Leserbriefe

„Sie war nie eine Europäerin“

Leser zum Tod von Margaret Thatcher, die als britische Premierministerin die „Eiserne Lady“ genannt wurde

Die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher hat den Turbokapitalismus in Europa erst so richtig salonfähig gemacht. Nicht nur in Großbritannien wird die Gesellschaft heute in Superreiche und bettelarme Habenichtse eingeteilt. Eine bürgerliche Mittelschicht gibt es so gut wie nicht mehr. Die Wiedereinführung einer Klassengesellschaft des 19. Jahrhunderts war das Credo von Margaret Thatchers Wirtschaftspolitik.

Albert Alten, per E-Mail

Über diese spezielle Frau, die in den Adelsstand erhobene Tochter eines Kolonialwarenhändlers, bedarf es einer genaueren, spezifischen Darstellung. Allein vehement insulare, nationalistische Ziele durchzusetzen auf Kosten der europäischen Partner und sogar innenpolitisch äußerst umstrittene Entscheidungen zu fällen, die ihr den Ruf als „Eiserne Lady“ einbrachten, rechtfertigen kaum eine posthume Glorifizierung, wie sie jetzt erfolgt. Diese Frau, die nie eine Europäerin war und trotzig bis zuletzt sich der Wiedervereinigung Deutschlands widersetzte, ist Sinnbild einer Nation, die den Abgang von der Bühne der Weltpolitik nie verkraftet hat.

Peter Meyer, Westend

Alleinige Ausrichtung auf Tourismus ist für Berlins Wirtschaft fatal

Zum Artikel: „40 neue Hotels für Berlin“ vom 7. April

Dass sich Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) über die 40 neuen Hotels mit mehr als 10.000 Zimmern freut, ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, Berlin hat bereits mehr als 120.000 Hotelbetten, der Verdrängungswettbewerb wird also gewaltig zunehmen und andere Häuser in den Bankrott treiben. Das hat dann auch Auswirkungen auf die Arbeitsplätze. Die Verdienstmöglichkeiten im Tourismusbereich sind schon jetzt nicht die besten. Somit wird Berlin weiterhin beim Pro-Kopf- Einkommen in Deutschland an letzter Stelle verharren. Und bei einer möglichen Abschwächung des Tourismus kann sich jeder ausrechnen, was dann auf Berlin zukommt. Es ist ein großer Fehler vonseiten des Senats, so auf die Monokultur Tourismus zu setzen und sich auszuruhen, anstatt mehrgleisig zu agieren.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Wolkenkratzer auch für Wohnzwecke und als weithin sichtbare Stadtkrone

Zum Artikel: „Braucht der Alexanderplatz Hochhäuser?“ vom 8. April

Ja, der Alexanderplatz braucht Hochhäuser! Endlich scheint wieder Bewegung in die Debatte der 90er-Jahre zu kommen. Eine Großstadt wie Berlin sollte Platz für alles haben, und eine weithin sichtbare urbane Stadtkrone am Alex würde die östliche Innenstadt enorm aufwerten. Vor allem Hochhäuser mit einem hohen Wohnungsanteil könnten helfen, die Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt nachhaltig zu entspannen. Ich spreche hier allerdings nicht von Betonklötzen à la Märkisches Viertel, Marzahn oder Gropiusstadt, sondern von einer fantasievoll gestalteten, wirklichen Skyline. Auch sollten die Höhenvorgaben von gerade einmal 150 Metern noch einmal überdacht werden, um echte Wolkenkratzer zu ermöglichen. Gerade der unwirtliche Alex kann dabei nur gewinnen.

Marco Rosenwick, Wilhelmsruh

Anders ist kein Fortschritt zu erreichen

Zum Artikel: „Grüne drängen Koalition zur Frauenquote“ vom 4. April

Es ist gut, dass die Grünen die Koalition zur Frauenquote drängen, denn anders ist kein Fortschritt zu erreichen. Im Gegenteil, verlangt doch der Generalsekretär der CDU noch Fraktionszwang bei der Frauenquote. Denn Hermann Gröhe ist der Meinung, die Frauenquote habe nicht den Charakter von Gewissensfragen. Wie will er das als Mann in führender Position eigentlich wissen? Schon komisch, dass er die Frauen dazu nicht Stellung nehmen lässt. Die Frauenquote ist so lange notwendig, bis Frauen wirklich die gleichen Chancen haben, verantwortliche und gut bezahlte Positionen in Vorständen und Aufsichtsräten zu erreichen.

Brigitte Primke, Hakenfelde

Wertvolle Zeit könnte durch die Parkplatzsuche verloren gehen

Zum Artikel: „Gewerkschaft: Polizisten sollen keine Parkscheine ziehen“ vom 6. April

Auf welche absurden Ideen kommen unsere Politiker denn noch? Wenn die Polizei gerufen wird, ist es meistens dringend. Nun sollen die Ordnungshüter viele entscheidende Minuten mit Parkplatzsuche vergeuden und dann auch noch einen Parkschein ziehen? Ich halte das für einen nachträglichen Aprilscherz.

Edelgard Richter, Wilmersdorf