Leserbriefe

Rechtzeitig die Gefahr erkennen

Leser zu den zahlreichen Unfällen in Berlin, bei denen Radfahrer schwer verletzt oder getötet wurden

Die Unfälle mit Radfahrern durch rechts abbiegende Lkw sind tragisch. Der tote Winkel ist ein großes – wenn auch technisch bald lösbares – Problem, dessen sich alle Verkehrsteilnehmern bewusst sein müssen. Dem Pkw-Fahrer wird schon in der Fahrschule beim Rechtsabbiegen der Schulterblick nach rechts gelehrt. Auch hier gibt es einen, wenn auch kleineren, toten Winkel und weniger Unfälle. Wenn der ungeschützte Radfahrer der schwächere Verkehrsteilnehmer ist, sollte doch auch aus eigenem Interesse von ihm im Kreuzungsbereich bei Beachtung des Kfz-Verkehrs mit einem Schulterblick nach links eine gefährliche Situation erkennbar werden. Was nützt die Vorfahrt, wenn sie unter einem Lkw endet? Also Radfahrer: an der Kreuzung Augen auf und bitte immer Schulterblick nach links. Lkw-Fahrer sollten beim Abbiegen langsam fahren, denn ein Radfahrer verlässt den toten Winkel recht schnell und wird bei entsprechender Aufmerksamkeit erkennbar.

Frank Siegfried, Karow

Jeder tote oder verletzte Radfahrer ist einer zu viel. Nur fragt man sich als Verkehrsteilnehmer mehrmals am Tag, wie viele hirnlose Radfahrer in Berlin unterwegs sind. Da wird rechts oder zwischen zwei Fahrzeugen hindurch überholt, über Fußwege die Ampeln umgangen, Fußgänger von Gehwegen gescheucht oder Radwege werden gemieden. Wo bleibt die groß angekündigte Polizeiinitiative gegen diese Ignoranten?

Uwe Schmidt, Friedenau

Eigene Nachwuchsarbeit sollte nicht vernachlässigt werden

Zum Artikel: „Neues Vertrauen für die Deutschen“ vom 21. Juni

Beim Lesen des interessanten Berichts fragte ich mich, ob der Berliner Basketball-Bundesligist Alba bei der Suche nach deutschen Spielern allein bei anderen deutschen Vereinen einkauft? Bildet Alba keinen eigenen Nachwuchs mehr aus? Früher unterhielt Alba ein Farm-Team (TuS Lichterfelde), das Alba erfolgreich mit Talenten bediente. Positiv ist, dass der Basketball-Verband den Ausländeranteil in den Teams nach dem positiven Beispiel des Deutschen Fußball-Bundes reduziert, was zweifellos zur Stärkung der Nationalmannschaft führen wird. Schade, dass der Handball-Verband diesen Weg noch nicht beschreitet.

D. Pawlowski, per E-Mail

Um die Schönheit des Baus werden wir erst wissen, wenn er steht

Zum Artikel: „Berlin bekommt sein Schloss zurück“ vom 13. Juni

Ich bin dem künftigen Humboldt-Forum in Gestalt des Schlosses auf den Grund gegangen. Im wahrsten Wortsinn. Und wie auch Alexander von Humboldt die Welt erst einmal nur aus Berichten und einschlägigen Karten kannte, so werden wir trotz präziser Aufmaße um die tatsächliche Schönheit dieses Baus erst wissen, wenn er denn 2019 steht. Gut Ding braucht Weile. Was gibt es Besseres, als in dieser fast schon in hysterischen Veränderungen mehr getriebenen als selbst gehenden Stadt in ihrem Kern um ein anderes, jahrhunderteübergreifendes Zeitmaß zu wissen? Schnelligkeit kann, darf und muss sein. Doch ohne sichtbar Zeitübergreifendes gerät alles zum hastigen und hektischen Herumfuchteln in alle Richtungen. Sind Jahrhunderte ein schreckliches oder sind sie hier ein beglückendes Zeitmaß? Das Humboldt-Forum in Gestalt des früheren Berliner Schlosses ist nicht Dreingabe am Ende der Linden, es ist mehr: Es ist das, was Kraft und Ausstrahlung genug hat, der Linden Auftakt zu sein.

Helmut Krüger, Potsdam

Wenn der Wiederaufbau des Schlosses als „Herzensangelegenheit aller Deutschen“ gepriesen wird, ist dies angesichts des Umstandes, dass 67 Prozent aller Deutschen diesen Bau ablehnen, unverständlich. Die geplanten Baukosten von 590 Millionen Euro werden zum Schluss wohl die Milliardengrenze tangieren. Und ob 80 Millionen Euro für die Fassaden durch Spenden aufgebracht werden, ist zweifelhaft.

Werner Kleist, Wilmersdorf

Wenn schon im Vorfeld über Finanzierungslücken gesprochen wird, weiß der Berliner, was ihn erwartet. Bei veranschlagten Baukosten von 590 Millionen Euro hat man kein Verständnis, wenn im gleichen Atemzug etwa 15 Millionen Euro für die Beschäftigung von Sonderpädagogen an den Schulen einfach gestrichen werden. Gut gelaunte Politiker legen den Grundstein für einen Ort der Weltkulturen und vergessen darüber die Berliner Kinder. Die Stadt hat bereits heute mehr als 170 Museen. Man nenne mir einen triftigen Grund für diesen Bau. Allein aus der geschichtlichen Verantwortung heraus kann ich keine Notwendigkeit dafür erkennen.

Michael Klages, Staaken