Leserbriefe

„Alarmierende Zahlen“

Leser zur ADAC-Unfallbilanz für 2012, nach der es bei 699 schweren Radunfällen auch 15 Tote gab

Die vom ADAC für Berlin genannten Zahlen der Fahrradunfälle des Jahres 2012 mit 684 schwer verletzten Radlern und 15 Toten sind alarmierend und fordern wohl dringend weitere Veränderungen im Straßenverkehr. Die Erhöhungen der Strafgebühren wegen verkehrswidrigen Fahrens von Radfahrern werden wohl wenig zur Erziehung rüpelhafter Radfahrer beitragen, wenn dann auch noch Polizeikontrollen groß angekündigt und nur zeitweise durchgeführt werden. Warum können Mitarbeiter der Bezirksämter, die für die Parkraumbewirtschaftung eingesetzt sind, nicht auch noch Rad fahrende Verkehrssünder erfassen? Erschreckend ist auch die Feststellung des ADAC, dass es in Kreuzungsbereichen Situationen geben kann, in denen Lkw-Fahrer zudem einfach keine Chance hätten, einen Radfahrer zu sehen. Es muss wohl erst diskutiert werden, wer da für dringend notwendige Veränderungen zuständig ist. Sind es die Verkehrsplaner, die Straßen- und Tiefbauämter der Bezirke oder die Fahrzeughalter beziehungsweise die Autoindustrie? Da ist die Frage erlaubt: Wie viele Radfahrer müssen noch verunglücken?

Frank Petzsch, Prenzlauer Berg

Ich arbeite am Kurfürstendamm und wohne in Friedenau. Überall in Berlin wurden beziehungsweise werden teure Radwege gebaut. Aber was benutzen die Radfahrer: den Bürgersteig! Nicht nur das, auch benutzen die Radfahrer während des Fahrens Handy oder Kopfhörer. Das nimmt immer mehr zu.

H. Rickes, Friedenau

Weg hin zur Demokratie war immer steinig und voller Dornen

Zum Artikel: „Umsturz in Ägypten“ vom 5. Juli

Das, was sich derzeit in Ägypten abspielt, kann man vielleicht schwer nachvollziehen, aber der Weg zu einer Demokratie war noch nie ein Spaziergang, sondern eher steinig und dornenreich. Es kommt jetzt darauf an, die verschiedenen Gruppen miteinander zu versöhnen und dem Land eine Perspektive aufzuzeigen. Die Verhältnisse müssen sich für die Bevölkerung messbar verbessern, sonst wird das Land im Chaos versinken.

Christoph Luban, per E-Mail

Konzeptionswirrwarr durch föderale Zuständigkeit

Zum Artikel: „Viertklässler können schlecht lesen“ vom 25. Juni

Der Bildungsföderalismus in Deutschland nimmt zunehmend groteskere Formen an, die bisher nicht zur Erkenntnis und Klarheit der richtigen Methoden geführt haben, sondern die Verwirrung weiterhin vertieften. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hält Noten und Sitzenbleiben für nötig und begründet dies mit Eigenerlebnissen, was sicher nicht nur ich aus eigener Erfahrung unterstreichen kann. Nach neuesten Studien ist Sitzenbleiben seit Jahren eine höchst umstrittene Maßnahme, die zunehmend von mehr Regierungen abgelehnt wird, wobei rot-grüne Koalitionen es sich zum Ziel gesetzt haben, sie gänzlich überflüssig zu machen. Unterstrichen wird dies wohl auch durch Bildungsökonomen, die beziffern, dass das Sitzenbleiben pro Jahr etwa eine Milliarde Euro kostet. Gegen diesen wohl auf Dauer so bleibenden Konzeptionswirrwarr der föderalen Zuständigkeit ist als gesunde Lösung nur eine fast schon grundgesetzwidrige Forderung denkbar, nämlich den Bildungsbereich aus der föderalen Konstellation herauszunehmen und ihn der Bundeszuständigkeit zu übertragen. Wäre dies schon lange geschehen, hätte der Bildungsfortschritt in diesem Lande ein anderes Niveau erreicht. Allein dass die soziale Herkunft den Schulerfolg bestimmt, lässt sich auch widerlegen durch das schulische Beispiel der Nachkriegsgeneration, wo die soziale Herkunft eher gleich war, als sie es heute ist.

Harry Döring, per E-Mail

Bildung für die Jugend wird zu wenig ernst genommen

Zum Artikel: „Humboldt-Lehrpfad aus Kostengründen gestrichen“ vom 4. Juni

Die Zeiten in Reinickendorf unter SPD-Bürgermeister Detlef Dzembritzki (1990–1995) sind lange vorbei. Seither regiert die CDU mit wechselnden Koalitionen und Zählgemeinschaften, zurzeit mit den Grünen, und hält sich so seit 18 Jahren an der Macht. Das merkt man als Bürger dieses Bezirks immer wieder. Entscheidungen werden gern im Hinterzimmer getroffen, über Zebrastreifen wird gern ausgiebig gestritten, Behindertenparkplätze werden gestrichen, Asylbewerberheime verhindert (auf Kosten anderer Bezirke) und Bildung für die Jugend nicht ernst genommen. Von den Grünen hätte man da anderes erwartet.

Norbert Jurk, Frohnau