Leserbriefe

„Testbetrieb eröffnet Chancen“

Leser zu den Plänen von Flughafen-Chef Mehdorn für eine Teilinbetriebnahme des BER ab März 2014

Da fließt noch viel Wasser die Spree runter, bis der erste Flieger vom BER abhebt. Insgesamt kostet das Bauwerk dann wohl über eine Milliarde mehr als bis jetzt veranschlagt. Doch man kann ja auch einen Testbetrieb oder eine Teileröffnung vornehmen – wenn das zuständige Bauamt mitspielt. Bis jetzt hat man den Eindruck, dass der BER ein Fass ohne Boden ist.

Thomas Hansen, Reinickendorf

Der Vorsitzende des BER-Untersuchungsausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses, Martin Delius (Piraten), hat offenbar keine konstruktiven Beiträge zur BER-Eröffnung zu liefern, wenn er Mehdorns Pläne zum Testbetrieb als „Hirngespinste“ abtut. Der beabsichtigte Testbetrieb eröffnet sicherlich Chancen, die technische Funktionsfähigkeit des BER zu erproben. Was den künftigen Aufsichtsratsvorsitzenden bei der Flughafengesellschaft anbelangt, so sollte dieser von einem Vertreter der Anteilseigner gestellt werden, da die Eigentümer noch immer die Richtlinien bestimmen sollten. Sollte der Vorsitz auf den Regierenden Bürgermeister hinauslaufen, so sollte Klaus Wowereit die Konsequenzen aus der Vergangenheit ziehen und das erhöhte Pensum berücksichtigen und etwa das Amt des Kultursenators oder das des stellvertretenden SPD-Vorsitzenden aufgeben.

Holger Voss, Spandau

Da es die viel gerühmten deutschen Ingenieure auch in den kommenden drei Jahren anscheinend nicht schaffen werden, eine Brandschutzanlage für ein Flughafenterminal in Betrieb zu nehmen (und das in einer Zeit, in der Marsflüge möglich werden), sollte man das Hauptaugenmerk nun auf den Flughafen Tegel richten. Statt Personal für einen unsinnigen und kostenintensiven Flugbetrieb für 1500 Passagiere täglich zum BER abzuziehen, muss das Personal in Tegel dringend aufgestockt werden. Dort fehlt es an allem: Personal, das die Flugzeuge be- und entlädt, Mitarbeiter, die behinderte Fluggäste oder unbegleitete Kinder sicher ins Flugzeug geleiten, oder Fahrer für die Passagierbusse. Die 35 Millionen Euro, die der Nichtbetrieb des BER monatlich kostet, sollten lieber in geschultes, ausreichend bezahltes und motiviertes Personal gesteckt werden, da Tegel noch viele Jahre offen bleiben wird und eine Visitenkarte für Berlin ist.

Marco Rosenwick, Wilhelmsruh

Die Politik hat den BER-Schlamassel mit verschuldet. Ein Hauptgrund war die Festlegung, Aufträge dem Umfang nach massiv zu begrenzen, um möglichst viele Firmen am Bau teilhaben zu lassen. Das Motiv war lauter, aber die Wirkung miserabel. Dadurch sind viele, viele Nahtstellen zwischen Firmen entstanden. An der Nahtstelle endet die Leistung der Firma, und es ist Sache des Auftraggebers, diese zu überprüfen. Aber so gut wie jede Anlage arbeitet überwiegend in einem Verbund. Es müsste also der Anteil der Funktion, der außerhalb dieser Anlage liegt, so simuliert werden, dass die einwandfreie Funktion überprüft werden kann. Dies erfordert eine erhebliche ingenieurmäßige Leistung, die beim BER aus meiner Sicht nicht zu erbringen ist. Wären Generalauftragnehmer zugelassen worden, wäre die Anzahl der Nahtstellen viel geringer. Indem Mehdorn nur einen Teil eröffnet, reduziert er automatisch die Anzahl der Nahtstellen. Die Probleme reduzieren sich aber nicht linear, sondern mit einer Potenz. Das ist dann eine Größe, die von dem vorhandenen Personal vermutlich bewältigt werden kann. Auf die Erfahrungen, die bei dieser kleinen Inbetriebnahme gemacht werden, kann dann weiter aufgebaut werden, weil die technischen Lösungen auch für die anderen Bereiche wahrscheinlich gleich oder ähnlich sind.

Gerhard Peters, per E-Mail

Kaum Entschuldigungen oder ehrliche Reue

Zum Artikel: „Ex-Stasi-Offizier verliert Chefposten“ vom 17. August

Roland Jahn, dem Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde, kann ich nur zustimmen, wenn er sagt, dass „jeder Mensch eine zweite Chance verdient und die Gelegenheit haben soll, sich in die demokratische Gesellschaft einzubringen, aber dass dies Ehrlichkeit voraussetzt“. Wie oft wird von stasibelasteten Menschen geäußert, sie hätten niemandem geschadet. Ich finde es bemerkenswert, wie sehr sich Menschen ein „dickes Fell“ zulegen können, um nicht mit eigener Schuld konfrontiert zu werden. Haben diese Menschen mal den Kontakt zu ihren Opfern gesucht und gefragt, wie es denen ergangen ist? Haben sie um Entschuldigung gebeten und Reue gezeigt? Vermutlich die wenigsten. Das Opfer Matthias Domaschk bekam keine zweite Chance. Die Umstände seines Todes sind mysteriös. Sein Peiniger Horst Henno K. hätte nun Gelegenheit, dies aufzuklären. Auch wenn das das Opfer nicht mehr ins Leben zurückbringt.

Monika Pasutti, per E-Mail