Leserbriefe

„Diskrepanz in der Bezahlung“

Leser zum Streik der angestellten Lehrer in Berlin,der für den 21. und 22. August angekündigt ist

Wer da meint, dass die Lehrer den Senat beziehungsweise Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) mit diesem Streik nur erpressen wollen, verkennt die Wirklichkeit. Fakt ist, dass der Senat schon seit nunmehr zehn Jahren versucht, die Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst gegeneinander auszuspielen, indem er sie unterschiedlich bezahlt. Außerdem führen unsinnige Personaleinsparungen zu immer mehr Arbeitsverdichtungen bei gleichzeitig vergleichbar niedrigerem Lohn als im übrigen Bundesgebiet. Dieser unseriösen und ungerechten Entwicklung muss ein Riegel vorgeschoben werden.

Thomas Henschke, Reinickendorf

Ich bin immer wieder überrascht zu lesen, wie viel Geld Lehrer verdienen sollen. Ich bin seit fast 30 Jahren im Berliner Schuldienst (Gymnasium) und weit davon entfernt, 4600 Euro brutto zu verdienen. Der Skandal ist nicht, dass die Lehrer streiken wollen, sondern dass in Berliner Lehrerzimmern Menschen versammelt sind, die die gleiche Arbeit leisten müssen, aber sehr unterschiedlich dafür bezahlt werden: Referendare, die ohne Anleitung als vollwertige Lehrer im Unterricht eingesetzt werden, angestellte Lehrer mit alten und neuen Verträgen, Berliner Beamte und versetzte Beamte aus dem Bundesgebiet, Lehrkräfte ohne volle Lehrbefähigung. Die Diskrepanz in der Bezahlung ist da pro Monat schon mal ein vierstelliger Eurobetrag. Wie gesagt: Alle leisten die gleiche Arbeit. Und Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) präsentiert eine Mogelpackung: Da die Schulen nicht genügend neue Lehrkräfte für bestimmte Fächer finden konnten, wird jetzt alles eingestellt, was verfügbar ist, damit Unterrichtsstunden irgendwie abgedeckt werden. Mit fachgerechter, qualifizierter Erfüllung von Lehrplänen hat dies aber oft nichts mehr zu tun.

Susanne Held, per E-Mail

Ausschließlichkeitsideologen waren noch nie gesund

Leser zum Artikel: „Auch Berliner Grüne für „Veggie-Day“ in öffentlichen Kantinen“ vom 6. August

Ich möchte in keinem Land leben, in dem mir vorgeschrieben wird, was ich wann zu essen habe, was für mich gut und dienlich ist. Wer maßt sich eigentlich an, meine persönliche Freiheit derart einzuschränken, um unangetastet in seiner Ausschließlichkeit zu leben? Ausschließlichkeitsideologen waren noch nie gesund für das Volk, für Andersdenkende. Radikalität, auch wenn sie zuckersüß verkleidet daherkommt, widerspricht dem Grundgesetz, der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Für Freiheit haben sich zahllose Menschen geopfert und tun dies immer noch. Es liegt an uns, das Erbe zu verteidigen und den Anfängen zu wehren. Fangen wir damit an.

Ulrich Merz, per E-Mail

Universitätsinstitut ist vornehmlich für Lehre und Forschung zuständig

Zum Artikel: „Sparen bei der Spurensicherung“ vom 28. Juli

Die Charité übernimmt verstärkt DNA-Analysen für die Berliner Polizei, weil die Behörde sparen muss. Dass die Charité aushilft, ist ja zu begrüßen, nur kann das ja wohl nicht der Dauerzustand sein. Ein Universitätsinstitut ist vornehmlich für Lehre und Forschung zuständig. Um diese Aufgaben zu erfüllen, muss es natürlich auch in Dienstleistungen für andere eingebunden sein. Dies gilt gerade für ein anwendungsorientiertes Fach wie die Rechtsmedizin. Grundsätzlich ist aber zunächst das Landeskriminalamt (LKA) zuständig. Das muss eben personell, räumlich und apparativ entsprechend ausgebaut werden. Und damit hätte man schon früher beginnen können. Der zunehmende Bedarf an solchen Untersuchungen ist ja seit Jahren bekannt. Und was heißt hier, weil die Behörde sparen muss? Als ob derartige Untersuchungen an anderer Stelle nichts kosten würden. Ich hatte mich während meiner Amtszeit als Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Charité dafür eingesetzt, am Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin eine Abteilung für Forenische Genetik aufzubauen. Qualifiziertes Personal wäre vorhanden gewesen, politisch war das aber offensichtlich nicht gewollt.

Prof. Dr. med. Volkmar Schneider, Lichtenrade

Inakzeptables Angebot nach vielen Mahnungen

Zum Artikel: „Verärgerte Kunden: Bei Air Berlin stauen sich 30.000 Beschwerden“ vom 6. August

Auch wir haben einen Ersatzanspruch aus einem verspäteten Flug vom März. Air Berlin antwortete nach Mahnung, dass wir mit einem Bearbeitungszeichen Gewissheit hätten, dass unser Vorgang bearbeitet wird. Nach weiteren Mahnungen erhielten wir das inakzeptable Angebot über 75 Euro und Prämienmeilen.

Christine Schulze, Spandau