Leserbriefe

„Argumente nicht nachvollziehbar“

Leser zur endgültigen Entscheidung der Bahn, keine Fernzüge am Bahnhof Zoo halten zu lassen

Skandalös ist diese endgültige Entscheidung der Deutschen Bahn, die Fernzüge aus durchsichtigen Gründen und mit fadenscheinigen Begründungen nicht in Potsdam und am Bahnhof Zoo halten zu lassen. Doch nur so kann man die hohen Mieten im „Kaufhaus Hauptbahnhof“ plausibel machen, wo möglichst viele Menschen auf Einkaufstour gehen sollen. Bei so viel Fahrgastunfreundlichkeit wundert einen die schlechte Bilanz der Deutschen Bahn im ersten Halbjahr nicht.

Rolf Pilgram, Schöneberg

Die Argumentation der Deutschen Bahn, mit der sie seit 2006 den Halt der meisten Fernzüge am Bahnhof Zoo verweigert, ist absurd. Die Streckenauslastung der Stadtbahn kann dafür kein Grund sein, denn der Bahnhof Zoo verfügt an beiden Fernbahnsteigen über je ein Überholgleis. Auch das Thema Reisezeitverlängerung ist nicht überzeugend, da der überwiegende Teil der Fernzüge in Berlin startet oder endet. Außerdem bleibt festzuhalten, dass der Hauptbahnhof weiterhin nur unzulänglich an das Nahverkehrsnetz angeschlossen ist. Die Verlängerung der Straßenbahnlinie wird mit zehn Jahren Verspätung voraussichtlich erst 2016 in Betrieb genommen. Auch die im Bau befindliche S-Bahn-Linie 21, die zudem den Hauptbahnhof zunächst nur von Norden erschließt, lässt ebenso lange auf sich warten. Schließlich bleibt noch die U-Bahn-Linie 5, die noch bis 2019 als Stummelbahn U 55 verkehren wird, die aber mit ihrem beschwerlichen Umsteigen im Bahnhof Brandenburger Tor ebenfalls keine akzeptable Alternative bildet. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Senat sich bei seinen Gesprächen mit der Deutschen Bahn weiter nachdrücklich für die Interessen der Bahnfahrer einsetzen wird, wie es Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) angekündigt hat.

Dietrich Wust, per E-Mail

Fehlender Wille, sich über Arbeit der Polizei zu informieren

Zum Artikel: „Ich muss überall Erbsen zählen“ vom 22. Juli

Das Interview mit Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt war sehr informativ. Ich bin Landtagsabgeordneter der Linken und merke immer wieder, wie ungerecht, undifferenziert und an den Realitäten vorbei von der Polizei berichtet wird. In meiner Partei ist es faktisch verpönt, die Polizei zu verteidigen. Dann muss man sich anhören, dass man nicht linke Politik betreibt, sondern den Korpsgeist fördert beziehungsweise diesem anheimfällt. In 20Jahren bei der Polizei habe ich diesen niemals bemerkt. Was ich vorwerfe, ist der Mangel an Willen, sich über die Arbeit der Polizei eine unvoreingenommene Meinung zu bilden.

Jürgen Maresch, Cottbus

Schlechte Besoldung behindert Nachwuchssuche

Zum Artikel: „Berlin liegt an der Spitze des Wachstums“ vom 21. Juli

Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum (für SPD) verweist wegen seiner Absicht, den Berliner Beamten für 2014/2015 nur eine Besoldungserhöhung von jeweils 2,5 Prozent zu gewähren, auf die Regelungen in Nordrhein-Westfalen (NRW), dessen Beamte angeblich noch weniger bekommen als die Berliner Staatsdiener. Das ist nicht einmal die halbe Wahrheit, denn NRW überträgt auf seine Beamten bis zur Besoldungsgruppe A 10 die von Ver.di ausgehandelte Tariferhöhung von 2,65 Prozent zum 1. Januar 2013 und 2,95 Prozent zum 1. Januar 2014 in vollem Umfang. In Berlin gibt es für die Beamten lediglich zwei Prozent mehr ab 1. August 2013 und jeweils 2,5 Prozent mehr zum 1. August der Folgejahre. Zudem verschweigt der Finanzsenator, dass die Besoldung für NRW-Beamte bereits jetzt schon etwa acht Prozent über dem Berliner Niveau liegt und dort außerdem ein deutlich höheres Weihnachtsgeld gezahlt wird. Wie Nußbaum mit dieser miesen Besoldung in Berlin den dringend benötigten Verwaltungsnachwuchs gewinnen will, ist schleierhaft.

Jörg Bewersdorf, per E-Mail

Versorgung absichern und Sicherheitsstandards verbessern

Zum Artikel: „EU will Hilfen für Atomkraftwerke erleichtern“ vom 20. Juli

Solange Atomkraftwerke durch Kohlekraftwerke ersetzt werden, leisten wir keinen Beitrag zum Klimaschutz. Deshalb ist es richtig, wenn auf EU-Ebene alles getan wird, die Energieversorgung abzusichern und die Sicherheitsstandards zu verbessern. Die Atomkraft ist weder Teufelszeug noch eine Technologie von gestern, sondern schlichtweg eine allseits genutzte Option im Energiemix, um den steigenden Energiehunger in Europa und weltweit zu stillen.

Christoph Luban, per E-Mail