifvertrag abschließen können, zumal die GEW überhaupt nicht tariffähig ist. Ansprechpartner ist die TdL. Die duldet, dass Berlin Lehrer einstellt, die sofort in der höchsten Gehaltsstufe vergütet werden. Der Verdienst dieser Lehrkräfte übersteigt das Gehalt eines entsprechenden Beamten.

Ernst Mross, per E-Mail