Leserbriefe

„Häufig und genau kontrollieren“

Leser zum verordneten Sparzwang in Kantinen, der auch Auswirkungen auf die Qualität des Essens hat

Betriebsleiter und Küchenchefs werden bei privaten Dienstleistern schnell ausgetauscht, wenn die Zahlen nicht stimmen. Der Druck kommt meistens aus den Konzernzentralen. Hohe Logistikkosten erfordern bei einer Systemversorgung höhere Preise. Häufigere und genauere Kontrollen durch die Lebensmittelaufsichtsämter sind erforderlich. Heute verdienen mehrere Firmen und Personen an einer Mahlzeit in der Kantine oder in sozialen Einrichtungen. Die Kommunen müssen die Versorgung wieder in Eigenregie übernehmen, wenn sie eine hohe Lebensmittelsicherheit haben wollen. Wer die nicht garantieren will, hat in diesem Geschäft nichts zu suchen. Die Verantwortung liegt ausschließlich bei den Auftraggebern. Regionale Produkte in eigener Herstellung helfen, die Kosten zu senken.

Ludwig Gäng, Wilmersdorf

Was man mitunter zu recht stolzen Preisen vorgesetzt bekommt, würde man keinem Tier zumuten. Selbst in Uni-Kantinen kostet eine normale Mahlzeit bis zu sechs Euro. Für drei Euro bekommt man ein paar Kartoffeln und eine wie auch immer zusammengesetzte Boulette.

Christoph Luban, per E-Mail

Statt weniger Service lieber mehr Fahrscheinkontrollen

Zum Artikel: „BVG-Busse sollen sich nur noch bei Bedarf absenken“ vom 6. Mai

Für mich wird der Service bei der BVG immer schlechter. Jetzt sollen die Busse demnächst nur noch auf Verlangen der Fahrgäste abgesenkt werden. Man hat schon so Mühe, aus dem Bus zu steigen, wenn der nicht am Bürgersteig an der Haltestelle hält, sondern mitten auf der Fahrbahn. Das passiert mir häufig an der Hermannstraße Ecke Mariendorfer Weg. Im Bus der Linie 277 ist häufig ein Ehepaar unterwegs, beide laufen an Gehstützen und haben große Mühe, aus dem Bus zu steigen. Wer will schon von den Fahrgästen durch den Bus rufen: „Könnten Sie bitte mal den Bus absenken!“ Dann quält man sich lieber so raus. Wie wäre es denn, wenn die BVG mehr auf Schwarzfahrer gucken würde und so ihre Schulden verringert. Ich fahre regelmäßig mit dem Bus, habe aber bestimmt schon zwei Jahre lang keinen Kontrolleur mehr gesehen. Der Service wird weniger, aber die Fahrpreise steigen wieder.

H. Rabiega, per E-Mail

Diskussion um Anpassung des Ehegatten-Splittings ist wichtig

Zum Artikel: „Dennenesch Zoudé ist kinderlos glücklich“ vom 6. Mai

Das ehrliche Bekenntnis der verheirateten Schauspielerin Zoudé regt zum Nachdenken an. Sie ist leider nicht die einzige der heutigen Frauen, die zugeben oder zum großen Teil auch verheimlichen, dass sie ganz bewusst keine Kinder wollen und ein Leben auch ohne Kinder spannend genug finden. Zoudé sagt: „Ich finde Kinder großartig, aber es ist nicht mein Lebensplan, eigene zu haben.“ Insoweit gewinnt die Diskussion um die Notwendigkeit der Anpassung des Ehegatten-Splittings – auf Grundlage der Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts in den 50er-Jahren entwickelt, als noch Familien überwiegend von einem Einkommen lebten – an die heutige, insbesondere von der Wirtschaft beflügelte Realität an Bedeutung. Heutzutage gibt es vermehrt kinderlose Ehepaare mit zwei Einkommen, die den Generationenvertrag missbrauchen und ein spannendes Leben führen. Familien mit Kindern müssen dagegen auf vieles verzichten. Aber diese Kinder müssen später auch die Renten der Kinderlosen mit sicherstellen. Das ist doch ungerecht.

Regina Werpuschinski, Frohnau

Bürgerfreundliches Deutsch sollte zu jeder Beamtenausbildung gehören

Zum Artikel: „Beamte lernen Deutsch“ vom 5. Mai

Bei meinem Eintritt in die Berliner Verwaltung 1966 wurde uns gleich vermittelt, dass und wie Briefe und Bescheide in bürgerfreundlichem Deutsch abzufassen sind. Das gehört zu jeder ordentlichen Beamtenausbildung. Ich empfehle dazu immer noch die „Fingerzeige für die Gesetzes- und Amtssprache“ der Gesellschaft für deutsche Sprache. Andererseits ist das sogenannte Beamtendeutsch auch an die Gesetzestexte im Juristendeutsch gebunden, die ohne bestimmte Rechtsbegriffe nicht auskommen. Die Lichtzeichenanlage ist eine solche. Warum sollte also in einem Bußgeldbescheid die Formulierung „Verkehrsampel“ verwendet werden. Die Schwierigkeit bei Bescheiden, die – wie jene für Arbeitslosengeld II – Rechenwerke in tabellarischer Form enthalten, besteht darin, die Rechtsbegriffe verwenden zu müssen und diese in lesbarer und verständlicher Form wiederzugeben. Dies kann selbstverständlich nicht jeder Ortsbehörde selbst überlassen werden.

Hans-Jürgen Steinmüller, Spandau