Leserbriefe

„Es fehlt der politische Wille“

Leser zu der Debatte um den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel nach Inbetriebnahme des BER

Das Gezerre um die Offenhaltung von Tegel zeigt ganz klar, dass es hierbei nicht um Logik, Wirtschaftlichkeit und Passagierinteresse geht. Es geht allein um juristische und politische Rechthaberei. Beschlüsse können und konnten bei veränderten Gegebenheiten immer revidiert werden, wenn der Wille vorhanden ist. Hier ist aber der politische Wille nicht vorhanden.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Es ist doch nicht so, dass wir bloß auf die Eröffnung des BER warten und die Angelegenheit „Drehkreuz Berlin“ dann damit erledigt ist. Deshalb freut mich, dass diese Diskussion jetzt aufgebrochen ist. Hoffentlich nutzt man die Zeit bis zur Eröffnung des BER auch für Überlegungen zur Flughafenpolitik in Berlin und Brandenburg.

Jürgen Spiegel, Neukölln

In der Debatte um die mögliche Offenhaltung von Tegel wird kaum erwähnt, dass Tegel und Schönefeld mehr oder weniger innerstädtische Flughäfen sind. Beide lösen daher nicht das Problem der Umweltverträglichkeit, vor allem beim Lärmschutz. Dabei gibt es für diesen Konflikt durchaus Lösungsmöglichkeiten, etwa durch den Bau eines zusätzlichen Flughafens in Sperenberg. Schon vor zehn Jahren galt dieser Standort bei Fachleuten als ideal. Nur die Politik war anderer Meinung – und ist heute mit ihrem Latein am Ende. Sperenberg erfüllt immer noch alle Kriterien für einen erfolgreichen Flughafen und wäre eine Investition in die Zukunft unserer Stadt. Dennoch favorisiert Flughafenchef Mehdorn weiterhin Tegel mit all seinen Risiken. In Tegel sollte auch weiterhin geflogen werden, allerdings zeitlich befristet und vor allem für eine bestimmte Zielgruppe wie etwa Charterflieger oder Regierung.

Peter Stebner, Heinersdorf

Die wiederholten Hinweise darauf, dass 60 Prozent der Berliner für die Aufrechterhaltung des Flugbetriebes in Tegel sind, erweckt den Eindruck, als könne man eine solche Entscheidung nach Mehrheitsgesichtspunkten treffen. Das ist aber schon deshalb nicht richtig, weil es sich bei dieser Mehrheit insbesondere um Bürger handelt, die heute und künftig vom Fluglärm nicht betroffen und damit befangen sind. Ein neutrales Gremium wird sich bei seiner Entscheidung vielmehr von anderen Kriterien leiten lassen. Dazu gehört in erster Linie, dass bei einem zukunftsorientierten Flughafen in der Region Berlin/Brandenburg so wenig wie möglich Menschen vom Fluglärm betroffen sind.

Werner Schulz, Spandau

Wer genau möchte den Flughafen Tegel offenlassen? Sicher nicht die Bewohner von Spandau. Seit dem Bau des BER haben wir hier keine Nachtruhe mehr. Geflogen wird zu jeder Tages- und Nachtzeit. Dieser Krach ist gesundheitsschädigend. Was will man uns hier eigentlich noch alles zumuten?

Marianne Friedrich, per E-Mail

Wer braucht denn eigentlich noch Tegel, wenn der neue Hauptstadtflughafen BER vollständig funktioniert? Diejenigen, die nun die Weiterbetrieb des alten West-Berliner Airports fordern, sind Populisten und Ewiggestrige, die schon beim Versuch, den Flughafen Tempelhof offenzuhalten, gescheitert sind. Diese Diskussion kann sich Berlin wirklich sparen.

Peter Hirsch, Wilmersdorf

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat erklärt, dass aus rechtlichen Gründen der Flughafen Tegel geschlossen werden muss. Seltsamerweise ging das bei dem Beschluss zur Schließung der Atomkraftwerke, obwohl kurz zuvor die Laufzeiten verlängert worden sind. Das wundert mich.

Edelgard Richter, per E-Mail

Fragen zu stellen ist Recht, Pflicht und Aufgabe der Politiker

Zum Artikel: „Helikopterabsturz soll im Parlament behandelt werden“ vom 24. März

In Bezug auf das furchtbare Hubschrauberunglück in Berlin erlaube ich mir zur Mäßigung aufzurufen. Als Politiker habe ich auch Fragen gestellt. Dies ist mein Recht, meine Pflicht und meine Aufgabe. Von vielen Vertretern verschiedener Polizeigewerkschaften werden Politiker wie ich dafür heftig kritisiert. Da wird von Dilettanten und Hinterbänklern geredet und geschrieben, die keine Ahnung hätten. Dies zeigt mir eindeutig: Das demokratische Verständnis dieser Polizeigewerkschaften – wobei die Gewerkschaft der Polizei, deren Mitglied ich bin, den Vogel abschießt – ist in meinen Augen mindestens zu hinterfragen. Derartig undemokratisches Verhalten ist nicht hinnehmbar. Natürlich kann man verschiedene Ansichten haben, natürlich kann man sich streiten, auch heftig und kontrovers. Aber die Art und Weise, wie das die genannten Gewerkschaften tun, hat mit seriöser Kritik nichts mehr zu tun.

Jürgen Maresch, MdL (Linkspartei), Cottbus