Leserbriefe

„Das Vertrauen ist dahin“

Leser zur Rettung Zyperns vor der Staatspleite durch die Finanzhilfen der Europäischen Union

Nachdem unsere Regierung uns wochenlang – genau wie im Falle Griechenlands – erklärt hat, Zypern werde auf keinen Fall geholfen, bekommt es jetzt doch wieder Geld. Wie kann man diesen Politikern noch glauben? Und: Müssen wir uns wirklich für unsere Hilfe derart von den Zyprioten verunglimpfen lassen? Und: Wer glaubt denn, dass die Russen das hinnehmen, dass Teile ihres Vermögens konfisziert werden?

Regina Kröning, Falkenhagener Feld

Das ist ja alles schön und gut mit der Zypern-Rettung. Nur wer ist der Nächste, den es trifft? Das Vertrauen in die Banken und die Politik ist dahin. Das Ansehen Deutschlands wird von Tag zu Tag schlechter, die Schere zwischen armen und reichen Europäern immer größer. So wird aus dem europäischen Haus nie etwas Anständiges.

Christian Lukner, per E-Mail

Heinrich Heine wurde einmal gefragt, wieso er ein armer Dichter, sein Onkel aber ein reicher Bankier geworden sei. Die Antwort: „Meine Mutter las immer gern Gedichte, so bekam sie einen Dichter als Sohn. Seine Mutter las immer gern Räubergeschichten, daher wurde ihr Sohn Bankier.“ Was geschieht mit den Pleitebanken auf Zypern, die ihre Kunden, den Staat Zypern und die EU über den Tisch gezogen und systematisch ausgeraubt haben? Sie halten ihre Spielkasinos vorerst geschlossen, damit sie mit unserem Geld gerettet werden können. Danach werden sie aufgespalten in eine Good Bank und eine Bad Bank. Was ist das nur für eine ungerechte und paradoxe Welt, in welcher der Räuber belohnt und das Opfer verhöhnt wird?

Roland Klose, per E-Mail

Wer wollte denn diese Kunstwährung Euro überhaupt? Ende der Neunzigerjahre wurde ohne Volksabstimmung der Euro in Deutschland und in den Ländern der EU eingeführt. Nun haben wir den Schlamassel und müssen um unser Erspartes bangen. Eine Währung kann nur in einem einzigen Staat funktionieren und nicht in 17 Staaten wie jetzt in Europa, wo der Euro als Zahlungsmittel gilt. Dazu sind die Völker und ihre Sprachen, Lebens- und Denkweisen, Rechtssysteme und Ökonomien zu verschieden.

Peter Meyer, Westend

Es ist unverschämt, wie mit Deutschland und der Bundeskanzlerin umgegangen wird. Deutschland ist neben einigen wenigen Staaten das einzige Land, in dem die Wirtschaft funktioniert, weil Disziplin und wirtschaftliche Vernunft gegeben sind. Der Neid einiger Staaten fängt an, unerträglich zu werden. Griechenland und Zypern sollten sich für die Entgleisungen gegenüber Deutschland und der Bundeskanzlerin entschuldigen, bevor sie auch nur einen Cent erhalten.

Harald G. A. Becker, per E-Mail

Irland, Portugal, Griechenland und jetzt Zypern hängen an der Nabelschnur der anderen Euro-Länder. Das nächste Land, was auf Zypern folgt, wird mit Pauken und Trompeten dem Euro seine Daseinsberechtigung nehmen. Warum leistet die Bevölkerung keinen massiven Widerstand gegen die Geldgier der Banken in den Euro-Staaten? Die Bürger Europas haben nichts mit der Verschuldung der Banken zu tun. Weshalb wird aber immer das Steuergeld der Bürger für die Refinanzierung dieser verbrecherischen Banken verwendet? Die Politiker – gleich welcher Partei – sind nicht in der Lage, eine geordnete Bankenlandschaft und so wieder Vertrauen zu schaffen.

Claus-Peter Paege, Reinickendorf

Fast alle Rettungssysteme des Euro sind ausgetestet und de facto ausgeschöpft. Es zeigt sich, wie hoffnungslos das politische Management bereits am Limit agiert. Derzeit sind in Europa die Südländer für ungehemmte Überschuldung, Steuerdumping und Steuerparadiese verantwortlich. Deutschland allein steht für das Vertrauen der Welt in den Euro, indem es bürgt und zahlt. Nun wurde in Zypern deutlich, dass auch auf dem Wege der Enteignung der Euro gerettet werden könnte. Man stelle sich nur vor, dass einem deutschen Sparer plötzlich Teile von seinem Geld konfisziert würden, obwohl Merkel und Steinbrück versprochen haben, dass unsere Einlagen sicher sind. Dass der Sparer für die falsche Politik in Zypern zur Kasse gebeten wird, ist großes Unrecht. Was dort praktiziert wurde, ließe sich im Notfall auch in Deutschland praktizieren. Diese Sorge kann uns kein noch so besänftigend wirkender Politiker nehmen.

Roger Morell, Spandau

Über Nacht ist auf Zypern im Rahmen der Euro- und Finanzkrise endlich eine Vermögensteuer für Milliardäre, Millionäre und die Super-Reichen eingeführt worden. Gut zu wissen, dass erstmals auch die Besserverdienenden und Vermögenden zur Kasse gebeten werden und die Krisenfinanzierung mal nicht auf dem Rücken der kleinen Sparer und armen Bankkunden erfolgt.

Albert Alten, per E-Mail