Leserbriefe

„Schüler sind keine Manövriermasse“

Zur Forderung der CDU-Politikerin Monika Grütters, die Anzahl der Ferientage für Schüler zu reduzieren

Im Artikel wird berichtet, dass den Schülern jährlich 75 Ferientage gewährt werden, während die Eltern im Schnitt nur 30 Urlaubstage haben. Auch deshalb will die Berliner Bundestagsabgeordnete Monika Grütters die Ferien verkürzen. Und sofort protestieren der Philologenverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) dagegen, denn eine Verkürzung der Ferien hätte auch Auswirkungen auf die Lehrerschaft. Auch Lehrer haben nur Anspruch auf die gesetzliche oder tarifliche Urlaubsregelung. Hier heißt es, dass der Urlaubsanspruch durch die Ferien (in Berlin 2013 = 68 Werktage) als abgegolten gilt, die überschießenden Tage dagegen gelten als beschäftigungsfreie Zeit, während der aus wichtigen Gründen auch eine Dienstleistung angeordnet werden kann. Sollten die Ferien tatsächlich etwa um eine Woche verkürzt werden, so würde der Lehrer nicht mehr über etwa 38 sondern nur noch über 33 beschäftigungsfreie Tage verfügen. Ähnlich verhält es sich bei der Arbeitszeit. Auch ein Lehrer hat normalerweise eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden. Bei zum Beispiel 26 Unterrichtsstunden zu 45 Minuten (etwa 20 Zeitstunden) gelten die übrigen Stunden für Vor- und Nachbearbeitung, Pausen, Elternversammlungen, Nebenämter oder Elterngespräche. Es ist richtig, dass Schule teuer und aufwendig ist. Deshalb sollte sie auch mehr und länger genutzt werden, um zum Beispiel ein ruhiges und stressfreies Lernen zu ermöglichen.

Dieter Meier, Tegel

Wann begreifen unsere Politiker, dass Schüler keine Manövriermasse sind, die man den wirtschaftlichen Gegebenheiten schadlos unterordnen kann? Der Arbeitsmarkt braucht Fachkräfte, und jedes Schuljahr kostet. Eltern wollen/sollen/müssen arbeiten, und Kindergartenplätze sind rar und teuer, also ab in die Schule schon mit fünf Jahren (Vorschule ade, die Betreuer werden anders gebraucht). Dann werden noch die Ferien gekürzt, weil das angeblich den Eltern hilft.

Heide Binner, per E-Mail

Bei der Leiharbeit steht das Wohl der Arbeitnehmer nicht im Mittelpunkt

Zum Artikel: „‚Das ist Sklavenarbeit‘ – Papst Franziskus kritisiert die Lebensbedingungen von Textilarbeitern“ vom 2. Mai

Ist es nicht paradox, wenn wir uns über Sklavenarbeit in fernem Land echauffieren, aber den Blick für das eigene Land verlieren? Kaum etwas anderes ist Leiharbeit, eine Form der modernen Sklaverei, wenn etwa Auftraggeber (Firmen) mit Auftragnehmern (Leihfirmen) über Menschen als Ware und deren Preis verhandeln. Die Not eines Menschen ausnutzen und ihn dann meistbietend und natürlich gewinnträchtig als Arbeitskraft zu verschachern halte ich für genauso verwerflich wie die Art und Weise der Versklavung der Menschen in der Dritten Welt, nur dass wir uns natürlich selbst nur positiv darstellen als Land, dem die christlichen Werte und Moralvorstellung besonders am Herzen liegen. Als ich auf Drängen meiner Firma Leiharbeitskräfte einkaufen musste, hatte ich das Gefühl, schäbig zu sein. Nicht der Mensch, der Arbeitnehmer, um den es eigentlich ging, saß mit am Verhandlungstisch. Der Preis seiner Arbeitsleistung wurde über dem Kopf des Leiharbeiters mit dem Vertreter der Leihfirma verhandelt. Erinnert das nicht ein klein wenig an eine Art von Sklavenmarkt ? Auch bei uns wuchern Exzesse, die einem peinlich sein sollten.

Bärbel Hartenstein, per E-Mail

Selbst Bezieher kleiner Einkommen sind Verlierer

Zum Artikel: „Beim Parteitag der Grünen in Berlin setzt die Spitze ihr Programm durch. SPD-Chef Gabriel beschwört Rot-Grün“ vom 28. April

Nun steht auch das Wahlprogramm der Grünen zur Bundestagswahl im September. Darin gibt es große Übereinstimmung mit der SPD. Es gibt keine Gewinner, selbst Bezieher kleiner Einkommen sind Verlierer. Die kalte Progression wollte die FDP zusammen mit der CDU schon vor der Wahl abschaffen, doch die SPD-Ländermehrheit hat dem Gesetz nicht zugestimmt. So bleibt von den mageren Lohn- und Gehaltserhöhungen in diesem Jahr nicht viel übrig. Höhere Lohnsteuer und Inflation fressen das Mehr an Kaufkraft auf. Doch die größten Verlierer sind die Häuslebauer. Grüne und SPD wollen eine Vermögensabgabe. Gerade in Zeiten der ungewissen Alterssicherung haben viele Arbeitnehmer sich die eigenen vier Wände geschaffen, vielfach ohne staatliche Subvention. Und nun soll dieses Vermögen auch noch besteuert werden. Energetische Sanierungen führen zudem zur Wertsteigerung. Wer auch noch Wohnraum für Vermietung erstellt hat, wird zusätzlich zur Kasse gebeten. Mieterträge sollen krankenversicherungspflichtig werden. Aber auch die Mieter werden kräftig belastet. So soll die Grundsteuer für Wohngebäude künftig nach dem Verkehrswert besteuert werden, damit wird die Steuer sich verdoppeln. Da Grundsteuern Wohnnebenkosten sind, wird jeder Mieter erheblich draufzahlen. Wo bleibt da die soziale Gerechtigkeit?

Jürgen Hempel, per E-Mail