Leserbriefe

„Sie können nicht mehr bauen“

Leser zum Hauptbahnhof und den Gleisbrücken, die im Jahr 2015 schon wieder saniert werden müssen

Diese Nachricht ist typisch für Berlin und die heutige Zeit. Es ist erschütternd, festzustellen: Sie können es nicht mehr, sie können nicht mehr bauen! Der Berliner Fahrgastverband spricht von deutscher Wertarbeit. Es ist wohl an der Zeit einzusehen, dass es diesen Begriff schon lange nicht mehr gibt. Er kam aus der Zeit, als das Baumaterial noch aus unserem Land kam, mit Arbeitern einheimischer Firmen gebaut und von Architekten geplant wurde, die keine Preise gewinnen, sondern dauerhafte Bauwerke errichten wollten. All dies trifft heute nicht mehr zu und ist garantiert auch politisch nicht gewollt. Letztlich werden viele Bauwerke nur noch am Computer konstruiert und berechnet. So ergibt sich häufig eine Kluft zwischen Theorie und Praxis. Die öffentliche Hand ist heutzutage verpflichtet, die billigsten Firmen zu beauftragen. Da viele davon aus dem europäischen Ausland kommen, ist auch die Berufspraxis unterschiedlich. Wir sehen ja, was dabei herauskommt.

Christiane Jenz, per E-Mail

Da kann einem ja angst und bange werden, wenn man von solch einem Schrauben-Fiasko hört. Der Bahnhof wurde – wie bekannt – unter Zeitdruck erstellt, um pünktlich zur Fußball-WM 2006 im eigenen Lande fertig zu sein. Jetzt haben wir 2013, da sind etwaige Gewährleistungsansprüche für den Hauptbahnhof vermutlich Makulatur.

Unverständlich ist nur: Bahnhöfe werden seit mehr als hundert Jahren gebaut, einschließlich gekrümmter Brückenbauwerke, sodass man hier genügend Erfahrungen hinsichtlich der Verbindungselemente hätte sammeln können. Im Zeitalter von Computerplanungen ist es weiterhin erstaunlich, dass solche Übergangs- oder bewegliche Befestigungskonstruktionen statisch nicht rechtzeitig geplant beziehungsweise konstruiert werden konnten. Bei der für 2015 eingeplanten Sanierung sollte gleich noch das notgedrungen einst nur verkürzt erstellte Bahnhofsdach endlich verlängert werden. Fundamente und Material dafür dürften ja vorhanden sein. Die Mehrkosten fallen dann auch nicht mehr groß ins Gewicht.

Thomas Hansen, per E-Mail

Fahrpreiserhöhung ist angesichts des Angebots nicht nachvollziehbar

Zum Artikel: „Bus und Bahn werden teurer – Warum eigentlich?“ vom 12. April

Als Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel fragt man nach einer Rechtfertigung für die jetzige Fahrpreiserhöhung. Bei dem jämmerlichen Zustand der S-Bahn erübrigt sich jeder Kommentar. Über deren Unzuverlässigkeit kann man nur noch den Kopf schütteln. Die BVG ist auch in einem bejammernswerten Zustand. Die U-Bahnhöfe sind zum Teil in einem verdreckten Zustand. Man ekelt sich, wenn man dort warten muss, oft in Gesellschaft der rauchenden örtlichen Trinkerszene. Nur jede zweite U-Bahn fährt tatsächlich bis zur Endstation, und die Ausdünnung zur Ferienzeit ist aus Sicht des Fahrgastes inakzeptabel.

W. Holzfuß, per E-Mail

Erst sollte die unübersichtliche Tarifstruktur überarbeitet werden

Zum Artikel: „Höhere Strafen für Schwarzfahrer“ vom 12. April

Höhere Strafen für Schwarzfahrer überzeugen nicht. Denn letztlich werden so nur die Einnahmen der Anbieter erhöht, ohne dass sich etwas an der Problematik ändert. Zumal ein Grund für die nicht vorhandene Zahlungsmoral im Öffentlichen Personennahverkehr oftmals darin liegt, dass es in den meisten deutschen Städten kein einfaches und günstiges Tarifmodell gibt, sondern eine komplizierte Preispolitik vorherrscht. Deswegen sind zunächst Reformen bei der Tarifstruktur erforderlich.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Krankenkassen zwingen Ärzte zur Rationierung am Patienten

Zum Artikel: „Kinderärzten droht wegen Logopädie-Verordnungen Regress“ vom 17. April

Nicht nur die Kinderärzte sind von der beschämenden Haltung der gesetzlichen Krankenkassen betroffen. Die Kassen haben finanzielle Rücklagen wie nie zuvor. Trotzdem möchten die Verantwortlichen der Krankenkassen die Ärzte zur Rationierung am Patienten zwingen und beharren deshalb auf einer deutlichen Verschlechterung der bisherigen Regressregelungen. Den Nachteil haben die Patienten, deren Ärzte die Rationierung umsetzen, um sich der Regressgefahr zu entziehen, und diejenigen Ärzte, die weiter nach medizinischen Erfordernissen entscheiden und sich der Regressgefahr aussetzen. Das System der Regresse für Medikamentenverordnungen und Heilmittelverordnungen (Krankengymnastik, Logopädie, Ergotherapie) ist pervers und weltweit einzigartig. Kein Politiker haftet mit seinem Privatvermögen für die Einhaltung irgendwelcher Budgets. Deshalb setzen wir Ärzte uns für die vollständige Abschaffung der Regresse ein.

Dr. med. Matthias Lohaus, Tiergarten