Leserbriefe

„Misere ist hausgemacht“

Leser zu den Problemen in Berlin mit dem steigenden Grundwasser, das auch historische Gebäude bedroht

Erst haben Politiker die Bürger zum Wassersparen gedrängt, jetzt denken sie offenbar über den Einsatz von Steuern zum Gebäudeschutz gegen das dramatisch gestiegene Grundwasser nach. Richtig wäre, den Wasserpreis zu halbieren und damit den Verbrauch anzukurbeln. Dann würde es auch aus unseren Abwasserkanälen nicht mehr stinken. Hilfsweise könnte man Grundwasser in die Kanäle und in die Flüsse pumpen. Parallel dazu sollte man Wasser sparenden Menschen klarmachen, dass die Bewohner in den Dürregebieten Afrikas nichts davon haben, wenn wir in Deutschland Wasser sparen.

Peter Hauptvogel, Köpenick

Der Grundwasserspiegel steigt und steigt, sodass es jetzt langsam, aber sicher gefährlich wird. Die Wasserpreise steigen, der Wasserverbrauch sinkt immer mehr. Die Folge ist, Otto Normalverbraucher sprengt seinen Rasen weniger, das täglichen Duschen wird dezimiert, die Toiletten nur noch mit reduzierter Wassermenge gespült. Die Folge von derartigem Wasserspar-Irrsinn ist, dass die Rohre versotten und es anfängt zu stinken, so wie jetzt im Fünfsternehotel „The Mandala“ am Potsdamer Platz, dessen Abwasserrohre deswegen aufwendig saniert werden müssen. Durch das steigende Grundwasser werden Abdichtungen an Gebäuden zerstört, die für solche Wassermengen nicht vorgesehen sind. Insgesamt ist es dringend geboten, die Wasserpreise zu senken, damit Berlin nicht wegen eines verfehlten Wassermanagements absäuft.

Thomas Hansen, per E-Mail

Die Probleme, die jetzt benannt werden, sind seit Jahrzehnten bekannt und teilweise auch hausgemacht. Der Potsdamer und der Leipziger Platz hätten so nie gebaut werden dürfen, mit den Tiefgaragen und Untergeschossen. Es war klar, dass es irgendwann Probleme mit dem Grundwasser geben wird. Außerdem hat man die Bevölkerung aufgefordert, weniger Wasser zu verbrauchen. Das Ergebnis sieht man jetzt. Der Verbraucher zahlt heute trotz geringeren Verbrauchs mehr für das Wasser als je zuvor.

Lothar Wirth, per E-Mail

Das mit dem Grundwasser ist eine einfache Rechnung: Wasserpreise halbieren, dadurch doppelter Verbrauch, und der Grundwasserspiegel sinkt wieder auf ein Niveau, das wir bei ähnlichen Bedingungen schon mal hatten. Keine zusätzlichen Kosten würden so für notwendige Baumaßnahmen entstehen. Die jetzige Misere ist hausgemacht.

Armin Baptist, per E-Mail

Für ein Auswechseln der Spitzenkandidaten ist es zu spät

Zum Artikel: „Angst vor der großen Koalition“ vom 1. Juli

Dass die SPD knapp drei Monate vor der Bundestagswahl Angstschweiß auf der Stirn bekommt, hat sie sich selbst zuzuschreiben. Musste sie sich schon so früh auf die Grünen als Koalitionspartner festlegen? Bei der CDU/CSU sieht die Situation aus heutiger Sicht wegen des stabilen Wählerpotenzials besser aus, auch wenn die FDP ein Wackelkandidat ist. Die SPD sollte sich gründlich überlegen, ob sie als Juniorpartner von CDU/CSU oder mit Grünen und Linken mehr SPD-Ziele verwirklichen kann.

Wolfgang Priese, per E-Mail

Was haben die Genossen von heute aus der traditionsreichen Arbeiterpartei gemacht? Im Wahlkampf steht Kanzlerkandidat Peer Steinbrück auf verlorenem Posten. Sigmar Gabriel wäre wahrscheinlich der bessere Kandidat gewesen. Dafür ist es jedoch zu spät. In einer eventuell künftig großen Koalition will Steinbrück nicht mitmachen. Gabriel als Vizekanzler könnten sich die Bürger aber gut vorstellen. Für Schwarz-Gelb wird es unter FDP-Parteichef Philipp Rösler wohl nicht mehr reichen. Auch da ist es für einen Personenwechsel längst zu spät.

Wolfgang Schwaneberg, Charlottenburg

Sachliche Auseinandersetzung statt Polemik ist angebracht

Zum Artikel: „Grass beleidigt Kanzlerin“ vom 28. Juni

Es steht Personen aus der alten Bundesrepublik wie Günter Grass moralisch nicht zu, über DDR-Biografien zu richten, da jemand, der die meiste Zeit seines Lebens in einer Demokratie verbracht hat, in der Regel die inneren und äußeren Zwänge einer Diktatur nur unzureichend versteht. Außerdem spiegelt der Stil der Bundeskanzlerin weniger Opportunität als vielmehr Cleverness wider. Deswegen ist jeder gut beraten, der eine andere Politik wünscht, sich auf einer rein inhaltlichen und nicht polemischen Ebene mit der Politik von Merkel auseinanderzusetzen.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail