Leserbriefe

„Zu wenig Zeit für einen Beinschuss“

Leser zum Polizeieinsatz am Neptunbrunnen in Mitte, bei dem ein 31-Jähriger erschossen wurde

Ein offensichtlich schwer gestörter Mann steht inmitten einer Großstadt mit einem langen Messer im Neptunbrunnen und verletzt sich selbst schwer. Passanten rufen die Polizei zur Hilfe, und das mit Sicherheit auch, weil die weitere Gefahrenentwicklung für Unbeteiligte nicht absehbar ist. Zur Erinnerung für die vorschnellen und leichtfertigen Kritiker des Polizeieinsatzes: Zentrale Aufgabe der Polizei ist die Gefahrenabwehr. Der Polizist darf nicht flüchten (Gefahrenabwehr) und hat nur Sekundenbruchteile, eine Entscheidung zu treffen. Jeder, der von Unverhältnismäßigkeit faselt, sollte detailliert erklären, wie er selbst die Situation besser gelöst hätte, ohne dass Unbeteiligte gefährdet oder gar verletzt werden.

Harry Vierath, per E-Mail

In diesem Fall war zunächst keine für den Polizisten bedrohliche Situation vorhanden. Erst durch die Annäherung des Polizisten im Brunnen kam es zu dieser Eskalation. Die Polizisten hätten erst einmal durch den Einsatz von Pfefferspray versuchen sollen, den Mann zur Aufgabe zu bringen. Erst danach hätte man versuchen müssen, den Mann durch gezielte Schüsse in die Beine kampfunfähig zu machen. Die Notwehrsituation ist – wenn überhaupt – erst dadurch entstanden, weil der Polizist sich ohne Not dem Mann zu stark genähert hatte.

Lothar Wirth, per E-Mail

Es ist sehr schwierig, die gesamte Situation von außen zu betrachten. Fakt ist, dass offenkundig keine andere Möglichkeit bestand. Bei Messerangriffen ist schnelles Handeln gefragt. Gleichwohl zeigt dieser tragische Fall eines sehr deutlich: Der Polizei auch noch das Pfefferspray wegzunehmen, wie es SPD, Grüne und die Linke in Berlin verlangen, ist fachlich falsch und nicht begründbar. De facto ist dieses Pfefferspray die einzige Distanzwaffe. Insoweit lohnen sich alle Spekulationen sicherlich nicht. Zu beachten ist, dass der Polizeibeamte innerhalb von einer bis zwei Sekunden entscheiden musste. Er hatte offenkundig keine Zeit, ins Bein zu schießen. Wer etwas anderes behauptet, war noch nie in einer solchen Situation.

Jürgen Maresch, Cottbus

Es ist schon traurig: Acht Polizisten werden mit einem nackten Mann nicht fertig. Der Einsatz der Mittel muss immer verhältnismäßig sein, mit einem gezielten Schuss auf die Beine kann man jeden kampfunfähig machen. Man kann auch Wasserwerfer einsetzen. Elektroschocker sind kein geeignetes Mittel, da sie nicht auf Distanz wirken und schwer zu handhaben sind.

Christoph Luban, per E-Mail

Natürlich war ein Schusswaffengebrauch in dieser Situation gerechtfertigt. Was müssen sich denn unsere Polizisten noch alles gefallen lassen? Sie werden beschimpft, angepöbelt, beleidigt, bespuckt, tätlich angegriffen, Funkstreifenwagen werden mit Steinen und/oder mit Brandsätzen beworfen. Dies sind auch Angriffe auf das Leben der Polizisten. Es fehlt am Respekt vor der Polizei. Das kann auch daran liegen, dass bislang die übergeordneten Polizeidienststellen nicht gerne voll und ganz hinter ihren Kollegen auf der Straße gestanden haben.

W. Scholz, per E-Mail

Ein offensichtlich Geistesgestörter greift mit einem Messer einen Polizeibeamten an und wird von diesem erschossen. Bis auf wenige Augenzeugen war niemand dabei. Die anwesend waren, können anscheinend das Geschehen aus der Sicht des Beamten nachvollziehen. Natürlich muss alles genau aufgearbeitet werden, wobei die Augenblickssituation der wichtigste Faktor ist. Das Ergebnis sollte nicht nur dem Getöteten gerecht werden, sondern auch dem Schützen. Ein Schusswaffengebrauch ist weder alltäglich noch unvermeidbar. Wenn ein Polizist zu diesem letzten Mittel greift, dann nicht zuletzt zu seinem eigenen Schutz.

Wolfgang Pickert, per E-Mail

Ich neige eigentlich dazu, mich bei Diskussionen pro Polizei zu positionieren, aber langsam muss man mal die Ausbildung bei der Polizei hinterfragen, wenn jetzt erneut jemand von einem Polizisten erschossen wurde, den man bei guter Ausbildung ohne Weiteres hätte überwältigen können. Selbst wenn man meint, wegen der Bedrohungslage seine Schusswaffe gebrauchen zu müssen, sollte man in der Lage sein, einen Schuss ins Bein abzugeben. Anderenfalls sollte man keine Waffe tragen dürfen.

T. Hauptmann, per E-Mail

Korrektur

Zum Artikel: „Stadt, Land, Fluss“ vom 1. Juli

Versehentlich haben wir in der Grafik mit den Berliner Gewässern die Fließrichtung der Havel gegen die Strömung eingezeichnet. Wir bitten für diesen Fehler um Entschuldigung.