Leserbriefe

Der Ehrliche ist der Dumme

Leser zur Studie der Humboldt-Universität über das Doping bei Spitzensportlern in der Bundesrepublik

Nun hat auch die Bundesrepublik ihren Beweis für jahrzehntelanges planmäßiges Doping, das von staatlicher Seite sanktioniert und mit Steuergeld unterstützt wurde. Da kommen die Verantwortlichen, die man immer noch nicht namentlich kennt, schon in Erklärungsnöte. Und sofort wird argumentiert, dass es mit dem Staatsdoping der DDR nicht zu vergleichen ist. Stimmt in gewisser Hinsicht, denn da waren die Maßnahmen offenbar erfolgreicher. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb man gegen Verantwortliche aus der DDR so konsequent mit juristischen Mitteln vorgegangen ist. Auch heute noch. Kaum werden Dopingerkenntnisse zu Sportlern, die ihren Ursprung in der DDR hatten, bekannt, da überschlagen sich die Meldungen und Medienberichte. Und jetzt, Maulkorb oder was? Doping bleibt Doping, egal, wer es mit welcher Intensität anweist, betreibt oder versucht zu vertuschen. Für die Dopingjäger der Bundesrepublik muss die Welt zusammengebrochen sein. Es wird sich zeigen, ob sie mit derselben Konsequenz an die Aufklärung der jetzigen Erkenntnisse gehen, wie sie es zum Doping in der DDR gemacht haben.

Petra Krause, per E-Mail

Doping beginnt meistens schon im Kindes- und Jugendalter. Man kann also annehmen, dass hier nicht nur Trainer und Vereine, sondern auch Eltern in die Verantwortung zu nehmen sind. Erstaunlich ist auch, dass immer wieder nur bestimmte Sportarten im Fokus stehen. Viel interessanter ist es, warum unsere hoch bezahlten Fußballspieler während der gesamten Spielzeit hohe Lauf- und Sprintleistungen zeigen – ohne Anzeichen von Erschöpfung. Hier handelt es sich offenbar um Formen der Stimulierung und Leistungssteigerung, die schon nach kurzer Zeit nicht mehr nachweisbar sind.

Marie-Anne Noth, per E-Mail

Als die kleine DDR im Wettkampf der Systeme als sportlicher Riese auf vielen Gebieten international massenweise Medaillen und Titel einfuhr, glaubte man zu wissen, wie das zustande kommt, und wollte lieber hinterherlaufen, dafür aber sauber und ehrlich sein. Lieber ein sportlicher Zwerg als unlauterer Methoden bezichtigt zu werden. Jetzt, wo die Dopingvorwürfe auch den bundesdeutschen Sport wie ein Keulenschlag treffen, fragt man sich, wo blieben denn eigentlich die Erfolge, die Spitzenergebnisse? Entweder, es wurde nicht gedopt, oder man war einfach nicht clever genug, es richtig zu machen.

Konrad Riethmüller, Tegel

Warum bedurfte es erst der sogenannten Dopingstudie, um die Medien in Sachen Doping aufzuwecken? Jedem sportinteressierten Laien war doch klar, dass im westdeutschen Sport spätestens seit den späten 60er-Jahren massiv gedopt wurde. Natürlich war es schöner, Hofberichterstattung über die properen, langbeinigen und flinken Sportlerinnen zu betreiben und eitle Wunderheiler zu Medienstars hochzujazzen, als ihnen und ihren Helfershelfern in die Giftküche zu schauen. Es wäre redlicher, wenn die Journalisten nun ein wenig Selbstkritik üben würden anstatt mit der Diskussion über die – ja in der Tat vorhandenen – Unterschiede von West- und Ostdoping davon abzulenken.

Prof. W.-R. Heilmann, Schöneberg

Ich bin seit etwa 40 Jahren nah am Profisport dran. Ich kenne viele ehemalige Top-Schwerathleten, aber auch Dopingforscher. Jeder, der mit dem Profisport zu tun hat, weiß, dass etliche Spitzensportler in den Kraft-, Schnellkraft- und Ausdauersportarten dopen und dies seit bestimmt 40 Jahren. Gewichtheber, Werfer, Sprinter, Spitzenradfahrer auf Top-Niveau, die nicht dopen, gibt es so gut wie nicht. Chemie ist fast immer im Spiel. Zum Schluss ist der Spitzensportler, der sich, unabhängig vom Doping, jeden Tag durch extremes Training und entsprechende Lebensumstände verschleißt, der Dumme, da er oft ohne Doping gar nicht die Erwartungen der Funktionäre, Zuschauer und auch Journalisten nach immer besseren Leistungen erfüllen kann.

Klaus Brüggemann, Grunewald

Wichtig ist gegenseitiger Respekt der verschiedenen Kulturen

Zum Artikel: „Werbeaktion für mehr Respekt gegenüber Muslimen“ vom 6. August

Es mag ja eine gute Idee sein, mit 500 Plakaten für mehr Respekt gegenüber Muslimen zu werben. Alle Muslime sollten aber auch respektvoll uns gegenüber sein, unsere Kultur anerkennen und auch anerkennen, dass Frauen eigenständige Menschen sind und die gleichen Rechte wie Männer haben. Unsere Politiker sollten die Chance nutzen und nicht kneifen, um auch zu werben und zu erinnern, dass alle gleiche Rechte haben.

Anna Rabe, per E-Mail