Leserbriefe

„Mehr Fingerspitzengefühl nötig“

Leser zur erneuten Demontage von Teilen der East Side Gallery, um eine Baustellenzufahrt zu schaffen

Es ist wohl dem Missmanagement von Senat und vom Bezirksamt Kreuzberg-Friedrichshain zu verdanken, dass mit dem Neubauprojekt an der East Side Gallery der Unmut und Zorn Tausender Bürger geweckt wurde. Da extrem langwierige Bauplanungen, Prüfungen und Vorbereitungen für Investoren in Berlin erforderlich sind, ist die nun entstandene Situation nicht mehr nachvollziehbar. Gegenseitige Schuldzuweisungen sind da nicht hilfreich und schaden nur. Der Steuerzahler kann nur hoffen, dass mit den zu findenden Lösungen keine weiteren finanziellen Belastungen auf Berlin zukommen. Es reicht schon, wenn die notwendigen Polizeieinsätze aus dem Landeshaushalt finanziert werden.

Frank Petzsch, Prenzlauer Berg

Nun geht das absurde Theater also weiter. Wo waren denn die selbst ernannten Schützer des „Denkmals“ bisher? Kein Protest gegen die Schmierereien und die gekritzelten Duftmarken an den zuvor sehenswerten Kunstaktionen. Wo blieb der Protest gegen die breite Öffnung vor der O2-World und anderswo? Nun Geschrei wegen 22 von 1300 Metern Mauer, alles nur, um ein Bauvorhaben zu verhindern, dem der Bezirk sein Okay gegeben hatte – inklusive Maueröffnung.

Helmut Maier, Westend

Im Abreißen von geschichtlich bedeutsamen Bauwerken waren die Deutschen schon immer gut. Denkmalschutz ja, aber nur so lange, bis ein Investor vor der Tür steht oder das jeweilige Gebäude nicht mehr ins politische Weltbild passt. Die Liste ehemals bedeutender Gebäude ist lang: Anhalter Bahnhof und die zahlreichen Berliner Bahnhofsschlösser, das Stadtschloss, der alte Potsdamer Platz, das alte Grenzgebäude am Checkpoint Charlie … Ohne Aufschrei der Berliner wäre auch der alte Turm der Gedächtniskirche längst Geschichte. Und nun die East Side Gallery. Auch wenn es sich nur um die ehemalige Hinterlandmauer handelt, so ist es doch das einzige noch erhaltene Stück Berliner Mauer, das deren einstige Größe und Monstrosität einigermaßen darstellen kann. Ich wünsche mir ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl im Umgang mit alter Bausubstanz, damit Berlin authentisch bleibt.

Marco Rosenwick, Wilhelmsruh

Welche Behörde, welcher Bürgermeister hat die Genehmigung für die benötigte Zufahrt auf dem Areal der Erinnerungsstätte erteilt und somit aus meiner Sicht Instinktlosigkeit bewiesen?

Alexander Tigges, Eschborn

Als ich unlängst mal wieder in Berlin war und mein Hotel in der Nähe des Ostbahnhofs aufsuchte, erkundigte sich ein Japaner nach dem Weg zur East Side Gallery. Derlei Fragen nach dem Weg höre ich häufig von Gästen aus aller Welt. Das Bauwerk besitzt einen hohen touristischen Wert. Mit dem Bau von Luxuswohnungen auf diesem einmaligen Areal wird es damit für immer vorbei sein. Für den Erlös aus dem Grundstücksverkauf beraubt sich die Stadt künftiger Einnahmen. Wer die East Side Gallery einmal abgeschritten hat, kann nachvollziehen, was die Trennung zwischen Ost und West einst ausgemacht hat und welche Brutalität ihr innewohnte.

Ulrich Hempe, Mainz

Was hier zum Thema East Side Gallery abläuft, beweist ein weiteres Mal das provinzielle Denken, das in Berlin auch mehr als 20 Jahre nach dem Mauerfall herrscht, und den Opportunismus der politischen Eliten in dieser Stadt. Immer werden großspurig neue Großprojekte angedacht, um dann in der Phase der Realisierung ins Trudeln zu geraten. Das ist unprofessionell und ohne Schwung. So kommt Berlin nicht voran. Das gilt eben auch für die Verteidiger dieses obskuren Stückes Berliner Mauer, das unbedingt erhalten werden soll. Und das vor einem Streifen besten Baulandes in Berlin, für das Investoren bereitstehen, aber daran gehindert werden, endlich bauen zu können. Soll Berlin eine Museumsstadt werden? Den Mauerliebhabern und Nostalgikern sollte man ihre Mauer irgendwohin setzen, wo sie der Zukunft Berlins nicht im Wege steht.

Michael Haugk, per E-Mail

Mehrfachbenennungen von Straßen sollten beseitigt werden

Zum Artikel: „Gedenken: Berlin bekommt ‚Platz des Volksaufstandes von 1953‘“ vom 28. März

Erstaunlich, ja fadenscheinig ist, dass der ursprüngliche Benennungswunsch in „Platz des 17.Juni 1953“ „… aufgrund des Berliner Straßengesetzes nicht möglich (war), da der Name eine Doppelung zur (eindeutig abweichend benannten) ‚Straße des 17. Juni‘ darstellen würde“. Wir haben in Berlin so viele tatsächliche Doppel- und Mehrfach-Benennungen von Straßennamen. Zur Vermeidung von immer wieder zu beklagenden Verwechslungen sollten eher diese Mehrfachbenennungen nach und nach beseitigt werden.

Martin Gewies, Frohnau