Leserbriefe

„Beurteilung Experten überlassen“

Leser zum Hubschrauberunglück, bei dem ein Pilot getötet und mehrere Menschen verletzt wurden

Hoffentlich war der sinnlose Tod eines Bundespolizisten wenigstens nicht umsonst, sondern lehrt für die Zukunft. Bei einer Übung dürfen weder Menschenleben noch Millionen Euro teure Fluggeräte riskiert werden. Wer die Videos von der missglückten Landung sieht, sieht, dass er nichts sieht. Eine ähnliche Sicht muss der Pilot des den Unfall verursachenden Helikopters gehabt haben. Ob der Weisungsdruck zu hoch war, um die Landung selbstständig abzubrechen, können vielleicht die Ermittler klären. Eine Mitschuld wird der Übungsleitung ganz gewiss anzulasten sein. Die Behauptung „Wir fliegen bei jedem Wetter“ ist jedenfalls Unfug. Auch Bundespolizei und Militär fliegen nicht bei jedem Wetter, schon gar nicht in Bodennähe und mit einem so empfindlichen Fluggerät wie einem Hubschrauber. Nicht nur die Grünen, sondern die Allgemeinheit möchte jetzt unbedingt wissen, warum ein Familienvater sterben musste.

Ralf Drescher, Lichtenberg

Meine Gedanken sind bei den Angehörigen. Sie müssen nicht nur mit dem Verlust eines Menschen leben, sondern täglich in den Medien hören und lesen, wie immer mehr vermeintliche Kenner manche Einsatztaktiken und Übungselemente der Bundespolizei unter dem Aspekt der Verhältnismäßigkeit infrage stellen. Ich bin Mitglied einer freiwilligen Feuerwehr. Wir üben auch gefährliche Einsätze, um im Ernstfall die Bürger schützen zu können. Dass wir freiwillig bei Dunkelheit und Glätte Brandeinsätze mit Feuer geprobt haben, macht mich vor dem Hintergrund der Meinung einiger Politiker sehr nachdenklich.

André Dusedeau, per E-Mail

Als ehemaliger Präsident der Bundespolizei mit 40-jähriger Führungserfahrung hatte und habe ich höchsten Respekt vor der Professionalität der fliegenden Einheiten der Bundespolizei. Personalauswahl, Materialausstattung, fliegerische Ausbildung und Einsatzmöglichkeiten sind selbst im europaweiten Vergleich beispielhaft. So befähigt die hohe fliegerische Kompetenz die Piloten jederzeit, die Wetterminima für ihre Einsätze eigenverantwortlich beurteilen zu können. Bei den Kollegen von Bund und Ländern, aber auch bei befreundeten Organisationen genießen sie eine hohe Reputation, da sie häufig Helfer in letzter Not waren. Umso mehr empört es mich, dass nunmehr Politiker aus der dritten Reihe mit besserwisserischer Attitüde versuchen, das tragische Geschehen zu instrumentalisieren. Allein der Respekt vor dem bei Erfüllung seiner Dienstpflichten ums Leben gekommenen Piloten und seinen verwundeten Kollegen hätte es geboten, die Beurteilung des tragischen Geschehens den hierzu Berufenen zu überlassen und einfach die Klappe zu halten.

Bernd Walter, per E-Mail

Juristische Bedenken sollten nicht das Entscheidungskriterium sein

Zum Artikel: „FDP verhindert NPD-Verbotsantrag“ vom 19. März

Die Haltung der FDP-Spitze zum NPD-Verbotsantrag kann man nur mit Unverständnis zur Kenntnis nehmen – sogar einige Parteimitglieder können sich dieser Entscheidung nicht anschließen. Aus der Geschichte der Weimarer Republik müssten auch liberale Politiker eigentlich gelernt haben, dass im Kampf um die Sicherung der demokratischen Ordnung alle demokratischen Parteien zusammenhalten und nach außen auch Einigkeit demonstrieren müssen. Juristische Bedenken zum Verfahren sollten nicht das Entscheidungskriterium sein. Erst recht dürfen nicht wahltaktische Gründe für die Entscheidung den Ausschlag geben. Gerade die Geschichte der liberalen Bewegung zeigt, dass man mit Verharmlosung und Beschwichtigung den organisierten braunen Sumpf nicht bekämpfen kann. Richtig ist, dass über ein NPD-Verbot hinaus NS-Gedankengut stärker bekämpft beziehungsweise entlarvt werden muss. In der Schule erreicht man das sicher nur, wenn der politische Unterricht verstärkt und aufgewertet wird.

Peter Lundkowski, Wedding

Die Deutschen nehmen scheinbar alles ruhig hin

Zum Artikel: „Keine Regeln, kein Europa“ vom 23. März

Seit Jahren fragt man sich, warum sich Brüssel mit so vielen unwichtigen Kleinigkeiten befasst, aber mit den entscheidenden Grundfragen, den Regeln, nach denen Europa nur funktionieren kann, offensichtlich nicht. Wie ist es möglich, dass einige Mitgliedsstaaten einfach draufloswirtschaften, praktisch kein wirksames Steuersystem haben und ohne Scham auf Pump leben, sich nicht an die vereinbarten Regeln halten und gegenüber ihren Völkern immer wieder auf das angeblich schuldige Deutschland zeigen, um ihre Unfähigkeit zu verschleiern. Das Ausland wundert sich zunehmend, dass die Deutschen alles so ruhig hinnehmen.

H. Kunzelmann, per E-Mail