Leserbriefe

„Mehr Steuerfahnder nötig“

Leser zu der Enttarnung von weltweiten Steueroasen und dem Aufdecken Tausender Schwarzgeldkonten

Warum setzt Deutschland nicht mehr Steuerfahnder ein, um die Steuerschlupflöcher der Superreichen besser schließen zu können? Deutschland will es sich ganz einfach mit den sogenannten Gentleman-Steuerhinterziehern nicht verscherzen. Da ist es doch in deren Augen viel sinnvoller, Hartz-IV-Empfänger auszuspionieren und sie gegebenenfalls mit Sperrzeiten bei der „Stütze“ zu bestrafen. Und im Notfall kann man ja auch noch ein paar Steuer-CDs von kriminellen Schweizer Bankern aufkaufen, die sich damit ein kleines Zubrot zum Gehalt verdienen möchten.

Ronald Frede, per E-Mail

Es muss doch der jetzigen oder der nächsten Bundesregierung möglich sein, unsere Steuergesetzgebung dahin gehend zu ändern, dass alle Einkommen und Gewinne jeglicher Art, die in der Bundesrepublik Deutschland erzielt werden, auch in Deutschland zu versteuern sind. Unabhängig davon, wo Unternehmen oder Privatpersonen ihren Wohnsitz haben. Wir sollten uns in diesem Fall auch keine Vorschriften von der EU machen lassen.

Georg Lausch, Lichtenrade

Hauptsache ich, dann die Gemeinschaft – mit einer derartigen Einstellung sind leider zu viele Zeitgenossen ausgestattet, die Steuerflucht und Steuerhinterziehung noch immer als Sport und Kavaliersdelikt betrachten. Diesen Herrschaften muss klar gemacht werden, dass sie auf Kosten der Gesellschaft leben.

Ulf Bertram, Gropiusstadt

Im Leitartikel wird der Eindruck erweckt, als wollte der Staat mit der Durchsetzung seiner Steuerforderungen Vermögende enteignen und als müssten Reiche vor dem Staat fliehen. Diese Ansicht empört mich. Bei den Steuerforderungen handelt es sich um gesetzmäßig festgesetzte Beträge, die zum Erhalt eines Gemeinwesens erforderlich sind. Jeder Staatsbürger ist dazu verpflichtet, seine Steuern zu zahlen, damit das Gemeinwesen funktionieren kann. Arbeitnehmern wird dazu die Lohnsteuer direkt vom Gehalt abgezogen. Wo es hinführt, wenn Vermögende in großer Zahl ihre Steuern nicht mehr zahlen und nicht dafür gesorgt wird, dass sie es tun, kann in Griechenland beobachtet werden. Das Gemeinwesen zerfällt, und andere, meist weniger Vermögende, zahlen für die Folgen. Steuerhinterziehung ist asozial und muss geächtet werden.

Klaus-Dieter Gössel, per E-Mail

Das ist nur die Spitze des illegalen Eisbergs in unserer moralisch verkommenen Gesellschaft. Es wird höchste Zeit, dass dagegen vorgegangen wird und die Steuerquellen voll ausgeschöpft werden. Wir haben kein Ausgabenproblem, wie der Kommentar zu suggerieren versucht, sondern ein Einnahmeproblem.

Heinz Joachim Grenzer, Lichtenrade

Die Listen der Steuersünder wurden Journalisten zugespielt, und die Regierung kann sie nicht einfach verschwinden lassen oder ignorieren. Warum darf man eigentlich nicht die Namen der Leute erfahren, die diese Steuerhinterziehungen machen? Wir müssen Steuern zahlen, bis wir nichts mehr haben. Aber Reiche schaffen ihr Geld außer Landes und werden dabei noch von ihren Banken beraten. In meinen Augen war es ein Fehler, diese Banken mit Steuergeld zu retten.

Regina Kröning, Spandau

Die Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF), dass das Ausnutzen legaler Steuerschlupflöcher mehr Schaden anrichten dürfte als die Steuerparadiese, ist richtig. Mit den durch personelle Unterbesetzung geschwächten Steuerverwaltungen können diese Baustellen aber nicht von den Finanzämtern beackert werden. Eine bessere personelle und finanzielle Ausstattung der Steuerverwaltungen ist deshalb notwendig.

Norbert Gewies, Konradshöhe

Erstaunlicher Wandel im Rechtsempfinden deutscher Justiz

Zum Artikel: „Fahnder jagen 50 KZ-Aufseher aus Auschwitz-Birkenau“ vom 7. April

Erstaunlich, wie sich das Rechtsempfinden der deutschen Justiz ohne Gesetzesänderung gewandelt hat. Da wurden nach 1949 reihenweise KZ-Aufseher oder andere NS-Verbrecher von bundesdeutschen Gerichten freigesprochen, weil ihnen angeblich kein konkreter Mord nachzuweisen war. Jetzt erklärt der ermittelnde Oberstaatsanwalt in Hinsicht auf neue Ermittlungen gegen KZ-Aufseher, dass schon die Zugehörigkeit zu einer KZ-Wachmannschaft grundsätzlich als Beihilfe zum Mord zu werten sei. Diese Erkenntnis kommt wohl 50 Jahre zu spät. Selbst wenn die Ermittlungen zum Prozess führen sollten, sind die hochbetagten Angeklagten entweder verhandlungsunfähig oder würden bei einer Verurteilung Haftverschonung erhalten.

Martin Mahadevan, Grunewald