Leserbriefe

„Mieten für Gastronomie zu hoch“

Leser zur Kritik von Klaus Wowereit, dass es am Kudamm zu wenige Cafés und Restaurants gibt

Die Attraktivität des Kudamms hat seit der Wende gelitten. Daran sind allerdings nicht nur die fehlenden Cafés und Restaurants schuld, sondern auch die vielen architektonischen Fehlleistungen, die sich meist in gesichtslosen Hochhäusern äußern. Warum wagt man keine innovativen Bauprojekte, wie sie Hundertwasser in Wien oder Gaudí in Barcelona initiiert haben? Das wären echte Hingucker, und es würde auch Touristen anziehen. Auch die Grünanlagen und deren Pflege in unserer dahindümpelnden Vorzeigestraße lassen zu wünschen übrig, denn der zuständige Bezirk hat das Geld für die Bepflanzung zusammengestrichen. Mit einer derartigen Sparpolitik kann man keinen Blumentopf gewinnen, ein Vergleich mit den Champs-Élysées verbietet sich daher.

Thomas Henschke, per E-Mail

Ich weiß nicht, warum wir in Berlin immer alles schlechtreden müssen und immer negativ denken. Den Kurfürstendamm mit seinen einmaligen Bäumen, dem schönen Flair einer alten Prachtstraße, dem Gemisch aus Geschäften, Theatern, Restaurants verschiedener Art mit den Boulevards anderer Metropolen zu vergleichen, fällt sehr leicht und geht positiv für ihn aus. Ich freue mich immer wieder über den Anblick unseres Prachtboulevards. Ich will auch nicht den Vergleich mit Friedrichstraße oder Unter den Linden vergessen.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Was hat die Attraktivität des Kudamms mit noch mehr Cafés und dem Bau von Hochhäusern zu tun? Was der Kudamm braucht, sind kulturelle Aktivitäten auf Hauptstadtniveau und viel Grün. Gerade langjährige Mammutbauten vergraulen Besucher, und die hohen Baupreise treiben die Mieten in die Höhe. Wie soll da ein Gastronom existieren können?

D. Sawade, per E-Mail

Bühnenbild innerlich ausblenden und sich dem Musikgenuss hingeben

Zum Artikel: „Döner-Dämmerung am Horizont“ vom 2. August

Die Reaktion des Publikums lässt hoffen: ausgezeichnete Musik, ausgezeichnete Sänger, mit viel Applaus bedacht. Es gab laute, lang anhaltende Buhrufe für die Inszenierung, und auch in den Pausen konnte man hören, wie diese aufgenommen wurde, nämlich ausschließlich negativ. Das Wirken solcher Regie-Berserker wird vom Publikum nicht angenommen, und alleine die Tatsache, dass man lange auf einen Besuch auf dem Grünen Hügel warten muss, erlaubt es, derartiges Regietheater zu veranstalten. Es bleibt nur, das Bühnenbild innerlich auszublenden und sich ganz dem akustischen Genuss hinzugeben.

Karsten Reincke, Müggelheim

Zoo und Tierpark auf Tempelhofer Flugfeld zusammenführen

Zum Artikel: „Tierpark in der Krise: Geschäftsführerin Gabriele Thöne geht“ vom 27. Juli

Berlin macht auch bei seinen beiden Zoologischen Gärten das, was die Stadt seit der Wiedervereinigung offenbar am besten kann: Sie lebt von der Substanz, vertraut auf den guten alten, aber langsam verblassenden Ruf von einst und verschläft so die Zukunft. Alle Verantwortlichen in Berlin geben derzeit ein Bild der Hilf- und Orientierungslosigkeit ab. Und der Berliner Politik mit dem Senat an der Spitze scheint es egal zu sein, ob das Renommee, das sich Zoo und Tierpark erworben haben, zunehmend den Bach runtergeht. Unstrittig ist, dass dringend investiert werden muss, um die Attraktivität und Anziehungskraft der Anlagen zu erhalten beziehungsweise zu erhöhen. Dabei liegen die Vor- und Nachteile beider Standorte auf der Hand. Während der Zoo zentral und verkehrsgünstig liegt, ist er flächenmäßig relativ klein. Der Tierpark ist durch seine Weitläufigkeit für Besucher eine Herausforderung, und er liegt zudem weitab von der Innenstadt. Es ist fraglich, ob im Zoo die alten und zu kleinen Gehege gerade für Großtiere so modernisiert, umgebaut und vergrößert werden können, dass sie den Kriterien moderner Tierhaltung gerecht werden. Ebenso ungewiss ist es, ob der Zoo seine Attraktivität beibehalten würde, wenn diese Großtiere nur noch im Tierpark zu bewundern wären. Beim Tierpark hingegen ließe sich vielleicht die Weitläufigkeit der Anlage durch bestimmte Maßnahmen (Fahrräder) in den Griff bekommen. Das ändert jedoch nichts am entscheidenden Nachteil: Er liegt ziemlich weit draußen. Berlin braucht hinsichtlich der Zukunft seiner Tierparks langfristige, mutige und vielleicht sogar visionäre Entscheidungen. Wäre es nicht besser, die Tiere beider Zoos in einem einzigen, zentral gelegenen Hauptstadt-Zoo zu vereinen, auf dem Gelände des alten Tempelhofer Flughafens? Dort hätte man genug Platz für großzügige, artgerechte und attraktive Anlagen.

Oliver Passarge, Schöneberg