Leserbriefe

„Augenmaß nicht verlieren“

Leser zu der Forderung von Erzbischof Rainer Maria Woelki, mehr Flüchtlinge in Berlin aufzunehmen

Es ist gut und richtig, dass sich Berlins Erzbischof Rainer Maria Woelki für Flüchtlinge engagiert. Dabei sollte er aber das Augenmaß nicht verlieren. Seit Jahrzehnten hat Deutschland Hunderttausende Menschen aufgenommen, die auf der Suche nach einem besseren Leben waren. Aber die finanzielle und soziale Leistungsfähigkeit des Staates ist mittlerweile an ihre Grenzen gestoßen. Es zeigt sich, dass die Integration von Menschen aus sehr fernen Kulturkreisen selbst noch in der dritten Generation eine Herkulesaufgabe ist. Kein vernünftiger Mensch kann sich noch mehr sozialen Sprengstoff wünschen.

Klaus Jänicke, Steglitz

Berlin hat genug eigene finanzielle Probleme zu lösen wie etwa bei der Bekämpfung von Kinder- oder Altersarmut oder der Hilfe für sozialbedürftige Menschen. Wir können es uns nicht leisten, massenweise Flüchtlinge aufzunehmen, zumal man auch bedenken muss, dass diese Menschen aus ganz anderen Kulturkreisen stammen. Weltweite Flüchtlingsströme sind keine Lösung, es muss in deren Herkunftsländern geholfen werden.

Dr. Barbara Scheffler, per E-Mail

Berlins Flüchtlingsunterkünfte sind schon jetzt überbelegt, und die Zahl der Asylsuchenden steigt weiter. Die Frage ist, wie viele politisch Verfolgte kann Deutschland als Asylbewerber noch aufnehmen, und wie viele verkraftet Deutschland überhaupt, ohne wirtschaftlich überfordert zu sein? Es gibt auf der Welt sehr viele Länder, in denen Menschen politisch verfolgt werden. Wenn diese Menschen alle zu uns kommen, wird Deutschland zum Armenhaus. Hinzu kommen die Wirtschaftsflüchtlinge, die in Deutschland selbst ohne Arbeit besser leben können als in ihren Heimatländern mit Arbeit.

Wolfgang Schwaneberg, Charlottenburg

Unser Senat ist stolz auf den Ballermanntourismus

Zum Artikel: „Punk-Konzerte: Tempelhof Projekt zieht positive Bilanz“ vom 13. August

Die Anlieger vom Tempelhofer Flugfeld taten mir leid. Nicht nur in Buckow waren die Bässe zu hören, sondern auch am Landwehrkanal. Der Lärm in Berlin wird immer unerträglicher, aber die Stadt freut sich über Einnahmen aus dem Tourismus. Die Anwohner am Landwehrkanal haben die höchste Reinigungsstufe. Nicht nur, dass sie nachts den Lärm der Feierwütigen ertragen müssen, sie tragen auch die Kosten für deren Hinterlassenschaften. Unser Senat ist stolz auf den Ballermanntourismus. Aber dafür wurde Berlin nicht von unseren Großmüttern und Müttern aus Schutt und Asche wieder aufgebaut.

Waltraud Both, per E-Mail

Großes Interesse an Rückstellungen der Privatversicherten

Zum Artikel: „Alles ist möglich“ vom 9. Juli

Mit einer Bürgerversicherung, so, wie es SPD und Grüne im Falle eines Wahlsieges wollen, wird die Situation für die Versichertengemeinschaft nicht besser werden. Denn der Wasserkopf in der Verwaltung wird nicht reduziert. Damit werden wie bisher nur 28 Prozent der Beiträge tatsächlich für ärztliche Leistungen und Medikamente zur Verfügung stehen. Für Privatversicherte wird sich der Krankenversicherungsbeitrag kaum ändern, für junge Familien wird er sogar günstiger. Denn bei den gesetzlich Krankenversicherten sind Familienmitglieder beitragsfrei mitversichert. SPD und Grünen geht es letztlich ums Geld, von den Privaten ist nämlich was zu holen – glauben sie. Die etwa 7,5 Millionen Privatversicherten haben Rückstellungen von etwa 146 Milliarden Euro angehäuft, pro Versicherten sind das etwa 19.000 Euro. In der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es nur 30 Milliarden Euro an Rückstellungen, also etwa 428 Euro pro Versicherungsmitglied. Fließen die Rückstellungen in einen Topf, müsste die Bundesregierung über mehr als zwei Jahrzehnte keinen Bundeszuschuss in der Höhe von vier Milliarden Euro jährlich – wie derzeit – leisten. Doch die Rechnung wird nicht aufgehen, die Privatversicherten lassen sich nicht enteignen.

Jürgen Hempel, per E-Mail

Junge Leute wollen heutzutage nur noch studieren

Zum Artikel: „Fachkräftemangel: Handwerkspräsident plädiert für Rente ab 70“ vom 4. August

Die SPD wollte schon vor 30 Jahren das Bildungsniveau des deutschen Volkes heben. Das ist nicht gelungen, dafür fehlen in naher Zukunft gut ausgebildete Handwerker in allen Branchen. Die jungen Leute wollen heutzutage nur noch studieren und sich die Hände nicht schmutzig machen.

Edelgard Richter, per E-Mail