Leserbriefe

„Genug Spaßbäder im Umland“

Leser zu den Plänen der Berliner Bäderbetriebe, 14 Schwimmhallen und Sommerbäder zu schließen

Insgesamt 14 Schwimmbädern droht das Aus, weil in den Vorjahren keine Mittel investiert wurden und sich ein Zustand entwickelt hat, der die weitere Nutzung infrage stellt. Nun unterbreitet der neue Bäderchef als Lösung des Bäderproblems die Schließung von Bädern und bis 2018 den Bau von fünf Kombibädern mit Wellness-Oasen. Die Ausbaukosten pro Standort sollen 18 bis 35 Millionen Euro betragen. Die zu unterstellende Absicht, hier eine Anlehnung an Tropical Islands zu befürchten, ist wohl nicht unbegründet, zumal Bäderchef Ole Bested Hensing die dortige Anlage geleitet hat. Er will moderne Bäder bauen, die „der modernen Gesellschaft“ entsprechen. Dies ist für Volksbäder einer Großstadt ein etwas sonderbarer Anspruch, wo es bei den Schwimmbädern in erster Linie um das Erlernen des Schwimmens geht und das Schwimmen an sich schon ausreichend Freizeitvergnügen ist.

Harry Döring, per E-Mail

Der neue Berliner Bäderchef hat die einzig mögliche Schlussfolgerung aus der chronischen Unterfinanzierung der Berliner Bäderbetriebe gezogen. Er will sanierungsbedürftige und unattraktive Bäder schließen und neue Spaßbäder bauen, die mit Solaranlagen, Energierückgewinnung und ökologischer Bauweise dauerhaft die Betriebskosten senken werden. Somit werden die Wege für Berliner Bäderbesucher, die attraktive Bäder im Umland besuchen mussten, weil es in Berlin nichts Vergleichbares gab, kürzer und verbessern somit ebenfalls die Ökobilanz. Ich hoffe, das sich der neue Bäderchef in der Berliner Politik durchsetzen kann.

Thomas Splittgerber, Lichterfelde

War da nicht vor vielen Jahren ein Blub-Spaßbad in die Miesen gerutscht? Und wurde das funktionstüchtige und moderne Bad im ehemaligen Sport- und Erholungszentrum an der Landsberger Allee nicht aus Kostengründen nicht weitergeführt? Könnte das eventuell an der ausreichenden Zahl von Spaßbädern samt Wellness-Oasen im Umland liegen? Und jetzt brauchen wir noch mehr davon? Da werden dann zwar unsere Kinder nicht mehr in allen Stadtteilen hinreichend schwimmen lernen, aber eben 50 Meter rutschen, 15 Minuten planschen und noch ein bisschen saunieren können. Ich bin gespannt, welche 14 Bäder geschlossen werden sollen.

Udo Lamprecht, Schöneberg

Stellt man auch nur ein Bad unter heutigen Umweltauflagen her und bei den heutigen Wasserpreisen, kostet das wohl diverse Millionen Euro mehr als eine Sanierung. Hoffentlich prüft der Senat, ob die Bäderbetriebe überhaupt noch Kapital dafür haben. Denn es geht tatsächlich um etwas anderes bei den Abrissen: Einige Bäder (zum Beispiel das Hallenbad Radelandstraße in Spandau und andere) stehen auf äußerst wertvollem Bauland. Man wird also abreißen, feststellen, dass man kein Geld hat wiederaufzubauen, und das Land als Bauland verkaufen. Nur das würde wirklich Geld bringen.

Regina Kröning, Spandau

Dieses Projekt ist nur zu stemmen und Erfolg versprechend, wenn verschiedene Aspekte durchgesetzt werden. Die Eintrittspreise sind viel zu hoch, die können von vielen Menschen nicht aufgebracht werden. Erwachsene sollten zwei Euro, Kinder einen Euro für einen Schwimmbadbesuch zahlen. Für Aufsicht und Sicherheit muss ausreichend Personal eingestellt werden. Alle Bäder mit allen Abteilungen müssen Landeseigentum sein und dürfen nicht in private Unternehmen ausgelagert werden. Die Kombi-Bäder müssen so ausgebaut werden, dass sie in der Lage sind, gleichzeitig Schwimmgäste, Schulklassen und Vereinsschwimmer aufzunehmen. Das heißt, es müssen statt einem 50-Meter-Becken zwei Becken geplant und gebaut werden. Die Berliner Bäderbetriebe werden mit Sicherheit keine schwarzen Zahlen schreiben, das tun sie ja auch heute nicht, aber es wird damit erreicht, dass sich alle Besucher in den Berliner Bädern wohlfühlen.

Lothar Wirth, per E-Mail

Das Schließen von Bädern trifft nahezu alle Bürger. Schon jetzt sind die Öffnungszeiten begrenzt. Man ist zum Teil gezwungen, von 6.30 bis 8 Uhr schwimmen zu gehen, da danach die Halle für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Morgens stehen immer Menschen an, um zum ermäßigten Preis von 2,80 Euro zu schwimmen. Diese Menschen können sich die sogenannten Spaßbäder nicht leisten.

Klaus Moehring, Reinickendorf

Die angedachten Spaßbäder für Familien sind Produkte reines Profitstrebens. Familien dürfen schon heute kräftig für die Freizeitgestaltung in Berlin zahlen. Irgendwann verliert man die Lust am kostspieligen Erleben in Berlin.

Constanze Thietz, per E-Mail