Leserbriefe

„Verhöhnung der Opfer“

Leser zum Aufmarsch von Uniformierten im Treptower Park und zum Verbot von DDR-Symbolen

Was ist noch alles in unserer Demokratie möglich? Es ist schon erschreckend, wenn am 8. Mai, also 23 Jahre nach dem Ende des DDR-Regimes, Stasi-Soldaten in Uniform durch den Treptower Park marschieren. Nachdem es schon einige Zeit gedauert hatte, bis die ehemalige DDR zum Unrechtsstaat erklärt wurde, können die ehemaligen DDR-Bürger und vor allem die vielen Opfer dieses Unrechtsstaates kein Verständnis für solche Aktionen finden. Wann werden endlich auch im Sinn des Grundgesetzes gesetzliche Regelungen geschaffen, die der Verklärung der SED-Diktatur ein Ende machen?

Frank Petzsch, Prenzlauer Berg

Obwohl die CDU 2011 auf ihrem Bundesparteitag in Leipzig schon einmal darüber befinden wollte, ob diese Verhöhnung den Opfern weiter zugemutet werden kann, steht das Ergebnis von damals immer noch aus. Und da soll man glauben, dass die „verstärkten Überlegungen“ und dieses angekündigte „Nachdenken“ zu einem anderen Ergebnis führen wird als 2011? Wenn die Politik in diesem Lande es sogar fertigbringt, dem Traditionsverein Volksarmee e. V. die Gemeinnützigkeit mit den sich daraus ergebenden Steuervergünstigungen zu gewähren, dann scheint die Nationale Volksarmee ja nur ein dem Frieden dienender Wohlfahrtsverein gewesen zu sein.

Harry Döring, per E-Mail

Die Ausführung von Hubertus Knabe unterstreiche ich dick! Aber man muss berücksichtigen, dass der Mensch ein „Herdentier“ ist. Das zeigen die Aufmärsche und Jubelarien von Stalin bis Honecker. Wer aus dem Schutz der Herde ausscherte, musste mit Schwierigkeiten rechnen. So habe ich während der DDR-Zeit mehrmals meine Arbeitsstellen gewechselt, da mir die Politik – sagen wir mal – zu sehr auf den Pelz rückte. Man konnte in der DDR keine Führungsposition einnehmen, wenn auf die Zugehörigkeit zu Partei, Stasi, Kampfgruppe oder Feuerwehr verzichtet wurde. Viele, auch aus meinem Bekanntenkreis, sagten dann tatsächlich: „Man musste dieses und jenes Zugeständnis machen.“

Günter Voss, per E-Mail

Dieses System war unmissverständlich ein Unrechtssystem. Das fing bei Kontrollen an den Sektoren- und Zonengrenzen an, setzte sich bei Inhaftierung missliebiger Personen fort und ging sogar so weit, Landsleute zu erschießen, die dieses System durch Flucht verlassen wollten. Und dann diese Frechheit der Parade in Uniformen dieses Unrechtsstaates. Wenn man selbst diese Schikanen kennengelernt hat, empfindet man das als eine Verhöhnung.

Günter Doberschütz, Rudow

Manchmal traut man seinen Augen nicht, wenn man die Zeitung aufschlägt: Welcher Beamte hat denn diesem „Traditionsverein Nationale Volksarmee e. V.“ die Gemeinnützigkeit zuerkannt? Das darf nicht wahr sein, besonders wenn man bedenkt, wie pingelig genau die Tatbestandsmerkmale der Abgabenordnung sonst geprüft werden. Es kann doch nicht sein, dass der Steuerzahler eine Organisation subventioniert, die Mord und Unterdrückung des ehemaligen DDR-Regimes verherrlicht!

Michael Kromarek, Erkner

Nur ein Vorgeschmack auf schlimmere Katastrophen

Zum Artikel: „Wie in einem Katastrophenfilm“ vom 22. Mai

Der „Katastrophenfilm“ ist bittere Realität, die jedoch keineswegs überraschend einfach daherkommt. Seit Langem ist bekannt, dass der Klimawandel zum Teil jedenfalls vom Menschen selbst verursacht wird. Die Folge davon sind instabile Wetterverhältnisse, die zu gewaltigen Stürmen – also Tornados – führen können. Das alles ist nur ein „Vorgeschmack“ auf schlimmere Katastrophen die uns treffen werden, wenn wir die Natur weiterhin drangsalieren.

Christian Lukner, per E-Mail

Minister muss seinen Aufgaben nachkommen

Zum Artikel: „Keine Elternzeit für den Minister“ vom 18. Mai

Ein Minister will in die Babypause gehen. Wie ernst nehmen eigentlich Bundesminister ihr Amt? Obwohl Abgeordnete und Minister nicht unter das Elternzeitgesetz fallen, melden sie Ansprüche an. Ein Bundesminister hat ein hohes Verantwortungs- und Pflichtmandat dem Volke gegenüber. Kommen sie dieser Aufgabe nicht nach, sind sie für das Amt nicht geeignet. Es ist jedem Minister zuzumuten, innerhalb einer laufenden Legislaturperiode seinen verantwortlichen Aufgaben nachzugehen.

Jürgen Stauff, per E-Mail