Leserbriefe

„Die Macht der Gewohnheit“

Leser zu dem Bericht des Berliner Rechnungshofs und der Verschwendung von 33 Millionen Euro

Genau 33 Millionen Euro hat Berlin jährlich zu viel ausgegeben. Im Prinzip gerade mal die Bezahlung für den Stillstand des BER während einiger Wochen. Dass Berlin zehn Staatssekretäre zu viel hat, ist doch nichts Neues. Man kann nur hoffen, dass es Konsequenzen bei den Steuerverschwendern gibt, doch das bleibt voraussichtlich ein frommer Wunsch. Wie immer ist der Senat offensichtlich unbeeindruckt vom zahnlosen Tiger Rechnungshof, und es geht munter weiter. Demnächst kommen auf Berlin die Mehrkosten für die Sanierung der Staatsoper zu, des Weiteren die Kosten für die neue überflüssige Zentralbibliothek. Vom Berliner Anteil am BER ganz zu schweigen. Damit sind die „lächerlichen“ 33Millionen Euro schlicht nur Makulatur.

Thomas Hansen, Reinickendorf

Die Zahlen sind gravierend und treffen auch Menschen wie mich, die wirklich gern in der Verwaltung arbeiten. Mir persönlich bekannte Kollegen sparen bewusst. Aber auch von Verschwendungen höre ich immer wieder, und es sind zum Teil abenteuerliche Geschichten. Nur, bis sich dort etwas nach der Rüge der Prüfer tut, fließt leider noch viel Wasser durch die Spree. Es passt, hier ein deutsches Volkslied zu zitieren: „Zu groß ist die Macht der Gewohnheit.“

Constanze Thietz, per E-Mail

Wie ist es möglich, derart leichtfertig mit Steuergeldern umzugehen? Hier stehen ja keine Pfennigbeträge zur Debatte, sondern 33 Millionen Euro, die allein in der Verwaltung unnötig ausgegeben werden. Der Präsident des Rechnungshofes spricht nicht grundlos von Umständen, die an Schilda erinnern. Ich habe eher das Empfinden, dass da ein grundsätzlicher Systemfehler vorliegt. Da wird ein Flughafen fast vorsätzlich zum Milliardengrab fehlgeplant, Straßenbahnschienen werden verlegt, auf denen keine Bahnen fahren, unangemessene Gehälter gezahlt, denen kaum eine entsprechende Leistung zugrunde liegt. Zur Verantwortung für all diese Fehlleistungen aber wird selten jemand gezogen, das System sieht das nicht vor. So nimmt die Entfremdung bei der Verwendung von Steuergeldern allmählich erschreckende Gestalt an.

Dietmar Liebscher, Friedrichshagen

Leider nichts Neues und alle Jahre wieder: Verschwendung unserer hart erarbeiteten Steuergelder im großen Stil! Haftung der betreffenden Beamten und öffentlich Bediensteten? Fehlanzeige! Also machen alle weiter wie bisher. Einsicht und Änderung öffentlicher Abläufe und Genehmigungsverfahren? Wieder Fehlanzeige! Jeder sitzt auf seinem gut versorgten Posten, und wenn mal jemand meckert oder Fehler öffentlich gemacht werden, gibt es sicher eine Alternative im staatlichen, gut dotierten Bereich. Jede Behörde wurstelt so weiter für sich, von Vernetzung oder sinnvollen Absprachen keine Spur. Es ist auch nicht mehr verwunderlich, denn Geld ist ja offenbar genug da.

Michael Klages, Staaken

In Berlin gibt es keine vergleichbare Therme

Zum Artikel: „Freizeitbad warnt vor Sextätern“ vom 24. Mai

Es ist richtig, dass man in der Kristall-Therme in Ludwigsfelde gegen Missbrauchsfälle vorgeht. Denn auch wo Nacktbaden zum Programm gehört, sollten alle unbeschwert ihren Aufenthalt genießen können. Dass bei den Berliner Bädern solche Fälle nicht aktenkundig sind, hat ganz simple Gründe. In Berlin gibt es gar keine vergleichbare Wellness-Therme wie in Ludwigsfelde. Ich würde es begrüßen, wenn es so eine Anlage, auch ohne Nacktbaden, in Berlin geben würde, denn alle ohne Auto sind außen vor. Neidvoll schaut der Berliner nach Köln, wo man mit der Straßenbahn bei der Rhein-Therme vorfahren kann.

Mirko Wenzlawski, Zehlendorf

Zuverlässiges Unternehmen sollte S-Bahn betreiben

Zum Artikel: „S-Bahn-Verkehr auf sieben Linien eingeschränkt“ vom 25. Mai

Es wundert mich, dass gerade an Wochenenden, wenn viele Fahrgäste die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen wollen, immer so viele Einschränkungen, hier speziell der S-Bahn, gemacht werden. Schon allein im täglichen Ablauf ist die S-Bahn öfters unpünktlich und nur eingeschränkt zu nutzen. Hier sollte erneut überlegt werden, ob man den S-Bahn-Betrieb nicht in andere Hände gehen sollte. Allerdings würde ich die BVG ausschließen. Da gibt es bereits so viele andere Unzulänglichkeiten, wie die Sauberkeit der Fahrzeuge und Bahnhöfe. Die S-Bahn muss europaweit ausgeschrieben werden, um ein zuverlässiges Unternehmen zu finden.

Andreas K. Walter, Wilmersdorf