Leserbriefe

Frust und Enttäuschung sind groß

Leser zu der Entscheidung des Berliner Senats, die Beamtenbesoldung noch nicht zu erhöhen

Die Geduld der Berliner Beamten ist am Ende. Der Besoldungsrückstand in Berlin gegenüber dem übrigen Bundesgebiet wächst Jahr für Jahr weiter und beträgt längst mehr als zehn Prozent. Und weil auch Beamte wie alle anderen Berliner Miete, Strom, Lebensmittel, Benzin und BVG zahlen müssen, sind Frust und Enttäuschung groß. Die Beamten fühlen sich von ihren Dienstherren verhöhnt. Besonders enttäuscht sind sie von der CDU und Innensenator Henkel. Er hatte vor der Wahl viel versprochen, gibt sich nun aber mit der Verweigerungshaltung der SPD-Politiker zufrieden und kann sich mit seinen Vorschlägen nicht durchsetzen.

Jörg Bewersdorf, per E-Mail

Gerade einmal zwei Prozent mehr hat der Finanzsenator den Beamten Berlins 2012 und 2013 zugestanden und verweist in diesem Zusammenhang wie immer, das Totschlagargument aus dem Ärmel ziehend, auf die klamme Haushaltslage Berlins. Den sich weiter verschärfenden Konkurrenzkampf um qualifizierte Nachwuchskräfte kann das Land Berlin nur verlieren, wenn es keine ausreichende finanzielle Perspektive bietet.

Henning Möbus, per E-Mail

Wir Landesbeamte sind nützliche Sklaven, denen man permanente Sicherheit und Ordnung für die Stadt und Mehrarbeit abverlangt. Aber wenn es um gerechte Besoldung geht, ist kein Geld da. Mir fehlt mittlerweile jegliche Motivation, meinen Dienst weiterhin in angemessener Weise durchzuführen. Ich bin überzeugt, dass es meinen Kollegen im Landesdienst genauso geht.

Alexander Anderson, per E-Mail

Die Arroganz, mit der dieser Senat seine Beamten seit Jahren behandelt, ist nicht mehr zu überbieten. Hoher Krankenstand, innere Kündigung und Abwanderung in andere Bundesländer sind längst Alltag in der Berliner Verwaltung. Innensenator Frank Henkel (CDU) sollte sich endlich durch- und für sein Personal einsetzen. Die Gewerkschaften sollten darauf hinwirken, dass man in Deutschland endlich wieder einheitliche Gehälter im öffentlichen Dienst zahlt. Wir wollen einheitliche Verhältnisse in Europa haben, schaffen dies aber nicht einmal im eigenen Land.

Thomas Henschke, Waidmannslust

Mit seinen Aussagen strickt Finanzsenator Ulrich Nußbaum (für SPD) weiter an der Legende wider das Berufsbeamtentum, indem er auf Unterschiede in den Bruttobezügen von Angestellten und Beamten abzielt. Die meisten Bürger verstehen die Unterschiede zwischen Lohn und Beamtenbesoldung ohnehin nicht und sehen die Beamten im gemachten Nest der Unkündbarkeit. Dass es aber genügend Beamte im einfachen und mittleren Dienst gibt, die genauso schlecht verdienen wie viele Beschäftigte in Dienstleistungsberufen, lässt er geflissentlich unbeachtet. So aber werden die Vorurteile weiter gepflegt – mit Ungerechtigkeiten auf beiden Seiten. Die jungen Lehrer werden die Stadt weiterhin verlassen, und es werden sich wohl kaum junge Menschen für die Berufe in Beamtenlaufbahnen entscheiden, wenn sie deutlich schlechter verdienen als in den anderen Bundesländern.

Andreas Maaß, per E-Mail

Wie lange müssen wir Steuerzahler noch diesen aufgeblähten Beamtenapparat finanzieren? Warum müssen Mitarbeiter von Finanzverwaltungen und im Schulsystem noch verbeamtet werden? Für die wirklich notwendigen Staatsdiener, wie etwa die Mitarbeiter der Polizei und der Feuerwehr, sollte mit dem Beamtenrecht endlich eine ordentliche Bezahlung gesichert werden.

Frank Petzsch, Prenzlauer Berg

Es ist ein gefährliches Kalkül, die Besoldung entgegen den bessergestellten Bundesländern in Berlin auf einem Minimum zu halten. Die Arbeitsqualität und Motivation leiden darunter. Der Motor der öffentlichen Sicherheit (Polizei, Feuerwehr) muss auch geölt werden, damit er läuft.

W.-D. Braun, per E-Mail

Es ist erstaunlich, mit welcher Kaltschnäuzigkeit Klaus Wowereit und sein Finanzsenator agieren. Seit 2004 wurden drei Besoldungserhöhungen gezahlt, die ihren Namen nicht verdient haben. 2010/11 wurde vorher noch am Weihnachtsgeld und an den Zulagen gekürzt, sodass unter dem Strich ein Minus entstand.

E. Rauhut, per Mail

Ich war Polizeibeamter mit mehr als 40 Dienstjahren und kann die vertröstenden Worte nicht mehr hören. Die Gehaltsunterschiede zwischen Bundes- und Landesbeamten in Berlin sind eine schreiende Ungerechtigkeit. Es hilft uns nicht weiter, wenn Henkel die Enttäuschung der Beamten wieder einmal bedauert und den Beamten eine Perspektive für die kommenden Jahre in Aussicht stellt. Man hat das Gefühl, dass unsere Belange von den Politikern ignoriert werden.

Peter Müller, Steglitz