Leserbriefe

„Fähigkeit sollte entscheiden“

| Lesedauer: 5 Minuten

Leser zur Diskussion um die Einführung einer Frauenquote und zum Streit der Koalition darüber

Den Parteien im Bundestag, die für eine Frauenquote in Aufsichtsräten sind, fehlt es an Verständnis für die Realität. Diese Parteien sollten sich mehr und konsequenter dafür einsetzen, dass die Gleichberechtigung der Frau auf allen Ebenen in Deutschland selbstverständlich wird. Wenn das gesichert ist, kann eine Familie ganz anders planen und frei entscheiden, wer künftig der Hauptverdiener wird. Frauen per Gesetz über die Quote in Aufsichtsräte zu bugsieren ist falsch. Die Politiker sollten bei ihren Überlegungen bedenken, ein Hausbau beginnt auch nicht mit dem Dachstuhl.

Wolfgang Priese, per E-Mail

Man stelle sich vor: In Führungsetagen florierender Firmen sitzen Frauen an exponierter Stelle nicht wegen ihrer Kompetenz oder Fähigkeit, sondern wegen der verordneten Frauenquote. Wie soll sich eine Frau fühlen, die durch eine solche Maßnahme quasi in die Karriere geschubst wird. Eine Akzeptanz kann ich mir da kaum vorstellen. Eine Quotenregelung im Berufsleben finde ich falsch. Für das Berufsleben heute sind harte Bandagen erforderlich. Ich habe mir meine Position unter Männern auch fachlich erkämpft und nichts geschenkt bekommen. Ich halte den Grundsatz, jeder nach seinen Fähigkeiten und Leistungen, für wesentlich angebrachter als eine, eigentlich diskriminierende, Quote. Dass es geht, eine Männerdomäne zu besetzen, ohne Quote, zeigt die Schiedsrichterin in der 2. Liga. Sie wird akzeptiert, weil sie etwas kann. Und das ist genau richtig so. Wenn die Politik etwas für die beruflichen Chancen der Frauen tun will, soll sie die Grundlage für die problemlose Vereinbarkeit von Beruf und Familie schaffen. Und zunächst erst einmal dafür sorgen, dass für gleiche Arbeit auch der gleiche Lohn an Frauen gezahlt wird und gleiche Grundsätze für die Renten gelten. Das wäre ein echter Erfolg bei der Frauenpolitik.

Bärbel Hartenstein, per E-Mail

Haben diese Lehrer kein pädagogisches Gewissen?

Zum Artikel: „Gewerkschaft will einen einwöchigen Lehrerstreik in Berlin“ vom 26. April

Es ist einfach unglaublich, mit welcher Rücksichtslosigkeit die Lehrer sich um ihr eigenes materielles Wohl kümmern, weil sie sich ungerecht bezahlt fühlen. Wie werden sich wohl ihre Schüler fühlen, wenn sie in entscheidenden mündlichen Prüfungen von fremden Lehrern geprüft werden. Ich selbst war 40 Jahre lang Lehrerin, bis 2006, habe viele Schüler geprüft und weiß, wie wichtig gerade in der mündlichen Prüfung der persönliche Kontakt zwischen dem Fachlehrer und dem Prüfling ist. Haben diese Lehrer kein pädagogisches Gewissen? Schämen sie sich denn nicht, in dieser wichtigen Situation die ihnen anvertrauten Schüler im Stich zu lassen? Bei allem Verständnis für ihre Forderungen sollten sie doch nie vergessen, dass sie Pädagogen sind, und sich klar werden, was das bedeutet. Sonst haben sie in diesem Beruf nichts zu suchen.

Sabine Gutsche, per E-Mail

Geteilte Meinung zu einer Operninszenierung

Zum Artikel: „Deutsche Oper: Bosse zeigt ,Rigoletto‘ als Spiegelbild“ vom 22. April

Die Inszenierung hatte sicher Schwächen, nicht zuletzt bedingt durch den Ausfall zweier Protagonisten. Dem Kritiker wäre zu empfehlen, auf die Bühne und nicht in den Rückspiegel zu schauen. Über Details kann man streiten. Allerdings habe ich selten die Verzweiflung und Einsamkeit eines Menschen auf leerer Bühne im kalten Neonlicht so erlebt. Es zeugt von der Belesenheit des Kritikers, uns die Inszenierungen der vergangenen Jahrzehnte vorzustellen. Ich war in der Vorstellung und fand sie gut und zeitgemäß.

Gerhart Herzig, Westend

Für die Tourismus-Abgabe gibt es dann ungepflegte Grünanlagen

Zum Artikel: „City Tax beschlossen – Berlin rechnet mit 25 Millionen Euro Einnahme“ vom 24. April

Wenn man erfährt, dass bis 2016 bei den bezirklichen Grünflächenämtern erheblich gespart werden muss, ist das schlicht ein Unding. Berlin will demnächst eine City Tax erheben und bietet künftig im Gegenzug verwahrloste Grünanlagen und einen vernachlässigten Baumbestand an? Da aber die Stadt dank einer „umsichtigen“ Verkehrs- und Bauplanung immer steinerner wird – beste Beispiele sind Schlossumfeldgestaltung und Mittelinsel Tauentzien –, brauchen wir in Zukunft bald gar kein Grün mehr. Weil der Trend zur Entlassung von Fachpersonal beim Berliner Senat anhält und man sich notgedrungen der Privatwirtschaft bedient, verschwindet das Know-how der eigenen Mannschaft. Wo das hinführt, kann man ja beim BER beobachten. Das Gegenteil von Einsparung ist der Fall, die Firmen machen, was sie wollen. Eine Rechnung nach der anderen wird erstellt. Und der Steuerzahler wundert sich, wie die Baukosten allseits explodieren.

Thomas Hansen, per E-Mail