Leserbriefe

„Ein wenig stolz können wir sein“

Leser zur Grundsteinlegung und zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses in Mitte

Ein Schloss für die Kulturen der Welt, na, das ist doch mal etwas: angemessen. Mit der Grundsteinlegung wächst die Erwartung auf neue Präsentation der Schätze außereuropäischer Kulturen. Ich wünsche allen Handwerkern und dem oder den Baumeistern außerordentliche Leistungen. Das Humboldt-Forum muss Berlin herausheben. Mit Pariser und Londoner historischen Bauten können wir mit dem neuen Schloss sicher nicht konkurrieren, aber ein wenig stolz werden wir wohl sein können. Viel Glück!

Hans Hartleb, per E-Mail

Nach der Grundsteinlegung geht’s los. Wenn dann die ersten Mauern hochgezogen werden und die Steinmetze hoffentlich ihre Prachtstücke zur Besichtigung freigeben, wird sich auch der Geldbeutel der Berliner leichter öffnen. Vielleicht noch Besichtigungstouren wie in Dresden bei der Frauenkirche organisieren, wo jeder sein Scherflein gern dazu gibt.

Thomas Hansen, per E-Mail

Der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses ist gar nicht hoch genug zu bewerten. Denn hiermit schließt sich nicht nur eine architektonische Lücke, sondern man kann auch der totalitären Geschichte ein Schnippchen schlagen. Da man zum Beispiel Personen wie den früheren DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl eindrucksvoll widerlegt, nach deren Meinung kein Hahn mehr nach Abriss der Ruine nach dem Prachtbau der Hohenzollern krähen würde. Weswegen der einzige Wermutstropfen bleibt, dass sich der Bund in Potsdam bei der Instandhaltung von Sanssouci weniger verantwortungsbewusst gegenüber dem historischen Erbe zeigt.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Die Regierenden in diesem Land haben jeglichen Bezug zur normalen Bevölkerung verloren. Es gibt so viele Probleme in Deutschland, aber man gönnt sich ein Schloss für Millionen. Überall gibt es schlechte Straßen, die Innenstädte in vielen Orten verfallen und, auch viele historische Gebäude sind betroffen, und in Berlin jubelt man. Was für ein Tollhaus!

Lothar Siegert,Geyer

Der Säkularisierungsprozess hat die Türkei erreicht

Zum Artikel „Straßenschlacht auf dem Taksim-Platz“ vom 12. Juni

Der Säkularisierungsprozess in den muslimischen Ländern hat die Türkei erreicht. Die Gebildeten und die Jungen sind all die Rattenfänger leid, die den Glauben dazu missbrauchen, ihre Macht diktatorisch auszubauen. Irgendwie erinnern mich die Vorfälle am Taksimplatz weniger an Stuttgart 21, sondern mehr an 1968: Wir begehrten damals gegen die nationalsozialistische Durchwachsung Deutschlands auf, durchaus erfolgreich, wie ich meine, dort will man die laizistische Demokratie ohne die alten Zöpfe. Wenn Erdogan auf diese Bewegung weiter prügelt, wird er, außer einer Radikalisierung (siehe Baader-Meinhoff) nichts erreichen: Ich erinnere mich noch sehr gerne an die Wasserwerfer in der Schellingstraße in München. Die haben nur bewirkt, dass es kein Zurück mehr gab. Willkommen, türkisches Volk, im Kreis der Bürger. Es wird ein langer, schmerzhafter Weg.

Michael Maresch,München

Auch die Mehrheit der in Deutschland lebenden Türken hat die national-islamistische AKP Erdogans und Güls gewählt und wird sie wieder wählen. Es wäre ehrlich und konsequent, wenn diese AKP-Anhänger kurzfristig in die Türkei ziehen. Das Gleiche gilt im übrigen auch für Salafisten und andere Islamisten aus anderen Nationen. Dies würde auch die Position der integrationswilligen, demokratischen Muslime in unserem Land stärken.

Uwe Marquardt, Braunschweig

Sammlung von privaten Daten ist eine Gefahr für die Demokratie

Zum Artikel: „Datenskandal überschattet Obamas Besuch in Berlin“ vom 12. Juni

Überraschen sollte es keinen, dass Google, Facebook und Microsoft den Job des amerikanischen Geheimdienstes (NSA) längst übernommen haben. Sie sammeln seit Jahrzehnten Daten und Fakten von Milliarden Internetnutzern auf dieser Welt. Privatsphäre im Internetzeitalter ist eine Farce. Geheimdienste in Ost und West im 20. Jahrhundert haben im Vergleich nur auf einen Bruchteil an Informationen ihrer Bürger Zugriff gehabt. Die immense Speicherung privater Daten bei Google, Facebook und Co. wird auch weiterhin eine digitale Totalüberwachung rund um die Uhr problemlos möglich machen. Eine Gefahr für Demokratie und Menschenrechte ist das Überwachen von Privatdaten im Internet schon seit langer Zeit.

Albert Alten, per E-Mail