Leserbriefe

Oft ist Niedriglohn nur ein Zubrot

Leser zur anhaltenden Diskussion über Lohndumping, einen gesetzlichen Mindestlohn und Minijobs

Ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50Euro je Arbeitsstunde wird zu einem auskömmlichen Monatseinkommen führen. Die Menschen müssen von ihrer Arbeit leben können, sagen der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel und sein Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Doch wer gehört zum Personenkreis im Niedriglohnsektor? In Deutschland gibt es 41,8 Millionen Erwerbstätige, davon sind sieben Millionen in einem Minijob beschäftigt, und weitere fünf Millionen erhalten einen Stundenlohn von weniger als 8,50 Euro. Deutschlandweit bezogen sind es vorwiegend Frauen und Ungelernte. In den ostdeutschen Ländern sind 75 Prozent der Niedriglöhner angesiedelt. Meist sind es Ehefrauen, die sich damit ein Zubrot verdienen. Also sind diese Menschen keine Alleinverdiener und müssen nicht allein davon leben können. Auch die Abschaffung der Minijobs ist ein Wahlziel von SPD und Grünen. Eine Umwandlung dieser Halbtagsbeschäftigungen mit der Ausstattung eines Mindeststundenlohnes führt zu weniger Netto im Monat. Ein Monatsbrutto von 561 Euro bei 66 Arbeitsstunden ist nicht steuerpflichtig, aber es sind Sozialversicherungsbeiträge fällig, die es vorher mit einem Minijob nicht gab. Die bezahlte der Arbeitgeber als Pauschalbetrag. Gewinner einer solchen Regelung wären SPD und Grüne, wenn sie die Regierung stellen. Denn der steuerfinanzierte Bundeszuschuss zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung wird so um eine Milliarde Euro entlastet.

Jürgen Hempel, per E-Mail

Fast so unmenschlich wie viele Fleischproduzenten mit den Tieren umgehen, gehen sie auch mit ihren Arbeitnehmern um. Billiges Fleisch erfordert auch billige Arbeitskräfte. Da leider viele Menschen mit den Nutztieren kein Mitleid haben, haben aber einige bestimmt Mitleid mit den Lohnsklaven. Statt jedoch nur kurzzeitig empört zu sein, muss die gesamte Fleischindustrie endlich von allen Konsumenten in die Schranken verwiesen werden, das hilft den Tieren und uns allen.

Stephanie Goldbach, Charlottenburg

Fragwürdige Kopplung von Zuschüssen an die Wertschöpfung

Zum Artikel: „300 Euro für jeden Studenten: Berlin plant neues Begrüßungsgeld“ vom 24. Juni

Unsere Unis sollten finanziell gut ausgestattet werden. Aber die von den Berliner Hochschulen ausgelöste Wertschöpfung mit geschätzten 1,7Milliarden Euro dem Landeszuschuss an die Unis in Höhe von 840 Millionen Euro gegenüberzustellen ist zumindest kein zwingendes Argument für mehr Geld. Denn beispielsweise die Autofahrer zahlen jährlich weit mehr als 100 Milliarden Euro in die Steuerkasse des Bundes und der Länder ein, aber nur wenige Milliarden Euro werden für marode Straßen einschließlich Geh- und Fahrradwegen ausgegeben. Wegen des vermehrt schlechten Zustands der Straßen müsste demnach viel mehr Geld für Reparaturen und Wartung der Straßen und Brücken sowie für kostenlose Parkmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden.

Martin Gewies, Frohnau

Die Zeichen der Zeit offensichtlich gründlich verschlafen

Zum Artikel: „Kampf für ein Denkmal“ vom 27. Juni

Die Auffassung des Betreibers vom Hotel „Bogota“ finde ich merkwürdig. Einer Kündigung wegen hoher Mietschulden zu widersprechen ist schon komisch, aber die Ansicht, dass der Zahlungsausfall eines Mieters nicht so schlimm sei, wenn mehrere neue Büros eingezogen sind, ist schon grotesk.

Peter-Dirk Hahn, per E-Mail

Wenn der Hotelbetreiber der Meinung ist, in der heutigen Zeit mit Zimmern ohne Bad und alter Einrichtung noch die erforderlichen Erlöse zu erzielen, hat er die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Da nützen auch alte Erinnerungen an sicher einst glanzvolle Zeiten nichts. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

Eckhardt v. Friesen, per E-Mail

Begeisterung für Hans Hass machte an der Grenze nicht halt

Zum Artikel: „Für das Salzwasser gemacht“ v. 24. Juni

In den 50er-Jahren begeisterte Hans Hass nicht nur Deutschland mit seinen kühnen Unterwasserforschungen. Als junger Mensch war ich begeistert, sah mir alle Hans-Hass-Filme an und kaufte mir schließlich mit schwarz getauschtem Westgeld Hans-Hass-Tauchflossen und eine Unterwasserbrille. Das Rote Meer blieb mir als Ost-Berliner verschlossen. Ein Kennzeichen von Hass war sein Bart. Als ich auf die Idee kam, es ihm nachzutun, bestellte mich unser Kaderleiter zu sich und sagte kurz zu mir: „Der Bart muss ab, wir dulden keine westlichen Tendenzen!“

Manfred Türke, per E-Mail