Leserbriefe

„Nicht mehr zu finanzieren“

Leser zum Beamtentum und zu Forderungen von angestellten Lehrern nach finanzieller Gleichstellung

Dass die Lehrer in Berlin die gleiche Besoldung verlangen wie ihre verbeamteten Kollegen, kann man eigentlich nachvollziehen. Aber: Das Beamtentum ist alt und heute nicht mehr zu finanzieren. Der Bund weiß es, und die Länder wissen es auch. Trotzdem werden weiterhin viele Angestellte verbeamtet. Bis Ende 2012 waren die zu erwartenden Kosten für Pensionen und Beihilfen für Aktive und Ruheständler bei Bund, Post und der Bahn bei 465,4 Milliarden Euro angelangt. Das waren 25,4 Milliarden mehr als im Jahr 2011. Der Bund und die Länder schieben dafür einen gewaltigen Schuldenstand vor sich her, der nur abgebaut werden kann, wenn sich die Beamten mit entsprechenden Beiträgen an ihrer Sozialversicherung selbst beteiligen. Ansonsten wird das Problem in eine finanzielle Katastrophe führen.

Lothar Wirth, per E-Mail

Es ist gerade der Beamteneid, der zur Hingabe ebenso verpflichtet wie zur Alimentation dieses einzigartigen Personals durch die Gemeinschaft. Die Pensionen, die ohnehin immer versteuert wurden, sind letztlich auch ein Dank für die Tatsache, dass aktive Beamte meist geringer bezahlt wurden als entsprechende Arbeitskräfte in der freien Wirtschaft.

Ulf Burgmann, per E-Mail

Fürsorgepflicht ist verantwortlichen Politikern offenbar ein Fremdwort

Zum Artikel: „Tausende Soldaten bleiben auf Krankenkosten sitzen“ vom 8. August

Es ist doch erstaunlich, was sich der Staat gegenüber seinen Dienern herausnimmt. Fürsorgepflicht ist offenbar den verantwortlichen Politikern ein Fremdwort, sofern es nicht um die eigenen Bezüge geht. Warum können die privaten Krankenkassen wesentlich kürzere Bearbeitungsfristen aufweisen? Ganz einfach deshalb, weil zum Beispiel alle Familienangehörigen, die privat versichert sind, in einem Antrag erfasst werden und entsprechende Computerprogramme zum Einsatz kommen. Bei der Gewährung der Beihilfe muss jeder Beamte einen Beihilfeantrag ausfüllen, die Computerprogramme sind zum Teil uralt. Würde sich die öffentliche Hand an dem Prinzip der privaten Krankenkassen orientieren, könnte die Zahl der Anträge erheblich gesenkt werden. Aber das wäre ja zu einfach. So wird den Berliner Beamten auch noch immer die längst entfallene Praxisgebühr abgezogen, nur weil es so kompliziert ist, ein Gesetz zu ändern. Für alle anderen ist die Praxisgebühr Anfang 2013 abgeschafft worden.

Petra Krämer, Neu-Hohenschönhausen

Immer mehr Menschen werden auf Grundsicherung angewiesen sein

Zum Artikel: „Altersarmut wächst dramatisch: Berlin drohen Millionenausgaben“ vom 12. August

Vor 15 Jahren hatte ich noch eine auskömmliche Rente von etwas über 2000 D-Mark. Doch die inzwischen durchgeführten Rentenerhöhungen schlagen praktisch nicht zu Buche, wenn 50 Prozent der Rente für die Miete draufgehen und seit der Wende die Stromkosten bei gleichem Verbrauch um 100 Prozent gestiegen sind und weiter steigen. Die Inflationsrate in den vergangenen 20 Jahren betrug jährlich durchschnittlich 2,8 Prozent. Hinzu kommen die ständig gestiegenen Preise nicht nur für Strom, sondern auch für Waren des täglichen Bedarfs. Der statistisch errechnete Warenkorb ist ein Schwindel, da dort auch Kühlschränke und elektronische Geräte berücksichtigt werden. Ich muss jeden Tag essen, kaufe mir aber nicht jeden Monat Elektrogeräte. Bei Lebensmitteln ist es nicht etwa nur der gefühlte Preis von 1:1 in Euro gegenüber der D-Mark, sondern durchaus nachweisbar. Die Menschen werden immer ärmer, und damit werden auch immer mehr Menschen auf Grundsicherung angewiesen sein.

Edelgard Richter, Wilmersdorf

Auf den Produkten müsste das Herstellerland genannt werden

Zum Artikel: „Made in Germany – Brüssel nimmt Gütesiegel ins Visier“ vom 8. August

Leider kann der Verbraucher heute zumeist überhaupt nicht erkennen, wo ein Produkt hergestellt wurde. Auch nicht, wenn er Betriebsanleitungen und alles Sonstige in der Verpackung bis zum letzten Wort liest. Es kann sehr wohl für einen Konsumenten wichtig sein, ob er Transportwege oder Produktionsbedingungen im Herkunftsland akzeptabel findet. „Hergestellt für X“ oder „importiert von Handelsgesellschaft Y“ ist eine Veralberung des Verbrauchers. Auf jedem Produkt müsste das Herstellerland genannt werden beziehungsweise das Land, in dem die meisten Produktionsschritte erfolgten.

Klaus Jänicke, Steglitz