Leserbriefe

„Ein großer Mutmacher“

Leser über den Besuch von Barack Obama und über seine Rede, seine Wirkung und Ausstrahlung

Ein schöner Tag, dieser Besuch von Barack Obama. Die Souveränität des US-Präsidenten ist beeindruckend. Vor allem die Passagen seiner Rede zur engen Bindung zwischen Europa und den USA zeigen, dass er sich sehr wohl der historisch gewachsenen Dimension dieser Freundschaft bewusst ist. Der Zuversicht, die Obama ausstrahlt, wenn er von der Stärke des Willens nach Freiheit und Demokratie spricht, kann man sich nur schwerlich entziehen. Ein großer Mutmacher, dieser Mann.

Karl Heinz Wollweber, Tiergarten

„Das ist der Geist von Berlin“ – diese Überschrift bringt es sehr treffend auf den Punkt. Denn gerade ein Symbol der überwundenen Teilung wie das Brandenburger Tor bietet sich dafür an, (welt-)politische Visionen zu entwerfen. Wobei die Pläne zum Abbau von atomaren Sprengköpfen sicherlich nicht die schlechtesten sind, zumal sich nicht wenige Regionen auf dem Globus gegenwärtig auf einem vollkommen entgegengesetzten Weg befinden. Weswegen die Bundesregierung den US-amerikanischen Präsidenten tatkräftig unterstützen und eine eigene Friedensagenda entwerfen sollte.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Das Arbeitstreffen ist vorbei, und die Stadt kann durchatmen. Angela Merkels Rede war souverän und abgeklärt, nur ihr Alltags-Outfit hätte doch mal gewechselt werden können. Von Obama kam eigentlich nichts Weltbewegendes. Abrüstung von 33 Prozent ist gut, wird aber wohl eher der klammen finanziellen Situation in den USA geschuldet sein. Zumindest war es kurz vor den Wahlen ein netter Zug von Obama. Angela Merkel kann solche Wahlunterstützung bestimmt gut gebrauchen, von Klaus Wowereit mal ganz abgesehen. Das war doch mal eine nette Abwechslung vom Pannenflughafen. Last but not least haben wir den Amerikanern viel zu verdanken, denke ich nur an die Luftbrücke und an den Marshallplan. Das sollen die Berliner nicht vergessen.

Thomas Hansen, Reinickendorf

Der Besuch von Präsident Obama war sicher längst fällig. Gab es vor Jahren noch erste Irritationen zwischen ihm und Angela Merkel, so hat sich das Verhältnis zwischen den beiden Staatenlenkern doch sehr entspannt. Das jedenfalls erzählen die Bilder des Besuchs. Neben der fast überschwänglichen Beteuerung der festen Freundschaft zwischen den USA und der Bundesrepublik empfand ich die politische Substanz aber eher als gering. Obamas Bekenntnis zum Umweltschutz zum Beispiel erscheint mir angesichts der realen Energiepolitik der Staaten etwas blauäugig.

Jörg Wischnewsky, Mahlsdorf

Das Amt als Ministerpräsident erfordert genug Anstrengung

Zum Artikel: Platzeck fällt mindestens eine Woche aus“ vom 18. Juni

Als einfacher, kleiner Bürger und Brandenburger Einwohner stelle ich mir innerlich die Frage: Hat der Ministerpräsident des Landes Brandenburg mit diesem Regierungsposten nicht genug zu tun? Muss er noch als Aufsichtsratsvorsitzender für den Flughafen BER fungieren? Wenn er auch im Jahre 1997 durch seinen Einsatz als sogenannter Deichgraf während der Oderflut seinen Bekanntheitsgrad erhöht sowie sich große Anerkennung erworben hatte, muss er doch nicht bei jedem weiteren Hochwasser in Erscheinung treten. Zumal er nun als Ministerpräsident tätig ist. Man staunt immer wieder, auf welchen Fachgebieten die Politiker überall Ahnung haben (wollen).

Wolfgang Blümner, Fürstenwalde (Spree)

Zahlen sprechen gegen eine Rekommunalisierung

Zum Artikel: „Ein Wolkenkuckucksheim“ vom 16. Juni

Die Menschen haben leider ein kurzes Gedächtnis. Wie Staatsbetriebe wirtschaften, lässt sich wunderbar an den Berliner Wasserbetrieben zeigen: In den vergangenen zehn Jahren vor der Teilprivatisierung (zwischen 1990 und 2000) stiegen die Wasserpreise um rund 160 Prozent, die Abwasserpreise um knapp 130 Prozent. In den 13 Jahren nach der Teilprivatisierung (2000 bis 2013) stiegen die Wasser- und Abwasserpreise lediglich um 34 Prozent. In den Jahren der Staatswirtschaft erreichte der Personalbestand der Berliner Wasserbetriebe 7600 Mitarbeiter, heute kommt das Unternehmen mit etwas mehr als der Hälfte aus. Vor der Teilprivatisierung floss Geld aus dem Berliner Landeshaushalt in die Wasserbetriebe, nach der Teilprivatisierung war es dann schließlich umgekehrt. Diese Fakten sprechen für sich. Wer angesichts solcher Zahlen auf Rekommunalisierung setzt, muss doch tatsächlich mit dem Klammerbeutel gepudert sein.

Dieter Blümmel, Schöneberg