Leserbriefe

„Wenig überzeugende Pläne“

Leser zum Vorhaben der Berliner Stadtgüter, bis 2020 200.000 Haushalte mit Strom versorgen zu wollen

Die Idee der Berliner Stadtgüter ist gut, nur zu welchem Preis will man denn den Strom produzieren? Und was ist mit den anderen Haushalten? Bei den Witterungsbedingungen der vergangenen Wochen ist nicht verborgen geblieben, dass Solaranlagen kaum Strom abgegeben haben dürften und die meisten Windrotoren mehr stillstanden, als sich zu drehen. Es muss also immer konventionelle Energie aus Kraftwerken vorgehalten werden, damit das Netz nicht zusammenbricht. Da die Atomkraft abgelehnt wird, bleibt nur übrig, Strom aus ausländischen Atomkraftwerken zu importieren und Kohlekraftwerke länger laufen zu lassen. Hinzu kommt, dass wir für die ständigen Experimente an unserem Energiesystem immer mehr bezahlen müssen, allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich der Strompreis vor allem wegen der Öko-Umlagen mehr als verdoppelt. Die Pläne der Stadtgüter sind daher wenig überzeugend.

Christian Lukner, per E-Mail

Die Energiewende wird in eine Sackgasse geraten, solange Strom aus diesen Anlagen nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen und bedarfsgerecht zur Verfügung gestellt werden kann. Die Windanlagen liefern in Deutschland pro Jahr (=8760 Stunden) nur etwa 2000 Stunden Strom, Fotovoltaikanlagen nur etwa 1000 Stunden. In Deutschland sind bereits Sonnen- und Windanlagen mit einer Leistung von 62.000 Megawatt installiert, was, wenn sie denn alle laufen würden, in etwa für die Versorgung aller deutschen Verbraucher ausreicht. Zwischen dem 24. Februar und dem 3.März 2013 trugen Wind und Sonne aber nur zu 8,34 Prozent zur Stromversorgung bei. Am 24.Januar betrug der Spitzenbedarf 73.283Megawatt, die Sonne war schon untergegangen, der Wind lieferte 1479 Megawatt. Es müssen also immer noch herkömmliche Kraftwerke mit voller Leistung zur Verfügung stehen. Hinzu kommt, dass schon heute zeitweise mehr erneuerbarer Strom produziert wird, als abgenommen werden kann. Dann müssen Anlagen abgeschaltet werden, der nicht gelieferte Strom wird aber voll bezahlt. Oder ein Teil des Stromes wird vom Ausland zu dem geringen an der Strombörse in Leipzig gehandelten Preis abgenommen. Man sollte genau hinhören, was Bundesumweltminister Peter Altmaier sagt: „Wenn die Energiewende so wie jetzt fortgeführt wird, wird sie scheitern.“

Burkard Reimer, Altglienicke

Das hört sich erst einmal nett an, wenn unsere Politiker nur nicht so dumm gewesen wären, allen Firmen bei der Privatisierung Gewinne per Vertrag zu garantieren, natürlich ohne vorher die Öffentlichkeit zu informieren. Damals war das ein Schnellschuss, und heute ist es das mit den Stadtgütern auch. Es heißt nämlich nichts anderes, als dass der Steuerzahler zweimal zur Kasse gebeten wird, einmal für die garantierten Gewinne und einmal für die Stadtgüter selbst. Leider gibt es noch mehr solche Doppelzahlungen: Einmal zahlen wir für die Strukturfonds der EU und einmal den Solidaritätszuschlag für die neuen Länder, einmal zahlen wir als Land Entwicklungshilfe und einmal das Gleiche über die EU.

Regina Kröning, Spandau

Es wird suggeriert, dass die Energiewende in Deutschland auch ein wirtschaftlicher Erfolg ist.

Die Wahrheit aber ist: Mithilfe von 300 Milliarden Euro Fördermitteln haben wir unsere Nachbarn mit billigem Strom versorgt. Weihnachten haben wir für die Abnahme sogar noch zugezahlt, um den Netzkollaps zu verhidern, da unsere Speicherkapazitäten nicht ausreichten. Später haben wir dann in Spitzenzeiten den fehlenden Strom teuer zugekauft. Die 1,9 Milliarden Euro Überschuss aus dem Stromexport haben wir Verbraucher mit den 300 Milliarden Euro Fördermitteln teuer bezahlt.

H. Bruderreck, Dipl. Ing. (FH), per E-Mail

Mit realistischer Polizeiarbeit hat das absolut nichts zu tun

Zum Artikel: „Senf lästert über Saarland-‚Tatort‘“ vom 8. April

Bislang dachte ich, schlimmer als beim Hamburger „Tatort“ kann es nicht werden. Aber der aus Saarbrücken hat mich eines Besseren belehrt. Da stimmt nichts: Schlechte Drehbücher paaren sich mit unsäglichen Schauspielleistungen. Was im Münster-„Tatort“ lustig ist, ist da dümmlich. Ein paar willkürlich gewählte Drehorte treffen auf eine Regie, die genauso fehlt wie die Beleuchtung. Massenhaft vorhanden sind dafür beliebige Klischees vom Rocker bis zum Ausländer und zur blöden Staatsanwaltschaft. Das ist leerer Nonsens.

Michael Maresch, München

Wieder ein „Tatort“ der neuen Generation, der mit realistischer Polizeiarbeit absolut nichts zu tun hat. Nach dem Action-„Tatort“ mit Til Schweiger fährt der Saarbrücker „Tatort“ auf der gleichen Schiene. Schade. Der sonst so hervorragende Schauspieler Devid Striesow hat sich mit dieser Rolle keinen Gefallen getan.

Sylvia Otte, per E-Mail