Leserbriefe

„Radfahrer an Kosten beteiligen“

Leser zu den Plänen der Senatsverkehrsverwaltung, das Berliner Radwegenetz weiter auszubauen

Seit zwei Jahren habe ich kein Auto mehr angerührt und bin aufs Rad umgestiegen. Das Rad ist ein klimafreundliches Verkehrsmittel und für den Kurzstreckenverkehr in der Stadt bestens geeignet. Man ist schneller als mit Bus oder Auto, aber es muss noch viel für den Radverkehr getan werden. Zum Beispiel mehr Platz innerhalb des Verkehrsraums schaffen, die Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung freigeben, Unterstellmöglichkeiten für Räder schaffen und vieles mehr. Die Pläne des Senats gehen daher in die richtige Richtung. Mal sehen, ob auch wirklich etwas passiert.

Christoph Luban, per E-Mail

Es wird immer wieder behauptet, wir hätten nicht genügend Radwege in Berlin. Doch selbst die vorhandenen werden – abgesehen von ein paar Kindern oder alten Leuten – sowieso nicht genutzt. Es wird auf der Straße gefahren, an roten Ampeln sich zwischen stehenden Autos durchgequetscht. Verkehrsregeln gelten offensichtlich nur für Autofahrer. Der Gipfel ist, dass der ADFC und die Grünen noch mehr Geld für den Ausbau des Radwegenetzes fordern. Wenn man das will, sollten sich Radfahrer an den Kosten mit einer Abgabe beteiligen, so wie Autofahrer sich mit einer Kfz-Steuer beteiligen, die aber anscheinend zum Wohle der Fahrradfahrer eingesetzt wird.

Werner Otto, Lichtenrade

Mehr Platz für Radfahrer bedeutet weniger Platz für Autofahrer. Das dürfte der verbreiteten Arroganz der Radfahrer den Autofahrern gegenüber Auftrieb geben. Es ist eine Schnapsidee, wenn nunmehr für weitere Einbahnstraßen die geltenden Regeln für Radfahrer aufgehoben werden sollen. Als Autofahrer bin ich irritiert, wenn mir da Radfahrer entgegenkommen. Dass die Benutzungspflicht der Radwege ebenfalls entfallen soll, ist ebenfalls nicht nachvollziehbar. Man fragt sich, warum diese dann eigentlich für viel Geld überhaupt angelegt wurden.

Dirk Jungnickel, Lichterfelde

Ich bin leidenschaftlicher Radfahrer und habe keinen Führerschein. Viele tödlich verunglückte Radfahrer könnten noch leben, wenn sie defensiv und vorausschauend fahren würden und nicht auf ihrer Vorfahrt gegenüber rechts abbiegenden Lkws bestehen würden, wie ich es oft beobachte. Die Einrichtung von Radstreifen auf stark befahrenen Straßen erachte ich als den falschen Weg. Noch dazu, wenn parallel dazu ein intakter Radweg besteht. Ich fühle mich auf dem Radweg sicherer. Auf der Straße muss ich immer damit rechnen, dass ich durch eine unachtsam geöffnete Autotür stürze, um dann von einem nachfolgenden Auto überrollt zu werden.

Manfred Böhme, Rudow

Anstatt mehr Platz für Fahrradfahrer einzurichten, sollte der Berliner Senat mal darüber nachdenken, wie die Stadt aus dem Verkehrschaos kommt. Gerade Unter den Linden ist es katastrophal. Viele Ampelschaltungen sind dermaßen schlecht, dass man sich fragt, ob es überhaupt eine Verkehrsleitzentrale gibt. Ich würde gerne den ÖPNV nutzen, wenn ich aber nach einer Abendveranstaltung mit meiner Frau U- und S-Bahn benutzen soll, wird mir schlecht. Jeden Tag neue Horrormeldungen von brutalen Überfällen. Also, mehr Sicherheit im öffentlichen Raum schaffen, dann wird weniger mit dem Auto gefahren, und die Radfahrer haben mehr Platz.

Michael Linde, Blankenfelde

Hat sich Berlins Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler schon einmal Gedanken darüber gemacht, wovon seine Beamtenpension finanziert werden soll, wenn der berufsnotwendige Autoverkehr immer mehr eingeschränkt wird? Bekanntlich ist das Abgabenaufkommen aus der Pkw-Nutzung enorm. Für die neue Radfahrerstrategie werden bisherige Grundsätze auf den Kopf gestellt. Hatte sich der Radverkehr doch auf die Gehwege verlagert, weil die Straßenbenutzung zu gefährlich sei. Nun sollen die Straßen benutzt werden, um besser gesehen zu werden. Ordnung im Straßenverkehr ist insbesondere bei steigendem Radverkehr nur wiederherzustellen, wenn es ein striktes Gebot der Benutzung von Radfahrwegen gibt, Nummernschilder für Fahrräder eingeführt und Radfahrabgaben verlangt werden, um die sinkenden Kfz-Einnahmen zu kompensieren.

Gottfried Hecht, per E-Mail

Zugegeben, Radfahrer verhalten sich sehr oft verkehrswidrig. Aber es gibt einen Punkt, der mich als Radfahrer in Rage bringt. Beim Fahren auf der Straße werde ich von Autofahrern oft angehupt oder aggressiv darauf hingewiesen, den Radweg am Bürgersteig zu benutzen. Diesen Autofahrern ist leider nicht bekannt, dass der Radweg nur benutzt werden muss, wenn er durch das blaue Gebotsschild ausgewiesen ist.

Dieter Heinsch, Rudow